Igel in Gefahr Wie wir dem stachligen Gartenbewohner helfen können

Wie wir dem stachligen Gartenbewohner helfen können
Zwei junge Igel auf Entdeckungstour: Naturnahe Gärten mit Laub- und Totholzecken bieten wichtigen Lebensraum – und helfen beim Überleben der gefährdeten Tiere. (Bild: iStock / Getty Images Plus)
WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Igel gehören zu den beliebtesten Wildtieren in unseren Gärten – doch ihre Zukunft ist ungewiss. Im Oktober 2024 wurde der Igel von der Weltnaturschutzunion als potenziell gefährdet eingestuft und auf die Rote Liste gesetzt.

Hauptursache für den Rückgang ist der Mensch: Versiegelte Flächen, intensive Landwirtschaft, aufgeräumte Gärten, der Rückgang von Insekten und der Straßenverkehr bedrohen ihren Lebensraum. Igelstationen schlagen Alarm – immer mehr Tiere sind unterernährt, krank oder verletzt.

Wie jeder Gartenbesitzer helfen kann, erklärt Dr. Bettina Fieber, Projektleiterin von „Hallo Gartenigel“.

Ein Garten für den Igel: Wild, naturnah und unaufgeräumt

Igel lieben Gärten mit wilden Ecken und vielen einheimischen Pflanzen, in denen sich auch Insekten, Vögel oder Amphibien wohlfühlen. Statt aufgeräumter Rasenflächen helfen Laub-, Ast- und Totholzhaufen oder sogenannte Käferkeller – künstlich angelegte Lebensräume für nützliche Insekten.

Wichtig: Gartenarbeiten sollten frühestens ab Mitte April beginnen. Erst im Mai finden Igel genügend Nahrung, und Frühjahrsputz zu früh kann ihre Winterruhe stören.

Auch Mähroboter sind eine oft unterschätzte Gefahr. Sie sollten, wenn überhaupt, nur tagsüber zwischen 10 und 14 Uhr unter Aufsicht betrieben werden. Nachtaktive Tiere wie Igel sind sonst akut gefährdet.

Vorsicht beim Frühjahrsputz: Nicht jedes Laubnest ist leer

Gerade im Frühling ist Vorsicht geboten: Ein Laubhaufen oder eine alte Palette kann ein gut getarntes Winternest verbergen. Wird es zerstört, darf der Igel nicht einfach in den Garten zurückgelegt werden – er braucht Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit. In solchen Fällen sollte man das Tier sichern, in einen kühlen Raum bringen und eine Igelstation kontaktieren.

Winterschlaf mit Unterbrechungen – Klimawandel bringt Igel in Schwierigkeiten

Die meisten Igel beginnen ihren Winterschlaf im Oktober oder November und wachen Ende April bis Mai wieder auf – abhängig von der Witterung. Doch durch den Klimawandel kommt es vermehrt zu vorzeitigen Aufwachphasen. Das zehrt an den Fettreserven und schwächt die Tiere. Eine Unterstützung mit hochwertigem Katzentrockenfutter ab März kann helfen – jedoch nur wettergeschützt und in Maßen.

Gefährliche Hilfe: Warum man abgemagerte Igel nicht sofort füttern sollte

Ein häufiges Missverständnis: Findet man einen abgemagerten Igel, möchte man ihm sofort Futter geben. Doch das kann lebensgefährlich sein. Der Kreislauf eines geschwächten Igels ist nicht auf Verdauung vorbereitet. Stattdessen sollte das Tier langsam aufgewärmt und nur in kleinen Mengen von Fachleuten gefüttert werden. Erste Hilfe bietet die nächstgelegene Igelstation.

Ganzjährige Zufütterung – aber bitte igelgerecht

Ein Igel braucht pro Nacht bis zu 200 Gramm Insekten – keine leichte Aufgabe bei schwindendem Nahrungsangebot. Daher kann eine ganzjährige Zufütterung sinnvoll sein, etwa mit einem speziell konstruierten Igelfutterhaus, das Ratten und Katzen fernhält. Baupläne gibt es beim Igelhilfeverein Weißenhorn. Wichtig: Immer nur hochwertiges Katzentrockenfutter, niemals Milch oder Essensreste.

Igel willkommen heißen: So wird Ihr Garten zur Igel-Oase

Gartenbesitzer mit einem naturnahen Garten, wenig Straßenverkehr und tierlieben Nachbarn können sogar Auswilderungsplätze für genesene Igel anbieten. Voraussetzung: Es gibt wilde Ecken, keine Tellersensen oder nächtlich laufenden Mähroboter, Teiche haben Ausstiegshilfen, und eine ganzjährige Zufütterung ist möglich. Interessenten können sich direkt bei Dr. Bettina Fieber melden: [email protected]

Fazit: Jeder Garten kann ein Lebensraum sein

Mit einer naturnahen Gestaltung, bewussten Gartenpflegezeiten und optionaler Zufütterung können wir alle dazu beitragen, den Igel vor dem Aussterben zu bewahren. Auch Städte und Gemeinden sind gefragt, ihre Grünflächen igelfreundlich zu gestalten – denn Igelschutz geht uns alle an.

(Quelle: Igelhilfeverein)