Wetterkapriolen und die Politik machen den Landwirten zu schaffen 

Vom geschäftsführenden Vorstand standen (von li) Siegfried Lutz, Martina Magg-Riedesser und Karl Endriß Rede und Antwort.
Vom geschäftsführenden Vorstand standen (von li) Siegfried Lutz, Martina Magg-Riedesser und Karl Endriß Rede und Antwort. (Bild: Maximilian Kohler)

Am Mittwoch wurde der Erntebericht des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen e. V. vorgelegt.  Schwierige Wetter- und Klimabedingungen stellten die Landwirte vor große Herausforderungen. Durch das unbeständige Wetter zog sich die Ernte bis in diese Tage hinein, auf der Alb sind sogar noch einige Bestände auf dem Feld. Bei den Erntemengen und deren Qualität, sind in diesem Jahr ungewöhnlich breitgefächerte Unterschiede festzustellen.

Kreisobmann Karl Endriß wies auf die ungewöhnlichen Wetterentwicklungen seit dem Herbst letzten Jahres hin: „Nach einem wasserarmen Winter konnten sich die Winterkulturen gut entwickeln. Das nasse Frühjahr stellte uns Landwirte vor große Probleme. Wir brachten die Frühjahrsaussaat zu spät in den Boden, mit der Folge, dass ohnehin geringere Erntemengen zu erwarten waren. Bei Grünland und Mais war die Situation dagegen entspannt.“ Nach seinen Worten sorgte das unbeständige Wetter, dass die Einbringung der Ernte erschwert wurde und in geringen Teilen bis heute nicht vollkommen abgeschlossen ist.

Unterschiedliche Qualität und Mengen

Endriß bezeichnete die Ernte 2023 als nicht zufriedenstellend, aber besser als befürchtet. Im Verbandsgebiet lagen die Ernteergebnisse und deren Qualität unter dem langjährigen Mittel. „Der Winterweizen brachte ordentliche Erträge, Abstriche gab es jedoch bei Qualität und dem niedrigen Eiweiß-Anteil. Dagegen war Ertrag und Qualität bei der Wintergerste ordentlich. Einen zu hohen Eiweißanteil müssen wir bei Sommergerste und Hafer feststellen. Zudem ist deren Erntemenge auch rund ein Drittel niedriger,“ führte der Kreisobmann aus.

Gestiegene Preise für Dünger und Betriebsstoffe sorgten, so Endriß, für einen erhöhten Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe, zumal die Preise für die Saaten um etwa ein Drittel einbrachen.

„Bio“ hat ein Problem

Auf die Frage, ob beispielsweise Mehl und Zucker noch teurer werden, antwortete Endriß deutlich: „An uns Landwirten liegt es nicht. Die Auszahlungspreise für unsere Erzeugnisse sind stark zurückgegangen.“ Der Obmann nahm die Frage zum Anlass, auf Probleme bei der Bio-Landwirtschaft hinzuweisen: „Die haben ein großes Problem, weil der Markt stagniert, statt im gleichen Verhältnis mit der Produktion zu wachsen. Die Folgen sind Absatzprobleme und somit Druck auf die Preise.“

Doch Endriß sieht auch weitere Verwerfungen: „Durch die Inflation greifen die Menschen immer mehr zu Billigprodukten und Eigenmarken der Handelsbetriebe. ‚Bio-Erzeugnisse‘ haben es in diesen Zeiten noch schwerer.“

Politische Fußangeln

Deutliche Worte fand der Kreisobmann zur Agrarpolitik. „In Afrika verhungern Menschen und wir entziehen vier Prozent unserer Ackerflächen der Produktion. Diese Ideologie kann ich als Mensch und Unternehmer kaum ertragen.“ Endriß wies erläuternd darauf hin, dass Putin die Getreidelieferungen als Waffe einsetze.

„Jetzt wird Getreide aus der Ukraine über Schiene und Kanäle nach Europa gebracht. Dieses Getreide wird aber kaum zu den hungernden Menschen nach Afrika verschifft. Das wird von Interessierten im eigenen Sinne vermarktet, das ist leider so.“ Martina Magg-Riedesser ergänzte: „Nach der Ideologie der politischen Entscheidungsträger, ist die Flächenbeschränkung wichtiger als Tierwohl oder Menschenleben.“

Die Sinnhaftigkeit für brachliegende Flächen kann Endriß nicht nachvollziehen: „Wir sollten jetzt die stillzulegenden Flächen nach der Ernte einfach so belassen. Nach einem Jahr müssen wir mit einem irrsinnigen Aufwand an Technik und Chemie, die Flächen wieder für die Produktion herrichten. Wo bleibt da der Sinn?“

Dass die Borchert-Kommission zum Tierwohl ihre Arbeit einstellt, weil die jetzige Bundesregierung nicht einmal in Ansätzen deren Empfehlungen umsetze, zeige, dass die politischen Entscheidungsträger ihre Ideologie über pragmatische Zielsetzungen stellt.

Gastgeber Laurenzenhof

Die Pressekonferenz fand auf dem Laurenzenhof der Familie Egle in Hailtingen statt. Maximilian Egle stellte seinen Betrieb, den er als GbR mit seinen Eltern betreibt, kurz vor. Neben dem Grünland betreibt der Familienbetrieb 90 Hektar Ackerland, auf dem Triticale (Kreuzung zwische Weizen und Roggen), Wintergerste, Mais und Ackerfutter angebaut werden. Durch einen innovativen Milchviehstall wurde der Milchviehbestand 2019 auf 200 Milchkühe aufgestockt.

Seit 2019 können sich Kunden an der „Milchtankstelle“ rund um die Uhr nicht nur mit frischer Milch versorgen. In einem weiteren Automaten werden „dr Hoildenger“ Käse (aus eigener Milch), Wurstspezialitäten und Milchdrinks zum Kauf angeboten.   

Karl Endriß und Kreisgeschäftsführer Niklas Kreeb ließen sich die leckere und kühle Bananenmilch munden.
Karl Endriß und Kreisgeschäftsführer Niklas Kreeb ließen sich die leckere und kühle Bananenmilch munden. (Bild: Maximilian Kohler)

Die Gäste wurden von der Familie Egle mit einer gekühlten Bananenmilch verwöhnt und konnten sich von der hohen Qualität der „Hoildenger-Käsespezialitäten“ überzeugen lassen.