Das Kunstmuseum Lindau präsentiert die Sonderausstellung „Christo und Jeanne-Claude – Ein Leben für die Kunst“. Bei der Schau, die bis 13. Oktober zu sehen ist, werden rund 70 Arbeiten des prominenten Künstlerduos gezeigt.
Sie haben den Reichstag verhüllt, einen gigantischen Vorhang zwischen zwei Berghänge in Colorado gespannt und es Hunderttausenden von Menschen ermöglicht, über das Wasser des Iseosees zu gehen. Christo und Jeanne-Claude waren Visionäre – sie wurden nie müde, an ihre Träume zu glauben. Ihre monumentalen Projekte wurden zu Kultur-Pilgerstätten auf der ganzen Welt.
Die Lindauer Ausstellung gewährt nun mit bemerkenswerten Leihgaben Einblicke in das Schaffen und Lebenswerk des Künstlerehepaares, das sich stets mit Vehemenz und Überzeugung für seine Kunst im öffentlichen Raum einsetzte und alle Arbeiten selbst finanziert hat.
Die Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Christo und Jeanne-Claude Foundation (New York) entstanden ist, zeigt virtuose Zeichnungen, detailreiche Collagen, frühe Objekte und faszinierende Fotografien.
Mit rund 70 Exponaten ist sie die erste umfassende Museumsschau zu Christo und Jeanne-Claude in Süddeutschland und Österreich, wie der Lindauer Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn bei einem Presse-Preview betonte. Die Leihgaben stammen aus dem Nachlass des Paares und aus dem Besitz privater Sammler, insbesondere der Sammlung Würth.
Bezug zur Bodenseeregion
Die Idee, Christo und Jeanne-Claude in Lindau eine Ausstellung zu widmen, sei entstanden, als er „davon hörte, dass die Stoffe für die Verhüllung des Reichtages und des Pariser Triumphbogens auf Maschinen der Lindauer Dornier gewebt wurden“, so Warmbrunn weiter. Ein weiterer Bezug zum Bodensee sei der in Ravensburg aufgewachsene Fotograf Wolfgang Volz, der über Jahrzehnte hinweg die internationalen Projekte des Künstlerpaars dokumentarisch begleitete. Schließlich sei mit der in Lindau geborenen Kuratorin der Ausstellung, Dr. Sophie Sümmermann, und Kurator Prof. Dr. Roland Doschka, der die Lindauer Sonderausstellungen seit der ersten Schau im Jahr 2011 begleitet, „die Brücke zu Christo und Jeanne-Claude geschlossen“ worden, erklärte der Kulturamtsleiter.

Die Schau mit dem Untertitel „Ein Leben für die Kunst“ beleuchtet aber nicht nur das Werk des wohl bedeutendsten Künstlerduos unserer Zeit, sie erzählt auch die berührende Geschichte eines Paares, das sich auf Augenhöhe begegnete, sich gegenseitig unterstützte und nicht ohne einander konnte. Christo und Jeanne-Claude sind am selben Tag, am 13. Juni 1935, geboren, er in Bulgarien, sie in Marokko. Sie begegneten sich 1958 in Paris und wurden ein Paar. 1964 zogen die beiden nach New York, wo sie bis zum Lebensende ihren Wohnsitz hatten.
Gemeinsam verwirklichten sie ihre aufsehenerregenden Projekte, wie etwa die Installation „The Gates“ im New Yorker Central Park (2005) oder auch „The Floating Piers“ auf dem Iseosee in Oberitalien (2016). In Deutschland wurden sie insbesondere durch die Verhüllung des Reichstagsgebäudes in Berlin im Jahr 1995 populär. Ob realisiert oder nicht – den Großprojekten ging oft eine jahre- bis jahrzehntelange Planung voraus.



Schon seit Ende der 60er Jahre entwickelten Christo und Jeanne-Claude zahlreiche Projekte mit Ölfässern. Dazu zählte auch eine „Mauer aus 10 Millionen Fässern“ (links im Bild), die den Suezkanal abriegeln sollte (nicht realisiert).
Im Fall des Berliner Reichstages waren es allein 24 Jahre (!). Nach dem Tod von Jeanne-Claude (2009) hatte Christo noch weitergearbeitet und hauptsächlich die Verhüllung des Triumphbogens vorbereitet. Die Umsetzung des Projekts an dem Pariser Wahrzeichens im Jahr 2021 erlebte er dann nicht mehr. Er war ein Jahr zuvor verstorben.


Anno 1982 waren Christo und Jeanne-Claude unterwegs in der Wüste von Abu Dhabi, um vor Ort die Rahmenbedingungen für das Mammut-Projekt „The Mastaba“ (Skulptur aus über 400.000 bemalten Ölfässern) zu sondieren.
Ab 2025 im neuen „Cavazzen“
Mit den erfolgreichen Sonderausstellungen hat sich die Inselstadt Lindau in den vergangenen Jahren einen Namen in der Kulturszene gemacht. Ein ganz besonderer Höhepunkt steht im kommenden Jahr an: Das Stadtmuseum Lindau, der „Cavazzen“, wird nach der umfassenden Renovierung und Neukonzeptionierung wiedereröffnet.
„Ich freue mich, dass es gelungen ist, in diesem Jahr noch einmal eine so vielversprechende Sonderausstellung in unserem Interimsmuseum im alten Postgebäude auf die Beine zu stellen, bevor wir unsere künftigen Sonderausstellungen im ,Cavazzen‘ in einem großartigen Umfeld präsentieren können“, sagte Lindaus Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons beim Pressetermin.
„Christo und Jeanne Claude – Ein Leben für die Kunst“
Dauer der Ausstellung: 13. April bis 13. Oktober 2024
Ort: Kunstmuseum Lindau – Maximilianstraße 52 – Lindau (Insel)
Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr
Informationen zu Preisen und Führungen: www.kultur-lindau.de
(Bilder: Ulrich Stock)