Ein Kreuzbandriss zählt zu den häufigsten Sportverletzungen. Besonders sportlich aktive Frauen tragen ein erhöhtes Verletzungsrisiko.
Manchmal reicht eine schnelle, ruckartige Bewegung und schon ist es passiert: ein Kreuzbandriss im Knie. Ob beim Fußball, Handball, Basketball oder Wintersport – die Verletzung gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Besonders betroffen sind sportlich aktive Frauen.
„Eine Kreuzbandruptur, also ein Riss eines Kreuzbandes, ist eine häufige Verletzung des Kniegelenks, die vor allem bei sportlich aktiven Menschen auftritt“, sagt Petra Dierich, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Am häufigsten betroffen ist das vordere Kreuzband. Typische Ursachen sind plötzliche Richtungswechsel, abruptes Abbremsen, Drehbewegungen oder das Landen nach Sprüngen.
Das Kniegelenk verbindet Oberschenkelknochen und Schienbein und ermöglicht neben Beuge- und Streckbewegungen auch leichte Drehbewegungen. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei die Kreuzbänder, die im Inneren des Gelenks liegen. „Die Kreuzbänder sorgen dafür, dass das Knie stabil bleibt und sich der Unterschenkel nicht unkontrolliert nach vorne oder hinten verschiebt. Außerdem begrenzen sie die Drehbewegung des Gelenks und tragen so wesentlich zur sicheren Bewegung bei“, so Dierich.
Im Jahr 2024 wurden im Landkreis Biberach insgesamt 297 AOK-Versicherte wegen eines Kreuzbandrisses ärztlich behandelt, darunter 109 Frauen. Besonders häufig trat die Verletzung in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen auf. Dort wurden 40 Fälle registriert.
Frauen tragen ein höheres Verletzungsrisiko
Frauen tragen im Sport ein deutlich höheres Risiko für Kreuzbandverletzungen. „Sportlerinnen erleiden je nach Sportart zwei- bis achtmal häufiger einen Kreuzbandriss als Männer – besonders bei schnellen Richtungswechseln oder Sprüngen, etwa im Fußball, Handball oder Basketball“, sagt Petra Dierich.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. „Neben Unterschieden in Körperbau, Muskelkraft und Bewegungsabläufen zwischen Frauen und Männern beeinflussen auch Hormone wie Östrogen und Relaxin die Stabilität der Bänder. Sie können das Gewebe etwas ‚lockerer‘ machen, wodurch das Knie anfälliger für Verletzungen wird.“
Schmerzen, Schwellungen und Instabilität
Die Verletzung macht sich meist unmittelbar bemerkbar. „Ein Kreuzbandriss äußert sich häufig durch plötzlich auftretende Schmerzen im Knie. Viele Betroffene berichten von einem hörbaren Knacken im Kniegelenk. Kurz nach der Verletzung schwillt das Gelenk oft stark an, und die Beweglichkeit ist eingeschränkt“, erklärt Dierich.
„Ein typisches Zeichen ist außerdem ein Instabilitätsgefühl, bei dem das Knie beim Gehen oder Belasten nachzugeben scheint. In manchen Fällen, vor allem beim hinteren Kreuzband, können die Beschwerden zunächst weniger deutlich sein.“
Häufig treten zusätzlich Schäden am Meniskus, Knorpel oder anderen Bändern auf. „Eine bekannte Kombination ist die sogenannte ‚Unhappy Triad‘, bei der neben dem vorderen Kreuzband auch das Innenband und der Innenmeniskus verletzt sind. Bleibt eine solche Verletzung unbehandelt oder besteht eine dauerhafte Instabilität, kann es langfristig zu weiteren Schäden im Gelenk kommen, insbesondere zu Knorpelverschleiß und Arthrose“, so die Ärztin.
Behandlung richtet sich nach der individuellen Situation
Nicht jeder Kreuzbandriss muss operiert werden. Die Behandlung richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie Alter, körperlicher Aktivität, Ausmaß der Verletzung und Stabilitätsgefühl der Betroffenen. Bei weniger aktiven oder älteren Menschen sowie bei Teilrissen kann eine konservative Therapie mit Physiotherapie, Muskelaufbau und Koordinationstraining ausreichen. Bei jungen, sportlich aktiven Menschen oder ausgeprägter Instabilität wird dagegen häufig eine Operation empfohlen. Ziel ist es, die Stabilität des Knies möglichst vollständig wiederherzustellen.
„Nach der Behandlung, insbesondere nach einer Operation, ist eine konsequente Rehabilitation entscheidend. Durch Physiotherapie, Muskelaufbau und Koordinationstraining wird das Knie schrittweise wieder belastbar gemacht. Die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten ist meist erst nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr möglich und hängt vom Heilungsverlauf und der Stabilität des Gelenks ab“, sagt Petra Dierich.
In vielen Fällen kann die Funktion des Knies weitgehend wiederhergestellt werden. Dennoch besteht ein erhöhtes Risiko für langfristige Folgen wie erneute Instabilität oder die Entwicklung einer Arthrose, insbesondere wenn das Gelenk nicht ausreichend stabilisiert wird.
„Da Frauen ein höheres Risiko für eine Vordere Kreuzbandruptur haben, ist es umso wichtiger, dass sie – vor allem nach einer Verletzung – durch gezieltes Training wie Kraft-, Koordinations- und Sprungübungen optimal auf die Rückkehr in den Sport vorbereitet werden“, so Dierich.
(Quelle: AOK Ulm-Biberach)