Tag der Pflegenden Brochenzell: Vom DDR-Beruf zur Altenpflege mit Herz

Brochenzell: Vom DDR-Beruf zur Altenpflege mit Herz
Ingelore Höse arbeitet seit mehr als 35 Jahren im Haus der Pflege St. Josef in Meckenbeuren-Brochenzell. (Bild: Stiftung Liebenau/Ruth Eberhardt)
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Ingelore Höse arbeitet auch im Ruhestand weiter in der Pflege. Die 71-Jährige kam nach dem Mauerfall eher zufällig zu ihrem Beruf.

Zum Tag der Pflegenden am 12. Mai blickt die Stiftung Liebenau auf die besondere Geschichte von Ingelore Höse aus Meckenbeuren-Brochenzell. Die heute 71-Jährige arbeitet seit 36 Jahren im Haus der Pflege St. Josef und unterstützt die Einrichtung selbst im Ruhestand weiterhin.

Geboren wurde Höse in Zeitz in Sachsen und wuchs in der damaligen DDR auf. Sie studierte Wirtschaftsrecht in Halle an der Saale und arbeitete anschließend als Justiziarin im Textilgroßhandel in Pößneck in Thüringen.

1989 beantragte sie gemeinsam mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrer Schwiegermutter die Ausreise aus der DDR. Noch bevor die Familie offiziell hätte ausreisen dürfen, fiel die Mauer. Familie Höse machte sich sofort auf den Weg und kam über Bayreuth und Rastatt schließlich nach Meckenbeuren-Kehlen. Dort war die Familie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft in einer Turnhalle untergebracht.

„Hauptsache Arbeit“

„Ich habe damals in der Turnhalle viel geholfen, zum Beispiel bei der Essenausgabe und bei der Reinigung“, erzählt sie. Durch dieses Engagement erhielt die Familie nach eigener Aussage schnell eine Wohnung in Meckenbeuren.

Ihr Mann fand Arbeit bei der WLZ Meckenbeuren, die Kinder bekamen Kindergartenplätze in Brochenzell. Ingelore Höse fragte daraufhin im nahegelegenen Haus St. Josef nach einer Arbeitsstelle.

„Mein ursprünglicher Beruf wurde hierzulande nicht anerkannt, weil die DDR ein anderes Rechtssystem hatte. Deshalb dachte ich zunächst an Putzen oder Küche – Hauptsache Arbeit.“

Die damalige Heimleitung bot ihr jedoch eine Stelle als Pflegehelferin an. 1990 begann sie ihre Tätigkeit im Haus St. Josef.

Durch Zufall in die Pflege

„Es war eine Herausforderung für mich, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Aber ich bin ein Mensch, der gefordert sein will. Und diese Arbeit machte mir Spaß. So wurde ich durch einen Zufall in meinen jetzigen Beruf quasi hineingeworfen“, erzählt sie.

Zwei Jahre später absolvierte Höse eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Den praktischen Teil machte sie im Haus St. Josef in Brochenzell, die Theorie lernte sie am Institut für Soziale Berufe in Ravensburg. Nach dem Examen wurde sie stellvertretende Wohnbereichsleiterin und absolvierte später eine Zusatzausbildung in Gerontopsychiatrie. Vor ihrem Ruhestand leitete sie schließlich einen Wohnbereich.

Viele Veränderungen im Berufsalltag

Während ihrer langjährigen Tätigkeit erlebte Ingelore Höse zahlreiche Veränderungen in der Pflege. Dazu gehörten der Umbau des Hauses St. Josef, neue Wohnbereiche und veränderte Anforderungen im Berufsalltag.

„Früher waren die Bewohnerinnen und Bewohner meist noch jünger und kamen oft schon mit Pflegegrad 1 zu uns. Es gab mehr Menschen, die Sondennahrung bekamen und weniger Demenzkranke“, berichtet sie.

„Heute haben wir eine ganz andere Klientel und mehr Pflegebedürftige. Die organisatorischen Aufgaben entwickelten sich ständig weiter, und es kamen Expertenstandards dazu“, erzählt sie. „Im Laufe der Jahre veränderten sich die Rahmenbedingungen und damit auch das Berufsbild.“

Trotz ihres Ruhestands seit 2018 arbeitet Höse weiterhin stundenweise im Haus St. Josef und kümmert sich um die einrichtungsinterne Qualitätsentwicklung (EQE).

„Ich brauche diese Herausforderung“, erklärt sie.

Privat verbringt sie viel Zeit mit ihrem Mann, ihren drei Enkelkindern, ihrem Garten und Urlaubsreisen.

Jährlich am 12. Mai wird der Tag der Pflegenden begangen. Die Stiftung Liebenau weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Pflegeberufe hin. Informationen zu Karrieremöglichkeiten gibt es auf stiftung-liebenau.de.

(Quelle: Stiftung Liebenau/Ruth Eberhardt)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.