Kommentar Deutschland fehlt die Widerstandsfähigkeit

Deutschland fehlt die Widerstandsfähigkeit
Wird im Ernstfall die Infrastruktur (Wasser, Strom, Wärme) angegriffen, haben wir ein Problem. Selbst die Versorgung mit Lebensmitteln ist nicht sichergestellt. (Symbolbild: pixabay)

Bei der Jahresversammlung des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen e.V. sprach Präsident Torsten Krawczyk (Präsident des sächsischen Bauernverbandes) unbequeme Wahrheiten aus. Die bitterste Wahrheit war, dass die Republik für den Ernstfall nicht annähernd gerüstet ist.

Wenn im Freistaat Sachsen der Selbstversorgungsgrad für Lebensmittel bei nur 30 Prozent liegt, ist er wohl in anderen Bundesländern wohl kaum messbar höher. Wie soll also in Krisenzeiten, oder gar im Kriegsfall die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sichergestellt werden? Wie schnell weltweite Handelsrouten dicht sind, zeigte vor wenigen Jahren der Unfall eines Frachters im Suezkanal. Bis Warentransporte über den Schiffsweg wieder reibungslos funktionierten, dauerte es nicht Tage, sondern Monate. Dies hatte u.a. erhebliche Auswirkungen auf das produzierende Gewerbe und den Handel. Es wäre Zeit, dass die Politiker unverzüglich handeln, damit die Bevölkerung und auch die Soldaten mit Lebensmitteln jederzeit versorgt werden kann.

Ein weiteres Thema ist die ungelöste Sicherstellung der Infrastruktur. Der Brandanschlag in Berlin hat gezeigt, wie anfällig unsere Versorgung schon zu Friedenszeiten sind, wie soll das im Kriegsfall funktionieren? Die betroffenen Berliner mussten leidvoll erfahren, wie es der leidgeprüften Bevölkerung in der Ukraine in den Wintermonaten geht. Werden bei im Ernstfall großflächig Versorgungseinrichtungen wie Strom, Heizung und Wasser durch Angriffe mit Drohnen und Raketen lahmgelegt, dann gute Nacht Deutschland!

Als wäre das nicht genug, wiesen am gestrigen Mittwoch, 11. Februar, Wirtschaftsvertreter darauf hin, dass ein erfolgreicher Angriff auf das Datennetz samt Internet eine verheerende Wirkung auf die Betriebe erzielen würde. Gerad mal 20 Stunden könnten größere Betriebe ihre Produktion aufrechterhalten, bis sie nicht nur digital offline wären. Kleineren Betriebe wären schon innerhalb weniger Stunden lahmgelegt.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius spricht immer wieder davon, dass wir „kriegstüchtig“ werden müssen. Das aber setzt zum einen voraus, dass die Soldaten bestmöglich mit modernen und funktionsfähigen Waffen ausgestattet sind und dass ihre Versorgung sichergestellt ist. Davon sind wir aber offensichtlich weit entfernt. In der Ukraine zeigt sich die ungeheure Dynamik bei der modernen Kriegsführung und den dabei eingesetzten Waffen. Nimmt man das bisherige Beschaffungstempo der Bundeswehr zum Maßstab, dann werden bei uns erst nach Jahren neue Systeme in Dienst gestellt. Russland und die Ukraine schaffen das in kürzester Zeit. Statt Jahre dafür zu brauchen, zimmern sie fast im Wochentakt neue Systeme zusammen und setzen sie erfolgreich ein.     

Es fällt schwer zu glauben, dass sich die jetzige Regierung, die sich lieber im parteipolitischen Gezänk verheddert, einen ernsthaften Plan hat, wie die Resilienz der Republik sichergestellt werden soll. Spannend wäre schon jetzt zu erfahren, ob bei einem Ernstfall die Wiederaufbaumaßnahmen bzw. die Wiederherstellung der Infrastruktur auch dann noch jahrelang durch die Genehmigungsverfahren bei den Ämtern gedreht würden.

Doch wie immer bleibt am Schluss das Prinzip „Hoffnung“. Hoffnung, dass die Politiker doch noch den durch die Ereignisse in Berlin ausgelösten Schuss vor den Bug doch noch hören, die endlosen Diskussionen beenden und vor allem mit der notwendigen Entschlossenheit endlich ins Machen kommen!