Komplexe Ermittlungen Durchsuchung in Ravensburg: Verbindung zu schwerem Angriff in Stuttgart

Durchsuchung in Ravensburg: Verbindung zu schwerem Angriff in Stuttgart
Im November 2025 rückte eine Spezialeinheit aus Stuttgart zu einem Einsatz in der Ravensburger Innenstadt aus. Dabei stürmen sie die falsche Wohnung. Nach Recherchen des WOCHENBLATT steht nun fest, warum die Spezialeinheit im Einsatz war. (Archiv: Bild: David Pichler)

Im November 2025 war es in der Ravensburger Innenstadt zu einer geplanten polizeilichen Durchsuchung gekommen. Eine Spezialeinheit stürmte in den frühen Morgenstunden eine Wohnung. Wie sich nun herausstellt: Der Einsatz hatte einen Bezug zu einer schweren Straftat in Stuttgart. Dort wurde ein Mann lebensgefährlich verletzt.

Eine Durchsuchung in der Ravensburger Innenstadt im November vergangenen Jahres steht im Zusammenhang mit einem umfangreichen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Das geht aus einer Anfrage des WOCHENBLATT bei der Staatsanwaltschaft hervor. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein 53-jähriger Mann, der Personen aus dem Umfeld eines Mannes bedroht und genötigt haben soll, der zuvor Opfer eines schweren Angriffs in Stuttgart geworden war.

Die Durchsuchung fand am 26. November 2025 statt. Dabei war eine Spezialeinheit aus Stuttgart im Einsatz. Dabei wurde zunächst die falsche Wohnung in dem Gebäude gestürmt. Die dort lebende Familie war von dem Einsatz betroffen und musste von der psychosozialen Notfallversorgung der Malteser im Anschluss betreut werden. Die Polizei entschuldigte sich anschließend für den Fehler und kündigte an, die Kosten für die beschädigte Wohnungstür zu übernehmen.

Der eigentliche Hintergrund des Einsatzes liegt nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch in einem komplexen und größeren Ermittlungsverfahren, das mit einem schweren Angriff in Stuttgart zusammenhängt.

Schwerer Angriff auf 37-Jährigen in Stuttgart

Ausgangspunkt des Ermittlungskomplexes ist ein Vorfall vom 11. August 2025 in Stuttgart. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft trafen sich mehrere Männer zweier Familien an einem Café mit einem damals 37-Jährigen.

Sechs Männer wurden später angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, sich zuvor zusammengetan und den Mann entsprechend einer vorgefassten Absicht mit Schlagwerkzeugen angegriffen zu haben. Dabei sollen sie ihm elf potenziell lebensgefährliche Schläge gegen Kopf und Körper versetzt haben. Als Hintergrund des Angriffs soll eine Streitigkeit über den Verkauf eines Möbelhauses in Stuttgart-Feuerbach stehen.

Am 16. Januar 2026 erhob die Staatsanwaltschaft gegen die sechs Männer Anklage wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beim Landgericht Stuttgart – Jugendkammer.

Das Verfahren gegen einen der Männer wurde vom Landgericht abgetrennt. Gegen die übrigen Angeklagten wurde am 6. August 2026 ein Urteil gesprochen. Ein 51-Jähriger wurde freigesprochen. Die Urteile gegen die übrigen Angeklagten sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht rechtskräftig.

Ermittlungen gegen 53-Jährigen dauern an

Die konkrete Durchsuchungsmaßnahme in Ravensburg richtete sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen einen 53-Jährigen. Dieser soll im Nachgang des Angriffs Personen aus dem Umfeld des Geschädigten bedroht und genötigt haben, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Anfrage mit.

Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Ermittlungen in diesem Verfahren noch andauern. Weitere Einzelheiten zu den Vorwürfen gegen den 53-Jährigen oder zu den Ergebnissen der Durchsuchung teilte sie mit Blick auf das laufende Verfahren nicht mit. Damit ist nun erstmals der konkrete strafrechtliche Zusammenhang der Durchsuchung in Ravensburg nachvollziehbar.

In diesem Wohngebäude in Ravensburg war die Spezialeinheit aus Stuttgart im Einsatz.
In diesem Wohngebäude in Ravensburg war die Spezialeinheit aus Stuttgart im Einsatz. (Archiv: Bild: David Pichler)

Verbindung zur Ravensburger Durchsuchung

Die Durchsuchung in Ravensburg war nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht Teil des eigentlichen Verfahrens gegen die sechs Angeklagten, sondern erfolgte in einem damit zusammenhängenden Ermittlungsverfahren gegen den 53-Jährigen.

Was bei der Durchsuchung gesucht oder möglicherweise sichergestellt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nach der Auskunft der Staatsanwaltschaft lediglich, dass der Einsatz im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den 53-Jährigen stand und diese weiterhin laufen.