Zecken stechen immer früher: Region ist Risikogebiet

Zecken stechen immer früher: Region ist Risikogebiet
Die Gefahr durch Zeckensstiche lauert vor allem im Freien. Auch jetzt sollte man sich bereits in Acht nehmen // Symbolbild. (Bild: Ladislav Kubeš/ iStock / Getty Images Plus)

Der Klimawandel sorgt für immer mildere Winter – das wirkt sich auch auf die Verbreitung von Zecken aus. Die Gefahr, außerhalb der üblichen Saison gestochen zu werden steigt. Dabei kann ein Stich fatale Folgen haben. Die AOK Ulm-Biberach rät zur Vorsorge.

Naturfreunde kennen sie nur zu gut: Zecken. Sie stechen, saugen sich voll und können dabei verschiedene Krankheiten übertragen. Zecken sind wechselwarme Spinnentiere, die in Deutschland bereits ab Temperaturen von etwa sechs bis acht Grad Celsius aktiv sind. Werden nun die Temperaturen im Winter immer milder, steigt die Gefahr, sich auch außerhalb der üblichen Saison von Frühsommer bis Oktober mit Frühsommer-Meningoenzephalitis-Viren (FSME) oder Borreliose-Bakterien zu infizieren. Die Region Alb-Donau-Kreis/ Biberach zählt laut Robert-Koch-Institut zu den Risikogebieten.

Gefahr durch Borreliose

Im Alb-Donau-Kreis wurde 2022 bei 371 AOK-Versicherten Borreliose diagnostiziert, im Kreis Biberach waren es 400. Bei Untersuchungen in Deutschland und der Schweiz wurden nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen. Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecke, sodass die Erreger erst bei längerem Saugen – in der Regel nach circa zwölf Stunden – übertragen werden. Wird die Zecke rasch entfernt, ist das Übertragungsrisiko der Borreliose-Bakterien sehr gering. Die Infektion mit Borreliose kann mit Antibiotika therapiert werden, bereitet aber oft Probleme, weil sie häufig spät erkannt wird.

Auf erste Hinweise achten

„Bei Borreliose bildet sich häufig ein ringförmiger roter Fleck um die Einstichstelle, der sich langsam ausbreitet, die sogenannte Wanderröte“, sagt Christian Strobel, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Ulm-Biberach. Da sich die Wanderröte jedoch nicht bei allen Infizierten zeige, sei es wichtig, auch dann den Arzt aufzusuchen, wenn innerhalb von etwa sechs Wochen nach dem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden wie zum Beispiel Fieber, Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit auftreten. Noch Monate oder Jahre nach der Borrelien-Infektion kann es zu Gelenkentzündungen, Herzrhythmusstörungen oder Entzündungen des Rückenmarks kommen.

Schutz ist das A und O

Rund 0,1 bis fünf Prozent der Zecken tragen laut RKI das FSME-Virus in sich. Im vergangenen Jahr wurde sowohl im Alb-Donau-Kreis, als auch im Raum Biberach je ein FSME-Fall gemeldet. Im Stadtkreis Ulm waren es vier. Die FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken. Durch den Stich können sie rasch in die Blutbahn des Wirtes gelangen. Kommt es zu einer Infektion mit dem FSME-Virus, können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber oder Kopfschmerzen auftreten. Bei einer Mehrzahl der Betroffenen heilt die FSME ohne Folgen aus. Ist aber das zentrale Nervensystem oder das Rückenmark betroffen, kann es zu bleibenden Schäden wie Lähmungen oder Schluck- und Sprechstörungen kommen.

Im Gegensatz zur Borreliose, kann man sich gegen das FSME-Virus impfen lassen.
Im Gegensatz zur Borreliose, kann man sich gegen das FSME-Virus impfen lassen. (Bild: PeopleImages/ iStock / Getty Images Plus)

„Während es für die von Bakterien verursachte Borreliose keine Schutzimpfung gibt, kann man sich vor der von einem Virus verursachten FSME durchaus schützen“, sagt Christian Strobel. „Für den vollen Impfschutz sind drei Impfungen nötig. Nach der dritten Spritze ist man für mindestens drei Jahre vor einer FSME-Infektion geschützt.“

Zum Schutz vor Zeckenstichen rät der stellvertretende AOK-Geschäftsführer dazu, in der Natur generell auf geschlossene Schuhe, langärmlige Kleidung, lange Hosen oder spezielle Anti-Zecken-Sprays zu setzen. Außerdem sollte man nach dem Aufenthalt im Freien den Körper immer sorgfältig nach Zecken absuchen.

Zecken können von Hund auf Mensch übergehen

Hundebesitzer aufgepasst: Es ist möglich, dass euer vertrauter vierbeiniger Begleiter Zecken mit in eure Behausung schleppen könnte. Die sogenannte „Braune Hundezecke“ findet dort ein besonders gemütliches Zuhause vor und kann sich schnell zu einer wahren Plage entwickeln. Ein einzelnes Weibchen dieser Zeckenart kann nämlich bis zu 4.000 Eier legen, was innerhalb weniger Monate zu einer explosionsartigen Vermehrung und Tausenden von Zecken in den eigenen vier Wänden führen kann.

Sollte der ursprüngliche Wirt, sprich euer Hund, nicht mehr ausreichen, um den Bedarf der Zeckenpopulation zu decken, können sie auch auf den Menschen ausweichen. Obwohl bisher keine Fälle von FSME oder Borreliose durch die Braune Hundezecke bekannt sind, kann sie dennoch andere Krankheiten übertragen. Sowohl Hunde als auch Menschen können schwer erkranken, und sie kann sogar das Mittelmeer-Fleckfieber auf den Menschen übertragen. Das bedeutet also: Lieber regelmäßig checken, ob eure Fellnase gegen seinen Willen zum Wirt geworden ist.

Wichtig: Den treuen Begleiter regelmäßig auf Zecken prüfen.
Wichtig: Den treuen Begleiter regelmäßig auf Zecken prüfen. (Bild: Pedro Truffi/ iStock / Getty Images Plus)

Grundsätzlich gilt (sowohl für Zwei- und Vierbeiner): Hat eine Zecke gestochen, sollte sie so schnell wie möglich mit einer Zeckenpinzette oder -karte dicht an der Haut gepackt und herausgezogen werden. Denn je schneller sie entfernt wird, desto geringer das Risiko, dass Erreger in den Körper gelangen. „Auf keinen Fall sollte man sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufeln, weil dies dazu führen könnte, dass die Zecke mögliche Krankheitserreger abgibt“, so der Experte.

(Quelle: AOK Ulm-Biberach, www.br.de)