Wer sein altes Haus dämmt, tut etwas Vernünftiges, für die Energierechnung, fürs Klima, fürs eigene Wohlbefinden. Was dabei allerdings erschreckend oft vergessen wird: Mit jeder Dämmschicht, die außen an die Wand kommt, verändert sich das gesamte Innenklima des Gebäudes. Das Haus wird dichter. Und ein dichtes Haus braucht Luft. Nicht irgendwie, sondern kontrolliert, kontinuierlich, durchdacht.
LUNOS, der Weltmarktführer für dezentrale Wohnungslüftungssysteme, beschäftigt sich seit über 65 Jahren mit genau diesem Thema. Michael Steckenborn, technischer Experte bei LUNOS, erklärt, warum Dämmen und Lüften kein Entweder-oder ist, sondern eine zwingende Einheit und warum Eigentümer, die das nicht verstehen, ihr Haus langfristig gefährden.
Das unsichtbare Atmen des Altbaus
Stellen wir uns kurz vor, ein altes Haus ist wie ein leicht undichtes Fass. Durch kleine Ritzen in Fenstern, Türen und Mauerwerk atmet es ständig, unkontrolliert zwar, aber es atmet. Frischluft kommt rein, verbrauchte, feuchte Raumluft geht raus. Dieses sogenannte Fugenlüften hat über Jahrzehnte funktioniert, ohne dass irgendjemand darüber nachdenken musste. Das Gebäude regulierte sich gewissermaßen selbst. Nicht effizient, nicht energiesparend, aber ausreichend, um Feuchtigkeit abzutransportieren und Schimmelbildung zu verhindern.
Das Problem entsteht genau dann, wenn man beginnt, dieses Fass abzudichten. Neue Fenster, eine Außendämmung, eine abgedichtete Kellerdecke: Schritt für Schritt hört das unkontrollierte Atmen auf. Und dann sitzt die Feuchtigkeit, die vier Personen täglich durch Kochen, Duschen und normales Atmen produzieren, was bis zu zwölf Liter Wasser täglich sein können, plötzlich im Haus fest. Mit vorhersehbaren Folgen: Kondensatfeuchte, Schimmel, schlechte Raumluft und langfristige Bauschäden, die sich tief in die Substanz fressen.
Der klassische Planungsfehler bei der energetischen Sanierung
„Das ist der klassische Planungsfehler“, sagt Daniel Wewetzer. „Eigentümer beauftragen eine Dämmung, weil sie Energie sparen wollen, völlig zu Recht. Aber niemand erklärt ihnen, dass sie damit gleichzeitig die Lüftungssituation ihres Hauses grundlegend verändern. Was danach kommt, erleben viele erst Monate später: beschlagene Fenster morgens, ein muffiger Geruch in bestimmten Räumen und im schlimmsten Fall schwarze Flecken an Wänden oder in Außenecken.“ Die Bauphysik ist dabei gnadenlos ehrlich. Ein schlecht gedämmtes Gebäude der 1960er oder 1970er Jahre hatte oft eine Luftwechselrate, die durch seine baulichen Undichtigkeiten fast von selbst funktionierte. Wer das nun abdichtet, ohne ein Lüftungskonzept zu entwickeln, verschiebt das Problem nur, und zwar nicht nach draußen, sondern direkt in die Bausubstanz.
Wewetzer beschreibt einen Effekt, den Fachleute als Nachverdichtung ohne Lüftungskonzept bezeichnen: Das Gebäude wird energetisch besser, bauphysikalisch aber kritischer. Die Hülle hält Wärme besser drin, gleichzeitig aber auch Feuchtigkeit. Und Feuchtigkeit, die keinen Weg nach draußen findet, sucht sich ihren Weg in das Baumaterial. Einmal dort, ist sie schwer wieder loszuwerden und die Folgeschäden, von durchfeuchteter Dämmung bis zu Schimmelbefall im Mauerwerk, können schnell teurer werden als das gesamte ursprüngliche Sanierungsbudget.
Warum das Thema so oft übersehen wird
Warum passiert das so häufig? Weil Dämmung sichtbar ist und Lüftung nicht. Man sieht die neue Fassade, man fühlt die wärmeren Räume, man sieht die sinkende Heizkostenabrechnung. Lüftung hingegen ist das Unsichtbare im System, bis etwas schiefläuft. Dann ist es aber oft zu spät und die Sanierungskosten für Schimmelschäden können schnell höher ausfallen als die gesamten Einsparungen, die man sich von der Dämmung versprochen hat.
Hinzu kommt, dass Lüftung in der Sanierungsberatung traditionell ein Stiefkind ist. Energieberater sprechen über U-Werte, Dämmstärken und Heizungstausch. Das Thema Luftaustausch fällt dabei oft unter den Tisch, weil es technisch etwas erklärt werden will und weil viele Handwerker, die Dämmarbeiten ausführen, schlicht nicht die Fachkenntnis für eine integrierte Lüftungsplanung mitbringen. Wewetzer kennt diese Fälle aus der Praxis gut: „Wir bekommen immer wieder Anfragen von Eigentümern, bei denen genau das passiert ist. Das Haus wurde top gedämmt, neue Fenster eingebaut und ein Jahr später hat man das erste Schimmelproblem.“
Typische Schadensbilder im sanierten Altbau
Die Schadensbilder, die nach einer Nachverdichtung ohne Lüftungskonzept auftreten, folgen einem erkennbaren Muster. Zuerst zeigen sich Feuchteflecken an Außenwänden, besonders in Ecken und hinter Möbeln. Das sind die Stellen, an denen die Oberflächentemperatur der Wand am niedrigsten ist und die Luftfeuchtigkeit zuerst kondensiert. Dann kommt der Geruch: ein dumpfes, muffiges Raumklima, das sich trotz regelmäßigem Stoßlüften nicht dauerhaft verbessert. Im fortgeschrittenen Stadium wächst Schimmelpilz, zunächst kaum sichtbar hinter Tapeten oder Schränken, später offen an der Wand.
Was viele dabei nicht wissen: Stoßlüften allein löst das Problem nicht mehr, wenn das Gebäude einmal eine bestimmte Dichtheit erreicht hat. Das manuelle Öffnen der Fenster für zehn Minuten zweimal täglich reicht schlicht nicht aus, um den kontinuierlichen Feuchteeintrag durch vier Personen, Kochen, Duschen und Pflanzen dauerhaft abzuführen. Die DIN 1946-6, die für Deutschland den normativen Rahmen für Lüftung in Wohngebäuden setzt, schreibt aus gutem Grund vor, dass bei einer wesentlichen Änderung der Gebäudehülle, also bei neuen Fenstern oder Außendämmung, ein Lüftungskonzept zu erstellen ist. In der Praxis wird diese Norm im Altbau aber noch längst nicht flächendeckend umgesetzt.
Dezentrale Lüftung als Lösung für den laufenden Bestand
Die Lösung ist grundsätzlich klar: Ein Lüftungskonzept muss her, und zwar bevor die erste Dämmplatte an die Wand geht. Doch genau hier schrecken viele Altbaubesitzer zurück. Denn wer an eine Lüftungsanlage denkt, denkt an aufwendige Kanalsysteme, Kernbohrungen quer durch das Haus und Wochen auf der Baustelle. Das ist beim zentralen System tatsächlich so und für einen laufenden Bestand, bei dem die Bewohner nicht ausziehen wollen oder können, oft schlicht unrealistisch.
Genau hier kommt die dezentrale Lösung ins Spiel. Dezentrale Lüftungsgeräte werden direkt in der Außenwand montiert, pro Gerät reicht eine Kernbohrung von etwa 16 Zentimetern Durchmesser. Kein Kanalsystem, kein zentrales Gerät, keine wochenlange Baustelle. Ein solches Gerät kann je nach Modell sowohl Zuluft zuführen als auch Abluft abführen und dabei bis zu 90 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen. Genau in diesem Segment ist LUNOS als Weltmarktführer seit Jahrzehnten tätig und hat die dezentrale Wohnungslüftung mit und ohne Wärmerückgewinnung von Anfang an mitgeprägt.
„Das ist das Entscheidende beim Altbau“, erklärt Wewetzer. „Wir können in einem bewohnten Haus, Zimmer für Zimmer, nachrüsten. Die Bewohner müssen nicht raus. Der Eingriff ist minimal. Und das Ergebnis ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung, die genau das leistet, was die neue Dämmung voraussetzt.“ Das System arbeitet im Verbund: In Wohnräumen, also Schlaf- und Wohnzimmern, werden Geräte mit Wärmerückgewinnung eingesetzt. In feuchteintensiven Bereichen wie Küche, Bad oder Hauswirtschaftsraum kommen Abluftgeräte zum Einsatz, die Bedarfsgeführt betrieben werden. Die Luft strömt bedarfsgerecht durch die Wohnung und der Wärmerückgewinner sorgt dafür, dass man beim Lüften nicht gleichzeitig heizt und Energie verschwendet.
