Die Zocker sind unterwegs – Ein Kommentar

René Benkos Signa-Holding und auch die deutsche Bundesregierung haben ein seltsames Verhältnis zu Finanzen.
René Benkos Signa-Holding und auch die deutsche Bundesregierung haben ein seltsames Verhältnis zu Finanzen. (Bild: Pixabay)

Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, kommt schnell zur Erkenntnis, dass Finanz-Hasardeure derzeit eine Pleite nach der anderen erleben. Die „Finanz-Genies“ von Wire-Card machten 2020 negative Schlagzeilen, jetzt sind es die Bunderegierung und der Immobilien-Guru René Benko.

Wer zur Spielbank fährt, muss sich bewusst sein, dass nur einer gewinnt, das ist die Bank! Die Bundesregierung hat sich beim Hütchenspiel erwischen lassen und eine böse Klatsche vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Dass der Bundeskanzler diese Trickserei (Schulden auf Vorrat) wollte, darf als gesichert angenommen werden.

Der interessierte Politikbeobachter reibt sich aber verwundert die Augen, dass ausgerechnet Finanzminister Lindner (FDP) dabei mitmachte, obwohl damals u.a. Dr. Matthias Middelberg (CDU) bei den Haushaltsberatungen davor warnte. Seine Worte verhallten, die Abgeordneten der Ampel-Regierung wischten die Warnungen vom Tisch.  

Die FDP, deren Bundes-Vorsitzender Lindner ist, präsentierte sich seit ihrem Bestehen als Hüter der Finanzen und Steuern. Wer sich mit diesem „Alleinstellungsmerkmal“ brüstet, hätte sich aber niemals auf dieses Hasard-Spiel einlassen dürfen. „Es ist besser, nicht zu regieren als falsch zu regieren,“ sagte Linder im November 2017 und ließ damit die Sondierungen zu einer „Jamaika-Koalition“ (CDU, Grüne, FDP) platzen. Davon ist nichts mehr zu spüren. Jetzt macht er den Kotau (tiefe Verbeugung) vor fragwürdigen Entscheidungen und Überlegungen in der Ampel, nur um an der „Macht“, sprich in der Regierung bleiben zu können.

Es dürfen Wetten angenommen werden, ob er sich bei den „kreativen Überlegungen“, mit denen eine Notlage herbeigeführt/erklärt und auch die Schuldenbremse ausgehebelt werden soll, tatsächlich des einstigen FDP-Markenkerns erinnert. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Lindner im Gegensatz zu 2017 bereit, lieber „schlecht, als gar nicht zu regieren“.

Zocken gehörte auch zum System Benko. Der Österreicher, der mit seiner Signa Holding in kurzer Zeit zu einem mächtigen Finanzinvestor und Immobilienbesitzer aufstieg, erlebt jetzt einen tiefen Fall. Seine eifrigen Lobbyisten, zu denen u.a. mindestens ein ehemaliger Kanzler der Republik Österreich gehörte, verhalfen ihm zu Kontakten in höchste Kreise der Politik, Wirtschaft und Banken. So gelang es ihm Gelder in abenteuerlichen Größenordnungen für protzige Projekte wie den Elbtower aufzutreiben. Zu seinen „Genie-Streichen“ gehörte 2019 die Übernahme der Warenhaus-Kette Galeria-Kaufhof. Seither hat er von der Bundesregierung mehrmals Staatshilfen erhalten. Binnen weniger Wochen hat sich nun das Finanz-Genie Benko entzaubert, die Blase ist geplatzt.

Erst wurde eilends der erfahrene Sanierungsexperte Arndt Geywitz zur Sanierung der Signa-Holding geholt, jetzt wurde sogar Insolvenz angemeldet. Benko hat offenbar ein verschachteltes Firmenimperium von rund 1000 Firmen und Unterfirmen aufgebaut, der dazugehörende Sportartikelhändler SportScheck hat heute Insolvenz angemeldet. Das erinnert fatal an den Aufstieg und Fall seines Landsmanns, dem „Hendl-König“ Friedrich Jahn (Wienerwald).

Auch hier dasselbe Strickmuster. Zu schnelles Firmenwachstum, eine unüberschaubare Organisation von mehr als 200 Großkonzern-Firmen (u.a. Jahn-Reisen). Das Ende von Jahns kometenhaftem Aufstieg erfolgte Anfang der 80er Jahre.

Benko, Jahn und die Koalitionäre in Berlin belegen mehr als eindrücklich: „Gier frisst Hirn!“ 

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