Bei der Landtagswahl am 8. März geht Anna Wiech im Wahlkreis Ravensburg-Tettnang für BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN ins Rennen. Wiech bewirbt sich um die Nachfolge ihres Vorgängers Manne Lucha, der sich nach 15 Jahren aus dem Parlament und der Landesregierung verabschiedet. Die gebürtige Ravensburgerin war bereits seit 10 Jahren im Wahlkreisbüro von Lucha tätig. Im Kreistag, im Aufsichtsrat der OSK (Oberschwabenklinik) und auf Kreisebene hat sie für Ihre Partei wichtige Funktionen übernommen.
Frau Wiech, könnten Sie sich unseren Nutzern/Ihren möglichen Wählern kurz vorstellen?
Mein Name ist Anna Wiech, ich bin 48 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Teenager-Töchter. Ich bin Fraktionsvorsitzende im Ravensburger Gemeinderat, sozialpolitische Sprecherin im Kreistag und Mitglied des Aufsichtsrats der Oberschwabenklinik (OSK). Geboren und aufgewachsen bin ich in Ravensburg, bin hier zur Schule gegangen und liebe das Rutenfest. Als ausgebildete Hotelfachfrau habe ich viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Dort hatte ich viele wunderschöne Begegnungen mit Menschen von hier. Seit 2016 arbeite ich im Wahlkreisbüro von MdL Manne Lucha. Von 2019 bis 2025 war ich außerdem Kreisgeschäftsführerin des Kreisverbands Ravensburg von Bündnis 90/Die Grünen.
Ihr Vorgänger Manne Lucha war als Gesundheitsminister tätig. Wo liegen Ihre Interessenschwerpunkt in der Landespolitik?
Schon als junge Mutter war ich Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Ravensburger Kitas. Jedem Kind eine Chance zu geben, unabhängig von seiner Herkunft, ist mein Ziel. Auch für eine gute und verlässliche medizinische Versorgung mache ich mich stark. Eine gute hausärztliche Versorgung ist der Schlüssel zur gesamtgesellschaftlichen Gesundheit. Schließlich liegt mir der Schutz unserer Demokratie am Herzen. Zusammenhalt statt Spaltung, Respekt statt Hetze, Miteinander statt Gegeneinander.
Die Wirtschaft von Baden-Württemberg ist stark von familiengeführten Mittelstandsbetrieben geprägt. Wie sehen Sie in dem Zusammenhang die Erbschaftssteuerpläne der SPD im Bund?
Es ist nicht sinnvoll, eine einzelne Steuer zu diskutieren. Ich setze mich ein für eine gerechte Wirtschafts- und Steuerpolitik, damit die Wirtschaft in unserer Region stark bleibt. Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Die Familienbetriebe haben einen besonderen Schutz verdient. Mit dem Vorschlag der SPD würde man viele Handwerksbetriebe treffen, da durch Maschinen, Gebäude und Fuhrpark sehr schnell die von der SPD ins Spiel gebrachte Grenze von 5 Mio. Euro erreicht wird. Das halte ich nicht für angemessen.
Die Gesundheitsversorgung auf dem Lande wird zunehmend schwieriger, die Patienten müssen immer längere Wartezeiten und Fahrstrecken zur Versorgung ertragen. Wie kann das Land hier Abhilfe schaffen/zu einer Verbesserung der Situation beitragen?
Wir müssen Gesundheit von der Prävention über die Arztpraxis bis zum Krankenhaus zusammendenken. Jede und jeder soll die medizinische Versorgung bekommen, die nötig ist. Wir kommen voran bei der Digitalisierung, bei Telemedizin, bei Medizinischen Versorgungszentren, in denen mehrere medizinische Berufe unter einem Dach arbeiten. Die Landarztquote, die wir eingeführt haben, ermöglicht mehr jungen Menschen ein Medizinstudium, wenn sie dann im ländlichen Raum arbeiten. Das verbessert die Versorgung. Wir wollen zusätzlich eine Kinderarztquote einführen. Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge und deshalb müssen Kommunen, Landkreis und Land zusammenarbeiten.
Die Kommunen, Kreise und das Land ächzen unter den vom Bund auferlegten Soziallasten. Welche dauerhafte Verbesserung der Finanzierung sollte der Bund vornehmen?
Die Regelfinanzierung der Kommunen muss grundsätzlich verbessert werden. Baden-Württemberg geht voran. Kein anderes Bundesland entlastet seine Städte und Gemeinden so stark. Aber es muss wieder gelten: wer bestellt, muss auch bezahlen. Wenn der Bund den Landkreisen, Städten und Gemeinden Aufgaben zuweist, muss er auch die finanziellen Mittel bereitstellen. Die Krankenhausreform muss endlich kommen! Das Defizit der Krankenhäuser kann nicht dauerhaft die Landkreise belasten. Dann haben die Kommunen auch wieder mehr Spielräume.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass im Ländle wieder mehr Erfindergeist in den Vordergrund rückt und neue Unternehmens- und Beschäftigungschancen entstehen?
Wir wollen mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben. Schon heute ist Baden-Württemberg in der Gesundheitswirtschaft und in der Green-Tech-Branche an der Spitze. Das unterstützt das Land gezielt durch Strategiedialoge. Die Energiewende schafft viele neue Arbeitsplätze. Unsere Unternehmen ziehen längst mit. Die Ideen sind da. Aber unsere Unternehmen brauchen vor allem Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit. Wir schaffen die Freiräume, damit die Unternehmen gut arbeiten können und Innovation möglich ist. Wir müssen das Potential unserer sehr guten Hochschulen nutzen und daraus Ausgliederungen von Start-Ups unterstützen. Die klugen Köpfe sind da, wir müssen ihre Ideen ermöglichen.
Lassen Sie im Falle Ihrer Wahl in den Landtag Ihren Beruf/die weiteren Tätigkeiten ruhen?
Als Landtagsabgeordnete werde ich so viel als möglich bei den Menschen hier im Wahlkreis sein, ihnen zuhören, mit ihnen diskutieren, mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickeln und sie nach Stuttgart ins Parlament tragen. Aus meiner zehnjährigen Erfahrung im Wahlkreisbüro von Manne Lucha weiß ich: nur mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft lässt sich das Mandat sinnvoll gestalten. Für einen anderen Beruf bleibt da keine Zeit.
Was wünschen Sie sich für den 8. März? Das Direktmandat! Ich möchte im Landtag eine starke Stimme für die Menschen aus Oberschwaben sein. Und ich wünsche mir, dass Cem Özdemir der nächste Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird.