Viele verlassen sich in unsicheren Zeiten auf klassische Goldbarren. Jens Steinhagen, der Gründer von STEINHAGEN CONSULTING, erklärt, was wirklich schützt und warum diese Form des Goldbesitzes im Ernstfall sogar gefährlich sein kann.
Die Renaissance des Goldes: Zwischen sicherem Hafen und strategischem Risiko
In der gegenwärtigen Ära globaler Instabilität, die durch tiefgreifende wirtschaftliche Verwerfungen und geopolitische Krisen geprägt ist, rückt die Suche nach einem „sicheren Hafen“ für das private und betriebliche Vermögen verstärkt in den Fokus. Immer mehr Anleger setzen dabei auf die wertbeständige Kraft des Goldes. Das Spektrum der Investitionsmöglichkeiten hat sich dabei massiv diversifiziert: Es reicht vom rohen Goldnugget über komplexe „Papiergold-Konstrukte“, Goldminen-Aktien und spezialisierte Fonds bis hin zu hochkarätigen Münzen und Medaillen aus 999,9 Feingold mit streng limitierter Weltauflage. Parallel zu den Produkten großer Finanzintermediäre gewinnen zudem physische Goldbarren und Nennwertmünzen als greifbare Sachwerte signifikant an Bedeutung. Doch Vorsicht: Es gibt eine funktionale Falle!
Gold ist heute nicht gleich Gold: Diese Vielfalt birgt zahlreiche Gefahren, denn jedes dieser Anlageprodukte erfüllt – je nach Marktszenario – sehr unterschiedliche Funktionen oder versagt im Ernstfall gänzlich. Jens Steinhagen warnt daher eindringlich vor einer emotional geleiteten, durch die Märkte getriebenen Investitionspraxis, bei der eine „Summe X“ unspezifisch in „irgendwelches“ Gold investiert oder das gesamte Kapital auf lediglich ein bis zwei Anlageformen konzentriert wird.
Wer sich in Krisenzeiten blind auf das Edelmetall Gold verlässt, ohne die spezifische Funktionalität der gewählten „Goldform“ bis zu Ende zu durchdenken, riskiert im Krisenfall eine fatale Fehlkalkulation. Im folgenden Interview legt Jens Steinhagen dar, warum Gold in Fonds, Gold-ETCs, Minen-Aktien und sogar die klassische Verwahrung in Barren oder Nennwertmünzen oft keinen ausreichenden Vermögensschutz bieten und als reine Wertanlage ein unterschätztes Risiko bergen. Erfahren Sie, welche strategischen Alternativen Anleger stattdessen wählen sollten, um echte Resilienz zu schaffen.
Herr Steinhagen, gibt es immer noch viele Menschen, die ihr Geld lieber anlegen, anstatt es zu Hause in den Safe zu legen?
Jens Steinhagen: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber darum geht es nicht. Die Frage animiert zu einer zu oberflächlichen Pauschalantwort zwischen „Bankdepot=falsch“ und „Heimtresor=richtig“; und das wäre zu kurz gegriffen. Deshalb lassen Sie mich bitte etwas ausführlicher antworten.
Geld anzulegen ist ja per se eine sinnvolle Idee. Denn wenn es um reine Geldwerte geht, gilt die Regel: Geld im Tresor oder Schließfach verliert immer an Wert! Gold hingegen wird im Regelfall selbst im Tresor langfristig an Wert zunehmen. Allerdings haben wir in den letzten 4 Jahren auch erfahren müssen, dass die Aufbewahrung in einem Schließfach – es gab fünf große Raubüberfälle in Deutschland – oder in einem Tresor zu Hause bei einer stark steigenden Zahl der Wohnungseinbrüche mit Tresorfocus nicht automatisch die bessere oder sicherere Form der Aufbewahrung ist.
Es kommt also heutzutage vielmehr auf die Funktion an, die ich von einer An- oder Ablage zu einer bestimmten, genau definierten Wirtschafts- oder auch Krisenphase erwarte. Es geht in einem Gesamtkonzept um eine sinnvolle Verteilung von Gewinnanlagen und Werten, die eine Sicherung des Vermögens darstellen sollen. Werte, die zur reinen Sicherung dienen, müssen ja selbst dann funktionieren, wenn sich die Regeln ändern, es systemische Störungen gibt oder die Märkte abstürzen.
Es geht also nicht darum, ob die Menschen ihr Geld weiterhin anlegen, sondern darum, wie sie es tun. Jede Investorin und jeder Investor sind gut beraten, aktuell Chancen und Risiken besser und intensiver abzuwägen. Dazu gehört auch, die zugedachte Funktion jeder einzelnen Anlage bis zu Ende zu denken. Und das bedeutet wiederum unter den aktuellen Gegebenheiten eben bis hin zum letzten Detail und auch bis zum Worst-Case, einmal die möglichen Szenarien durchzuspielen und die Sicherheit zu überprüfen. Und das tun die wenigsten Anleger in ausreichendem Maß.
