BODENSEE – Der Schiffsverkehr auf dem Bodensee könnte künftig komplett neu geregelt werden. Nach aktuellen Überlegungen soll der See nur noch in eine Richtung befahren werden – im Uhrzeigersinn. Ziel der Maßnahme: eine bessere Durchmischung des Wassers und damit ein positiver Effekt auf Umwelt und Wasserqualität.
Experten sehen Vorteile für das Ökosystem
Unterstützung kommt aus der Wissenschaft. Auch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) sieht in der geplanten Regelung großes Potenzial. „Als oberster Gewässerschützer des Landes Baden-Württemberg begrüße ich die seit langem von Fachleuten geforderte Einbahnregelung im Uhrzeigersinn für den Bodensee. Es ist vollkommen klar, dass man in Zeiten des Klimawandels handeln muss, da der Klimawandel eine immer stabilere Schichtung des Sees zur Folge hat“, erklärt Dr. Joachim Bley, Leiter der Abteilung Wasser der LUBW.
„Sanfte Spiralrotation“ soll Durchmischung verbessern
Den wissenschaftlichen Hintergrund liefern Modellrechnungen des Instituts für Seenforschung in Langenargen. „Auf Grundlage umfangreicher Modellrechnungen unserer Physiker konnten wir zeigen, dass sich der Schiffsverkehr im Uhrzeigersinn bewegen sollte, um die Durchmischung zu fördern“, so Bley weiter.
Besonders entscheidend sei dabei die Entstehung sogenannter Wirbelstrukturen:
„Die dabei erzeugten Wirbelstrukturen – das sogenannte rotatorische Mikro-Turbulenzfeld – führen in Kombination mit der Corioliskraft zu einer Verstärkung der Umwälzdynamik.“ Im Ergebnis entstehe eine „sanfte Spiralrotation“ des Wassers, die den Sauerstoffeintrag in tiefere Schichten fördere und sich positiv auf Flora, Fauna und die Wasserqualität auswirke.
Auch Behörden sehen Vorteile
Auch aus Sicht der Behörden bringt die geplante Einbahnregelung klare Vorteile. „Die neue einheitliche Fahrtrichtung auf dem See wird die Verkehrs- und Schiffssicherheit verbessern“, erklärt Rainer Bühler, Leiter des Hauptzollamts Singen.
Zudem setzt der Zoll künftig verstärkt auf moderne Technik: „Mit unseren neuen LNG-Schiffen, die aufgrund ihrer Antriebstechnik für eine besonders effiziente Fahrt im Uhrzeigersinn ausgelegt sind und mit dem Umweltzeichen ‚Blauer Engel‘ ausgezeichnet wurden, wollen wir einen Beitrag zum Schutz des Sees leisten.“
Auch bei Kontrollen sieht die Behörde Vorteile: „Die einheitliche Fahrtrichtung unterstützt uns bei der Aufgabenwahrnehmung, insbesondere bei Steuererhebung, Schmuggelbekämpfung und Umweltschutz“, ergänzt Pressesprecherin Sonja Müller. Auffällige Fahrbewegungen sollen künftig schneller erkannt werden: „Alle Schiffe, die sich gegen den Uhrzeigersinn bewegen, fallen auf und werden einer gründlichen Kontrolle unterzogen.“
Entscheidung steht noch aus
Ob und wann die Einbahnregelung tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit noch offen. Die Überlegungen werden aktuell geprüft. Denkbar wäre aber, diese Regelung zum 1. April 2027 umzusetzen.