Die Zahl der Schweinehalter in Baden-Württemberg ist seit 2016 deutlich gesunken. Die CDU-Landtagsfraktion fordert verlässlichere Rahmenbedingungen.
Die Entwicklung trifft insbesondere Betriebe mit Zuchtsauen: Nach der repräsentativen Viehbestandserhebung gab es 2016 noch etwa 1.130 Zuchtsauenhalter, 2026 waren es nur noch rund 550. Erfasst werden Betriebe mit mindestens 50 Schweinen beziehungsweise mindestens zehn Zuchtsauen.
Insgesamt sank die Zahl der erfassten schweinehaltenden Betriebe innerhalb von zehn Jahren von rund 2.420 auf etwa 1.380. Das entspricht einem Rückgang um rund 43 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Schweinebestand von etwa 1,80 Millionen auf 1,24 Millionen Tiere und damit um rund 31 Prozent.
Auch beim Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch zeigt sich die Entwicklung. Dieser lag in Baden-Württemberg 2015 bei 60,2 Prozent und 2021 bei 60 Prozent. Im Jahr 2023 fiel er auf 52,5 Prozent. Zuletzt stieg er wieder leicht auf 55,9 Prozent im Jahr 2025, blieb damit aber deutlich unter dem Niveau von vor zehn Jahren.
Die Zahlen gehen aus einer aktuellen Stellungnahme des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat zu einem parlamentarischen Antrag des Landtagsabgeordneten Dr. Tim Breitkreuz und weiterer Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion hervor.
„Die Schweinehaltung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Landwirtschaft und unserer regionalen Wertschöpfung. Viele Familienbetriebe haben über Generationen hinweg in Tierhaltung, Stalltechnik und hohe Qualitätsstandards investiert. Wenn immer mehr Betriebe aussteigen oder notwendige Investitionen nicht mehr wagen, müssen wir genau hinschauen, woran das liegt und an welchen Stellschrauben Politik ansetzen kann“, erklärt Breitkreuz. „Probleme sind dabei insbesondere die derzeit niedrigen Schweinepreise, viel zu hohe bürokratische Hürden und fehlende Planungssicherheit durch ständig neue gesetzliche Vorgaben“.
„Ein Strukturwandel gehört zur Landwirtschaft seit jeher dazu. Entscheidend ist aber, ob Betriebe aus unternehmerischen Gründen neue Wege gehen oder ob sie aufgeben, weil Investitionen nicht mehr kalkulierbar sind und Perspektiven fehlen. Wenn innerhalb von zehn Jahren mehr als vier von zehn erfassten Schweinehaltungen verschwinden und sich die Zahl der Zuchtsauenhalter sogar halbiert, können wir das nicht einfach als normalen Prozess abtun“, so Breitkreuz.
Schweinepreise 2026 unter Druck
Besonders angespannt hat sich 2026 die Marktlage entwickelt. Nach Angaben des Ministeriums ist der starke Preisverfall vor allem auf ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Die Nachfrage nach Schweinefleisch blieb schwach. Auch die sonst üblichen Absatzimpulse durch Grillsaison, Sommer und Fußball-Weltmeisterschaft blieben aus.
Gleichzeitig entstand auf europäischer Ebene ein Überangebot. Insbesondere Schweinefleisch aus Spanien, das zuvor in größeren Mengen unter anderem nach China und in die USA exportiert worden war, traf aufgrund eingeschränkter Exportmöglichkeiten verstärkt auf den europäischen Binnenmarkt. Volle Kühl- und Gefrierlager verschärften die Lage zusätzlich.
Der bundesweite VEZG-Schlachtschweinepreis sank im Sommer zeitweise auf nur noch 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Auch die Ferkelpreise gerieten dadurch erheblich unter Druck.