Systematik für die Nachrüstung: So geht man vor
Wer einen Altbau sanieren will und dabei die Lüftung richtig mitdenken möchte, sollte in einer klaren Reihenfolge vorgehen. Zuerst steht eine Bestandsaufnahme des Gebäudes: Wie dicht ist es bereits? Welche Maßnahmen sind geplant? Werden neue Fenster eingebaut? Kommt eine Außendämmung? Je dichter das Gebäude nach der Sanierung sein wird, desto dringender ist ein Lüftungskonzept. Wird 1/3 der Fassade, der Fenster oder der Dachfläche saniert, sollte ein Lüftungskonzept erstellt werden. Im zweiten Schritt geht es um die Berechnung des Lüftungsbedarfs, also wie viel Luft pro Stunde ausgetauscht werden muss, damit die Raumluftqualität und die Feuchtebalance stimmen. Das hängt von der Wohnfläche, der Personenzahl und der Nutzung der Räume ab.
Erst dann, im dritten Schritt, geht es um die Auswahl und Dimensionierung der Geräte. LUNOS bietet für diesen Prozess auch unverbindliche Lüftungskonzepte für Fachkunden an, ein Angebot, das besonders für Handwerker, Planer und Eigentümer beim ersten Kontakt mit dem Thema sehr hilfreich ist. Wewetzer betont, dass dieser Planungsschritt nicht unterschätzt werden sollte: „Ein falsch dimensioniertes System lüftet entweder zu wenig und löst das Feuchteproblem nicht, oder es lüftet zu viel und erzeugt Zugerscheinungen und unnötigen Energieverlust. Die Planung ist kein Nice-to-have, sie ist der Kern des Systems.“
Was die Nachrüstung kostet und welche Förderungen es gibt
Eine pauschale Aussage zu den Kosten ist hier schwierig, weil jedes Gebäude anders ist und die Anforderungen stark variieren. Als grober Orientierungswert gilt: Ein dezentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung liegt je nach Modell zwischen 300 und 600 Euro, zuzüglich Montage. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit vier bis sechs zu lüftenden Räumen rechnet man entsprechend mit einer Gesamtinvestition, die sich im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich bewegt. Das klingt zunächst nach einer zusätzlichen Ausgabe im ohnehin kostenintensiven Sanierungsprojekt, relativiert sich aber schnell, wenn man bedenkt, dass die Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung reell messbar ist und dass Schimmelschäden in der Bausubstanz ein Vielfaches davon kosten können.
Außerdem lassen sich Lüftungsanlagen im Rahmen der energetischen Sanierung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördern, was die Nettoinvestition nochmals spürbar senkt. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Maßnahme durch einen Energieeffizienz-Experten begleitet wird und die technischen Mindestanforderungen der Förderrichtlinien erfüllt werden. Wer die Sanierung sowieso plant, sollte die Lüftung deshalb von Anfang an als förderfähigen Bestandteil des Gesamtprojekts mitdenken und nicht als nachträglichen Zusatz, der separat finanziert werden muss.
Lüftung und Dämmung gehören zusammen
Wewetzer bringt es auf einen Punkt, der als Merksatz für jeden Altbaubesitzer taugt: „Wer dämmt, ohne zu lüften, verschiebt das Problem. Nicht nach draußen, sondern in die Zukunft und in die Bausubstanz.“ Das ist keine Panikmache, sondern pure Bauphysik. Ein Gebäude, das energetisch modernisiert wird, verändert sein Innenklima grundlegend. Das ist gewollt und richtig. Aber es zieht zwingend nach sich, dass der Luftaustausch, der früher durch Undichtigkeiten quasi von selbst stattfand, nun aktiv und kontrolliert organisiert werden muss.
Die gute Nachricht: Das Problem ist lösbar, die Technik ist ausgereift und die Möglichkeiten zur Nachrüstung sind gerade im Bestand deutlich besser geworden als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. LUNOS steht mit seiner langjährigen Erfahrung als Weltmarktführer dafür, dass dezentrale Lüftungslösungen auch im komplexen Altbau funktionieren, diskret, effizient und ohne großen Eingriff in die laufende Nutzung. Wer also plant, seinen Altbau energetisch zu sanieren, sollte die Lüftung nicht als lästiges Anhängsel am Ende der Planung behandeln, sondern als das, was sie ist: die notwendige und sinnvolle Konsequenz einer gut gemachten Dämmung.