Die statistischen Rahmenbedingungen sind beeindruckend und besorgniserregend zugleich. Das private Geldvermögen der Deutschen hat einen neuen Rekordwert erreicht. Laut einer aktuellen Studie der DZ-Bank und der Deutschen Bundesbank aus dem Januar 2026, liegt es bei nunmehr über 10 Billionen Euro, das sind 10.000 Milliarden Euro! Dazu kommt noch einmal ungefähr die gleiche Summe an privatem Immobilieneigentum.
Und obwohl 67 % der Bürger dieses Landes angeben, dass für sie der wichtigste Aspekt die Sicherheit bei der Geldanlage darstellt, spiegelt sich das in der Aufteilung überhaupt nicht wider. Wenn Sie sich die Grafik anschauen, gibt es nicht mal eine signifikante Veränderung, die die wirtschaftlichen und geopolitischen Ereignisse erfordern. Es scheint in der Breite der Bevölkerung an kritischer Wahrnehmung und produktspezifischem Faktenwissen zu mangeln; zusätzlich verhindern Informationsüberflutung, Arbeitsstress und Alltagsprobleme eine Handlungsbereitschaft und einen Veränderungswillen.

Glücklicherweise gibt es trotzdem immer mehr Menschen, die sich ernsthaft mit ihrem Vermögen auseinandersetzen und es möglichst so sichern wollen, dass es bei Systemausfällen, Handlungseinschränkungen oder sogar bei Krisen eine Handlungsoption erhält. Sie wollen souverän bleiben,
egal was passiert, selbst wenn sich die Regeln ändern.
Glauben Sie, dass das der Grund ist, warum aktuell viele Menschen in Gold und Silber investieren?
Jens Steinhagen: Ich glaube das nicht nur, ich erfahre das in meinen täglichen Beratungen. Viele Menschen, die ich treffe, haben einfach das Vertrauen in die Politik verloren. Vergangene und aktuelle geopolitische Geschehnisse wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und der Nahost-Konflikt, aber auch Versprechen vor der Wahl und 180- Grad-Wendungen danach, das Heizungsgesetz, die E-Autoförderung oder die CO2-Abgabe, um nur einige zu nennen, haben gezeigt, dass die Politik in bestimmten Situationen massiv eingreifen kann – sogar bei geschaffenen Vermögenswerten. Anders als Aktien und systemischen Anlagen bei Banken, Versicherungen und Fonds ist Gold physisch greifbar, was psychologisch gesehen Sicherheit und Vertrauen weckt.
Das Vertrauen in die Politik sinkt. Welche Ursachen gibt es dafür?
Jens Steinhagen: Die Ursachen sind so vielschichtig, dass uns hier die Zeit fehlt, all die Versäumnisse und Fehler der Politik der letzten zwei oder sogar drei Jahrzehnte aufzuzählen. Fakt ist: Die Bundesregierung verliert in allen Schichten der Bevölkerung zunehmend an Rückhalt. Viele Menschen fühlen sich sogar in ihrer Existenz bedroht. Nennen Sie mir doch bitte mal ein Thema, einen gesellschaftlichen Bereich, einen Wirtschaftssektor, bei dem sich in den letzten 20 Jahren etwas signifikant und bedeutungsvoll für die Bürger dieses Landes verbessert hat.
Schweigen!
Auch mir fällt nichts ein!
Jens Steinhagen: Meine Mandanten sagen: Alles ist teurer und schlechter geworden.
Dafür ist nicht allein die Inflation verantwortlich, aber sie hat einen substanziellen Einfluss. Sie hat nicht nur für einen enormen Anstieg der Preise gesorgt, sondern stellt auch eine schleichende Gefahr für das Vermögen dar. Anlagen wie Aktien, Sparbücher, Versicherungen und Bargeld, verlieren drastisch an Wert. Bürokratische Hürden, beispielsweise bei Immobilien, und eine widersprüchliche Steuer- und Finanzpolitik sorgen außerdem dafür, dass Anleger zunehmend an der Politik zweifeln. Dazu gehören übrigens auch die staatliche Rente, die nicht mehr zukunftssicher ist, und die überforderten Sozialsysteme. Und das alles bei der zweithöchsten Steuer- und Abgabenbelastung aller OECD-Länder.
Wir haben 2008 den Titel des Exportweltmeisters verloren. Das war schmerzhaft, aber verkraftbar. Was wir heute verlieren, ist dramatischer: Es ist unsere industrielle Substanz. Während die Politik über Verteilungsfragen und Klimaziele philosophiert, kämpfen Mittelstandsunternehmen mit von der Politik diktierten Mindestlöhnen, mit den höchsten Energiekosten der Welt, einem Fachkräftemangel und einer Bürokratie, die ihnen das Atmen nimmt.
Wir erleben seit 2018 eine tendenziell rückläufige Industrieproduktion in Deutschland. Das ist ein Alarmsignal, das nichts mit „Exportweltmeister-Nostalgie“ zu tun hat, sondern mit Substanzverlust.
