Igel schützen: Jetzt brauchen sie unsere Hilfe

Igel schützen: Jetzt brauchen sie unsere Hilfe
Igel brauchen im Herbst unsere Hilfe, um gut durch den Winter zu kommen. (Bild: Anne Coatesy // iStock / Getty Images Plus)

Im Herbst sieht man die kleinen Stacheltiere vermehrt durch die Gärten streifen. Sie bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor. Allerdings sind auch viele unterernährte und kranke Igel unterwegs. Wann Igel Hilfe brauchen und wie man ihnen am besten hilft, steht hier.

Igel zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tierarten. Bei der Gartenarbeit im Herbst sollte man deshalb unbedingt an die kleinen Stachler denken. Denn die beste Igelhilfe ist es, ihren Lebensraum zu verbessern. Je naturnaher ein Garten angelegt ist, desto wohler wird sich ein Igel und auch andere bedrohte Kleintiere fühlen.

Wie können Igel im Garten gut überwintern?

Igel lieben unaufgeräumte Ecken im Garten: Komposthaufen, aufgeschichtetes Reisig, Laubhaufen, lockere Holzstapel, Ziegelsteine, die einen geschützten Platz bieten oder notfalls ein Brett, das an die Wand gelehnt wird, um einem Igel einen wassergeschützten Platz zu bieten.

Im Herbst sollte man nur so wenig wie möglich gefallenes Laub wegräumen und nicht in Laubhaufen stechen, da sich dort bereits ein Igel ein Nest gebaut haben könnte. Umschichtungen von Reisig- und Komposthaufen sollte man ab dem Herbst auch vermeiden, um keine Nester zu zerstören.

Igel lieben Laub – sie bauen sich daraus ihre Winternester.
Igel lieben Laub – sie bauen sich daraus ihre Winternester. (Bild: schulzie // iStock / Getty Images Plus)

Wann gehen Igel in den Winterschlaf?

Sobald die Nahrungsquellen versiegen und keine Insekten mehr unterwegs sind, die Temperaturen sinken und die Igel ihr Winterschlafgewicht erreicht haben, gehen sie in den Winterschlaf. Männliche Altigel begeben sich bereits im Oktober in den Winterschlaf.

Weibliche Altigel folgen im Laufe des Novembers. Jungigel suchen teilweise noch im Dezember Nahrung, dann sollte man aber jeden Igel sichern, den man findet. Igel schlafen bis Ende April / Anfang Mai.

Viele Igel sind zu unterernährt für den Winterschlaf

Leider sind immer mehr Alt- und Jungigel unterernährt. Viele der kleinen Stacheltiere finden in den Sommermonaten immer weniger Insekten, da selbst Naturgärten vom Insektensterben betroffen sind.

Deshalb brauchen Igel im Herbst unsere Hilfe: Hochwertiges trockenes oder nasses Katzenfutter mit mindestens 60 Prozent Fleischanteil, ohne Getreide oder Soße und etwas Wasser hilft ihnen, ihr Winterschlafgewicht zu erreichen. Spezielles Igelfutter hat leider nicht ausreichend Nährstoffe, die ein Igel benötigt.

Viele Igel sind zu schwach für den Winterschlaf und wiegen viel zu wenig.
Viele Igel sind zu schwach für den Winterschlaf und wiegen viel zu wenig. (Bild: Anne Coatesy // iStock / Getty Images Plus)

Notfall erkennen – Dann braucht ein Igel Hilfe

Ein Notfall bei einem Igel liegt vor:

  • bei Tagaktivität und Aktivität von Mitte November bis Ende März, egal zu welcher Tageszeit
  • bei Abmagerung: eingefallener Nacken, wurstförmiges Aussehen oder sichtbare Hüftknochen, das Stachelkleid wirkt zu groß oder ist hat lichte Stellen
  • bei Verletzungen, Humpeln, Torkeln, häufiges Husten
  • bei sichtbaren, deutlichen Veränderungen des Stachelkleids
  • bei Atemproblemen oder geschlossenen Augen
  • bei Liegen in der Sonne oder längerem Liegen an einer Stelle
  • Igel wird von Fliegen angeflogen
  • bei zu geringem Gewicht. Das liegt vor bei: Jungigel unter 200 g zu jeder Jahreszeit und ohne Mutter unterwegs, Igel unter 350 g Anfang Oktober, Igel unter 500 – 600 g ab Ende Oktober. Altigel sollten 900 – 1500 g wiegen, die Körperform sollte apfelförmig sein.

Hat man aus Versehen ab dem Spätherbst und Winter ein Igelnest zerstört, kann sich der Igel kein neues Nest mehr bauen. Er gilt dann ebenfalls als Notfall.

Igel richtig sichern

Liegt einer oder mehrere der obigen Punkte vor, muss der Igel gesichert werden. Dazu wird er mit Handschuhen oder einem alten Handtuch in einen circa 40 cm hohen Karton gesetzt. Diese Sicherung ist wichtig, da auch kranke Igel sich berappeln und weglaufen können. Dann können sie keine Hilfe mehr erhalten.

Ist der Igel gesichert, sollte man die Igelnotrufnummer anrufen. Den Igel-Notnetze-Verein erreicht man unter 0800 723 5750. Welche Igelauffangstation in der Nähe ist, steht hier: Igelauffangstationen nach Postleitzahl

Den Karton sollte man mit Zeitungspapier auslegen. Ein altes Handtuch dient als Versteck. Dann den Karton mit ins Haus nehmen. Draußen kühlt der Igel sonst aus, dies kann lebensgefährlich sein. Bei Angst vor Parasiten kann der Karton mit dem Igel mit einem untergelegten Handtuch in die Badewanne gestellt werden.

Bis der Igel zur Auffangstation gebracht wird, kann man ihn mit hochwertigem Katzenfutter ohne Getreide füttern.
Bis der Igel zur Auffangstation gebracht wird, kann man ihn mit hochwertigem Katzenfutter ohne Getreide füttern. (Bild: Anne Coatesy // iStock / Getty Images Plus)

Erstuntersuchung und Versorgung

Bis der Igel zur Igelauffangstation gebracht wird, sollte er gut versorgt werden. Wenn er unterkühlt, also kühler als die Handtemperatur ist, sollte er gewärmt werden. Dazu eine handwarme Wärmflasche unter das Handtuch des Igels legen. Heizungs- oder Rotlichtwärme vermeiden, das trocknet den Igel aus.

Ist der Igel aufgewärmt, hochwertiges Katzennassfutter oder ein Rührei aus einem Ei ohne Salz und Gewürze in kleinen Mengen anbieten. Ist der Igel noch unterkühlt, mit der Fütterung warten, bis er aufgewärmt ist.

Mehr Tipps von der Igelexpertin

Möchten Sie wissen, wie Sie Ihren Garten für Igel gemütlich und sicher machen können? Oder haben Sie allgemeine Fragen (keine medizinischen Notfälle!) zu Igeln im Garten, Fütterung, Überwinterung oder wollen Sie einem Igel in Ihrem Garten eine Heimat geben, dann schreiben Sie an Dr. Bettina Fieber vom NABU unter: [email protected]

(Quelle: Dr. Bettina Fieber, NABU Südl. Riss- und Umlachtal)