Neue Studie zeigt: Über 75 % der Beschäftigten sind offen für die 4-Tage-Woche

Neue Studie zeigt: Über 75 % der Beschäftigten sind offen für die 4-Tage-Woche
Vier Tage arbeiten, drei Tage frei: In Belgien ist das bereits seit 2022 gesetzlich verankert. Viele deutsche Betriebe diskutieren aktuell wieder darüber, ob sie ihren Mitarbeitern die verkürzte Woche bieten können, andere haben schon Nägel mit Köpfen gemacht – auch in der Region // Symbolbild. (Bild: picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde)

Kommt sie nun doch, die 4-Tage-Woche? In der Theorie zumindest, sind Arbeitnehmer von dem innovativen Zeitmodell angetan – das hat eine Studie der Jobplattform “jooble” ergeben. Wir gehen den Vor- und Nachteilen auf den Grund und schauen wie es in der Region aussieht.

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei: In Belgien ist das bereits seit 2022 gesetzlich verankert. Hier können Beschäftigte frei wählen, ob sie ihre Stunden lieber in vier oder fünf Tagen ableisten wollen und können. Viele deutsche Betriebe diskutieren aktuell wieder darüber, ob sie ihren Mitarbeitern die verkürzte Woche bieten können, andere haben schon Nägel mit Köpfen gemacht – auch in der Region.

Hotel, Stadtverwaltung und Co.: Hier wurde das Konzept bereits umgesetzt

In Tuttlingen können die Mitarbeiter des “LÉGÈRE HOTELS” und des “LÉGÈRE EXPRESS” seit dem 1. Januar 2023 selbst entscheiden, ob es vier oder fünf Tage sein sollen.

Auch die Stadtverwaltung Mengen ist bereits Mitte 2023 auf den Zug aufgesprungen. Um den Arbeitsplatz angesichts des Fachkräftemangels attraktiver zu machen, setzte die Stadtverwaltung des Ortes im Landkreis Sigmaringen als erster deutscher Arbeitgeber im öffentlichen Dienst auf eine Vier-Tage-Arbeitswoche. Wer will, hat freitags frei. An der tarifvertraglich festgelegten Arbeitszeit und Bezahlung hat sich dabei nichts geändert.

In Überlingen geht das schon länger so: Seit 2020 arbeiten die Techniker der Alfred Keller GmbH montags bis donnerstags, von 7 bis 17 Uhr. Die Folge? Doppelt so viele Azubi-Bewerber als in den Jahren zuvor. Das Konzept kommt demnach vor allem bei jungen Menschen gut an.

Freitags frei? Diese Aussicht empfinden viele Arbeitnehmer als attraktiv.
Freitags frei? Diese Aussicht empfinden viele Arbeitnehmer als attraktiv. (Bild: picture alliance / Westend61 | Bartek Szewczyk)

Bundesweites Pilotprojekt startete im Februar 2024

Im Februar 2024 startete ein bundesweites Projekt, um die Vier-Tage-Woche in der Praxis auszuprobieren. Es handelt sich um die bislang größte Studie zum kontrovers diskutierten Arbeitszeitmodell in Deutschland. Die Testphase wird im 100-80-100-Prinzip ausgeführt. Das bedeutet Mitarbeiter erhalten 100 % ihres Gehalts, arbeiten jedoch nur 80 % der üblichen Zeit, während ihre Leistung weiterhin bei 100 % bleibt. 30 Prozent der beteiligten Unternehmen haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen, 17 Prozent in Baden-Württemberg und 16 Prozent in Bayern. Bis August soll das Projekt laufen, anschließend folgt die Auswertung.

Die Namen der Firmen wurden bislang noch nicht veröffentlicht.

Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer handelt es sich um kleine Unternehmen mit neun bis 48 Mitarbeitern. 14 Prozent sind Mittelständler mit 250 oder mehr Beschäftigten oder Großunternehmen.

Etablierung in Deutschland wird für realistisch gehalten

Die internationale Jobsuchmaschine Jooble hat untersucht, was deutsche Nutzer zur Umstellung auf die 4-Tage-Woche denken. Die Umfrage hat gezeigt, dass viele einen solchen Übergang in den nächsten 5 Jahren für realistisch halten und sehen dabei den größten Vorteil im positiven Einfluss auf die Gesundheit – insbesondere in mehr Zeit für Ruhe und Erholung.

Die Tendenz fällt positiv aus. Ob sich die 4-Tage-Woche sich in Deutschland wirklich durchsetzen kann, liegt noch in den Sternen.
Die Tendenz fällt positiv aus. Ob sich die 4-Tage-Woche sich in Deutschland wirklich durchsetzen kann, liegt noch in den Sternen. (Bild: Jooble)

Bessere Work-Life-Balance und gesteigerte Selbstdisziplin

Unter den potenziellen Vorteilen einer 4-Tage-Woche haben rund dreiviertel der Befragten einen positiven Einfluss auf die Gesundheit angegeben – sie glauben, dass eine solche Arbeitszeit es erlaubt, der Erholung mehr Zeit widmen zu können. 67,1 % glauben außerdem, dass eine solche Umstellung zur Verbesserung der Work-Life-Balance führen könnte.

Aus anderen Ländern gibt bereits dementsprechende Ergebnisse: In Großbritannien sorgte die reduzierte Arbeitszeit bei gleichbleibender Produktivität für ein reduziertes Stressempfinden. Rund die Hälfte der Befragten sind sich sicher, dass es zudem zur Produktivitätssteigerung beitragen könnte. Etwa genau so viele glauben, dass die innovative Woche auch zur gesteigerten Selbstdisziplin beitragen könnte, was zur schnelleren Erledigung von Arbeitsaufgaben führt.

Weniger Gehalt und höhere Arbeitsbelastung

Zu den größten Befürchtungen gehört die höhere Arbeitsbelastung, die in Folge des kürzeren Arbeitszeitraums auf den Beschäftigten zukommen. Zudem ist die Sorge vor weniger Lohn und weniger Urlaubstagen groß. Knapp 30 Prozent sind der Meinung, dass auch die interne Kommunikation infolge dieser Veränderung schwieriger oder langsamer werden könnte. Die Umstellung könnte ebenfalls auf die Beziehungen mit Kollegen und Partnern wirken und diese ins negative verändern. Genau das wird auch im Privaten befürchtet:

Rund 19,5 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass die 4-Tage-Woche schlecht auf ihr Privatleben wirken könnte. Unter der Arbeitswoche könnte dann womöglich zu wenig Zeit für Familien und Freunde übrigbleiben.

Die 4-Tage-Woche passt nicht zu jedermann und könnte entgegen ihrer Mission, für noch mehr Stress sorgen.
Die 4-Tage-Woche passt nicht zu jedermann und könnte entgegen ihrer Mission, für noch mehr Stress sorgen. (Bild: picture alliance / Westend61 | Bonninstudio)

Im Endeffekt ist die Beliebtheit des neuen Arbeitszeitmodells stark typabhängig. Wer bereits bei den durchschnittlichen acht Stunden vor dem PC damit kämpfte, fokussiert zu bleiben, sollte eher weniger in die 4-Tage-Woche wechseln.

Wer hingegen aktiv und konzentriert bei der Sache bleiben kann, für den könnten sich hier ganz neue Wege eröffnen.

(Quelle: mengen.de, de.jooble.org, staatsanzeiger.de, shk-bodenseekreis.de, swr.de)