Die wegen versuchten Mordes angeklagte 34-Jährige hat vor dem Landgericht Ravensburg erstmals ihre Sicht geschildert. Auch der Mann, der Mutter und Kind von den Gleisen rettete, sagte als Zeuge aus.
Am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag, 10. September, rückten die Aussagen der Angeklagten und eines wichtigen Zeugen in den Mittelpunkt. Die Frau äußerte sich mithilfe eines Dolmetschers zu den Geschehnissen, die nun vor der Schwurgerichtskammer verhandelt werden.
Vorwurf des versuchten Mordes
Die Staatsanwaltschaft wirft der 34-Jährigen vor, im Februar 2026 an einem Bahnübergang in Friedrichshafen gemeinsam mit ihrer damals vierjährigen Tochter unter einer bereits abgesenkten Bahnschranke hindurch auf die Gleise gegangen zu sein.
Nach der Anklage soll sie beabsichtigt haben, sich und das Kind von einem herannahenden Zug überfahren zu lassen. Ihrer Tochter soll sie einen Gehörschutz aufgesetzt haben, damit das Mädchen Geräusche wie den herannahenden Zug nicht wahrnehmen konnte.
Nur das Eingreifen von Zeugen habe nach Angaben des Landgerichts verhindert, dass Mutter und Tochter vom Zug erfasst wurden. Dadurch habe auch eine Notbremsung des Lokführers verhindert werden können.
Retter sagt vor Gericht aus
Am Donnerstag sagte vor dem Landgericht auch der Mann aus, der Mutter und Tochter am Bahnübergang bemerkte und eingriff. Nach einem Bericht des SÜDKURIER schilderte er vor Gericht die Situation und seine Rettungsaktion.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, die Arg- und Wehrlosigkeit ihrer Tochter ausgenutzt zu haben. Deshalb ist sie unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt. Über die Vorwürfe und eine mögliche Schuld der Frau muss das Gericht im laufenden Verfahren entscheiden.
Weitere Vorwürfe gegen die Angeklagte
Neben dem Vorwurf des versuchten Mordes geht es in dem Verfahren um weitere Anschuldigungen. Angeklagt sind auch Körperverletzungshandlungen gegenüber einem Mann und einer Frau im Oktober 2025 in Friedrichshafen sowie anschließende Widerstandshandlungen gegen herbeigerufene Polizeibeamte.
Weitere Verhandlungstage angesetzt
Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg begann am Mittwoch, 9. September. Am Donnerstag wurde die Hauptverhandlung fortgesetzt.
Weitere Verhandlungstermine sind für Dienstag, 15. September, und Mittwoch, 16. September, jeweils um 8.30 Uhr vorgesehen.