Wir sehen eine „schleichende Deindustrialisierung“ und die größte Insolvenzwelle im Mittelstand seit Gründung der Bundesrepublik.
Die Menschen in unserem Land haben bei dieser Gemengelage einfach Angst, investieren nicht und sehen sich aus diesen Gründen natürlich auch nach Alternativen um, die sie im wahrsten Sinne des Wortes fest in der Hand haben.
Herr Steinhagen, wie sicher ist Gold in diesem Zusammenhang?
Jens Steinhagen: Gold wird seit Jahrhunderten als Vermögensanlage geschätzt und erfolgreich genutzt. Aus diesem Grund gilt es nicht ganz unbegründet als Klassiker unter den Anlageformen. Gold hatte immer eine hohe Begehrlichkeit, war noch nie wertlos und hat einige Hundert Papierwährungen überlebt. Das berühmteste Zitat dazu stammt von J.P. Morgan, dem Gründer der heute wertvollsten börsennotierten Bank der Welt, aus dem Jahr 1912:
„Gold is money. Everything else is credit.“
Gold hat sich vor allem in Zeiten von Inflation, Finanzkrisen, wirtschaftlichen und geopolitischen Spannungen als hilfreich erwiesen. Ein großer Vorteil ist, dass Gold greifbar ist und unabhängig von digitalen Systemen oder klassischen Finanzanlagen funktioniert. So bleibt es auch bei möglichen Bankenschließungen und Strom- oder Systemausfällen verfügbar. Gold ist eines der wichtigsten Zahlungsmittel weltweit und genießt wegen seiner langfristigen Werterhaltung nach wie vor ein hervorragendes Renommee. Selbst Staaten und auch der IWF horten Goldreserven in signifikanten Größenordnungen wegen ihrer Wertspeicherqualitäten. Allerdings gibt es neben den vielen Vorteilen auch Nachteile.
So bietet physisches Gold keine laufenden Erträge, weder Zinsen noch Dividenden. Gold gilt zwar als weitestgehend stabile Wertanlage, allerdings können auch die Goldpreise kurz- und mittelfristig schwanken. Auch spielt die Verwahrung eine große Rolle. Durch die hohe Begehrlichkeit ist es angebracht, Edelmetall vor Raub und Diebstahl zu schützen. Das ist immer mit einem Kostenaufwand verbunden. Außerdem unterliegen sowohl der Erwerb als auch der Verkauf oberhalb einer Summe von 1.999 Euro der Dokumentationspflicht. Nicht zuletzt stellen auch Fälschungen ein gewisses Risiko dar, weshalb Anleger vor allem beim Kauf vorsichtig sein sollten.
Was denken Sie persönlich über Gold? Lohnt sich Gold noch als physische Geldanlage?
Jens Steinhagen: Ich finde, dass Gold nach wie vor eines der wichtigsten Zahlungsmittel ist, das sich über Jahrhunderte hinweg bewährt hat. Gold hat weder an Wert noch an Faszination verloren. Es kann vor allem vor und in Krisenzeiten eine wertvolle Geldanlage sein, da es nicht nur weitestgehend vor Inflation geschützt ist und die Kaufkraft auch langfristig bewahrt, sondern als Universal-Ersatzzahlungsmittel vielseitig einsetzbar ist. Selbst wenn Finanz- oder Wirtschaftssysteme kollabiert sind, hat Gold seine Funktion erfüllt und die Handlungsfähigkeit seines Eigentümers enorm gesteigert. Es hat die Flucht ermöglicht, Familien geschützt, Menschen ernährt, ja selbst Leben wurden durch den Besitz von Gold gerettet.
Während Aktien, Anleihen und Kryptowährungen infolge wirtschaftlicher und geopolitischer Krisen schnell an Wert verlieren können, hat sich Gold als Wertanlage immer als stabil erwiesen.
Sie sehen: Gold lohnt sich in jedem Fall auch heute noch als physische Anlage!
Warum ist dann aber nicht jedes Gold für die Krise geeignet? Stichwort Standardgold.
Jens Steinhagen: In der Krise benötigen wir ja Gold als Ersatzzahlungsmittel erst dann, wenn alle anderen Systeme nicht mehr funktionieren. Dann muss unser goldener „Notgroschen“ unsere Handlungsfähigkeit erhalten. Als Erstes müssen wir dazu in „Systemisches Gold“ und „Außersystemisches Gold“ unterteilen und eine Unterscheidung zwischen „Standardgold“ und Gold in „Spezialformen“ vornehmen.
Systemisches Gold bezeichnet alle Formen und Varianten von Gold, die irgendwie am Banken‑, Versicherungs- oder Fondsmarkt „hängen“. Also alles am oder im klassischen Finanzsystem.
Hier nenne ich als Beispiel mal Xetra-Gold. Die meisten Anleger überlesen, dass sie mit den Papieren eine Inhaberschuldverschreibung erwerben, die zwar physisch mit Barren in Hochsicherheitstresoren hinterlegt und jederzeit auslieferbar ist, aber es besteht kein Anspruch auf Goldauslieferung! