Der erste Waldrapp-Nachwuchs in Überlingen ist da! Wir haben bei einer Ziehmutter des Teams nachgefragt.

Der erste Waldrapp-Nachwuchs in Überlingen ist da! Wir haben bei einer Ziehmutter des Teams nachgefragt.
Ziehmütter Anne-Gabriela Schmalstieg und Helena Wehner in Heiligenberg. (Bild: Johannes Fritz)

Überlingen (le) – Das „Waldrappteam“ ist im Freudentaumel. In der Brutkolonie ist ein erstes wildes Waldrapp-Küken geschlüpft. Die Freude ist nicht nur bei den Eltern Bernardo und Sky (Sky ist das Weibchen) groß. Die beiden waren die ersten, die mit der Brut begonnen hatten.

In der Regel legen Waldrappe 3 bis 4 Eier, jeweils im Abstand von 1 bis 2 Tagen. Sie werden sofort bebrütet und somit schlüpfen die Waldrappküken nach je 28 Tagen im Ei und haben dadurch ein unterschiedliches Alter im Nest.

Der Waldrapp war fast ausgerottet

Der Waldrapp mit seinem langen roten Schnabel und den struppigen Federn am Hinterkopf zählt zu den seltensten Vögeln der Welt.

Lange Zeit galt er als fast ausgerottet. Seit 2017 versucht der Verein „Waldrappteam“ in Überlingen eine Waldrapp-Kolonie mit über 100 Vögeln anzusiedeln. Wir haben bei Anna-Gabriela Schmalstieg, einer der Ziehmütter vom Team, nachgefragt.

Waldrappe Urmel. (Bild: Anne-Gabriela Schmalstieg)

Bereits im letzten Jahr sind erstmalig geschlechtsreife Waldrappe wieder in ihr Brutgebiet Überlingen zurückgekommen. Leider kam es zu keiner Brut.

„Dieses Jahr ist es das allererste Mal, dass Waldrappe am Standort Überlingen selbst brüten und ihren Nachwuchs großziehen. Wir sind alle richtig stolz,“ so die Ziehmutter. Die beiden anderen Standorte Kuchl in Österreich und Burghausen in Deutschland sind schon sehr erfahrene Brüter. Dort haben sich die Waldrappe bereits etabliert. 

Waldrappe paaren sich mehrmals täglich

„Wir haben hier bei uns insgesamt 9 geschlechtsreife Waldrappe und 12 nicht-geschlechtsreife, die 2021 selbstständig aus dem Wintergebiet wiedergekommen sind.“ Insgesamt hat die Kolonie 36 zugehörige Waldrappe, die aber noch nicht alle entschieden haben, dieses Jahr zurückzukommen. Sie halten sich zum Teil in Italien und auch in der Schweiz auf. 

Öffnung der Voliere. (Bild: Hilde Hof)

„Waldrappe paaren sich mehrmals täglich, dadurch ist die Wahrscheinlichkeit der Befruchtung des Eis recht hoch,“ weiß Anna-Gabriela. Die Brutpflege teilen sich Männchen und Weibchen gleich auf, ebenso die Versorgung des Nachwuchses. Bei der Brutpaarfindung beginnen die Männchen mit dem Nestbau und der Verteidigung der auserwählten Nische. Sie schaffen das Nistmaterial an und die Weibchen bauen am Nest mit. Das gehört zum Balzverhalten dazu.

Die Überlinger Küken werden von ihren Eltern in der Brutwand aufgezogen.

Waldrappe im Flug. (Bild: Rudolf Beck)

„Die Vogeleltern haben den Weg nach Italien bereits von uns in ihrem ersten Lebensjahr im Rahmen der menschengeführten Migration gelernt. Diese Zuginformation sollen sie nun ihrem eigenen Nachwuchs weitergeben, damit die Zugtradition sich wieder etabliert.“  Die Eltern begeben sich selbstständig auf Nahrungssuche und stochern auf kurzen Wiesen und Weiden nach Insekten, Larven, Würmern und auch Fröschen, wenn sie sie erwischen. Das Futter wird vorverdaut und dann an die Küken verfüttert. 

Waldrappe sind sehr gute Eltern

„Nach 40 bis 45 Tagen werden die Jungen flügge. Dann fangen sie nach einiger Zeit auch an, den Eltern auf die geeigneten Futterwiesen zu folgen, bevor es dann im September/Oktober nach Italien geht.  Bei der menschengeführten Migration beginnt das Flugtraining, sobald auch der Jüngste flügge geworden ist.“