Für Breitkreuz zeigt sich daran ein grundlegendes Problem: „Unsere Betriebe sind einem Markt mit erheblichen Schwankungen ausgesetzt, während viele ihrer Kosten langfristig gebunden sind. Ein Stall wird nicht für zwei oder drei Jahre gebaut, sondern für Jahrzehnte. Investitionen in Tierwohl, Emissionsschutz und moderne Haltungssysteme funktionieren deshalb nur, wenn Landwirte zumindest ein Mindestmaß an Planungssicherheit haben.“
Vorgaben erschweren Investitionen
Auch die Landesregierung benennt in ihrer Stellungnahme neben Markt- und Preisrisiken unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen als Investitionshemmnis. Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erfordern insbesondere in der Sauenhaltung vielfach erhebliche bauliche Veränderungen.
Hinzu kommen immissionsschutzrechtliche Vorgaben, teilweise auf Grundlage des EU-Rechts, bürokratische Hürden insbesondere bei Baugenehmigungen sowie eine gesellschaftlich zunehmend kontrovers geführte Diskussion über Tierhaltung. Das Ministerium hält deshalb verlässliche und zukunftsfähige Rahmenbedingungen sowie Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen für unabdingbar.
„Wer höhere Tierwohlstandards möchte, muss den Betrieben auch ermöglichen, diese umzusetzen“, betont Breitkreuz. „Wir dürfen Landwirten nicht auf der einen Seite neue Anforderungen stellen und sie auf der anderen Seite bei Genehmigungen, Finanzierung oder ständig wechselnden Vorgaben im Regen stehen lassen. Stallumbauten müssen rechtssicher, finanzierbar und innerhalb vernünftiger Zeiträume genehmigungsfähig sein.“
Als besonders vom Strukturwandel betroffen benennt die Landesregierung Hohenlohe, Ostwürttemberg und Donau-Oberschwaben. Dort befinden sich traditionell besonders viele spezialisierte Schweinehaltungen. Zugleich liegen die prozentualen Rückgänge in diesen Regionen unter dem Landesdurchschnitt.
Nach Einschätzung des Ministeriums deutet dies darauf hin, dass in den vergangenen zehn Jahren vor allem kleinere und weniger spezialisierte Betriebe die Schweinehaltung aufgegeben haben. Auch in den Schwerpunktregionen gingen die Betriebszahlen jedoch deutlich zurück.
Förderung wieder seit September möglich
Unterstützung bietet das Land insbesondere über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Nachdem die Förderung von Investitionen in der Schweinehaltung aufgrund des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung vorübergehend ausgesetzt war, ist sie seit dem 1. September 2026 wieder möglich. Das Land kann Zuschüsse von bis zu 40 Prozent der förderfähigen Investitionskosten gewähren.
Ergänzend verweist das Ministerium auf das Förderprogramm FAKT für Tierwohlmaßnahmen, EIP-AGRI für innovative Projekte, Beratungsangebote und angewandte Forschung sowie die Förderung von Investitionen in Verarbeitung, Vermarktung und Schlachtung.
Zu den bestehenden und geplanten Maßnahmen zur stärkeren Vermarktung regionaler Produkte gehören nach Angaben des Landes unter anderem das Qualitätszeichen Baden-Württemberg, das Biozeichen Baden-Württemberg und die Kampagne „Natürlich. VON DAHEIM“. Hinzu kommt die neue Verbraucherkampagne „Echt aus BW“, die im September startet und Schweinefleisch mit einem eigenen Schwerpunktmotiv berücksichtigt. Auch Projekte zur besseren Vermarktung von baden-württembergischem Biofleisch in der Gemeinschaftsverpflegung werden unterstützt.
Für Breitkreuz ergibt sich aus der Antwort des Ministeriums ein klarer Auftrag: „Wir brauchen eine Schweinehaltung, die wirtschaftlich tragfähig, tiergerecht und gesellschaftlich akzeptiert ist. Dafür sind Förderprogramme ein wichtiger Weg. Sie reichen aber alleine nicht. Wir müssen Genehmigungen praktikabler machen, Bürokratie abbauen, langfristige politische Verlässlichkeit schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass regionale Qualität auch einen Markt findet. Baden-Württemberg wird preislich nicht mit jedem Produktionsstandort in Europa konkurrieren können. Unsere Stärke liegt in Qualität, Regionalität, Tierwohl und geschlossenen Wertschöpfungsketten. Genau diese Stärken müssen wir ausbauen.“
(Quelle: CDU-Landtagsfraktion Baden-Württemberg)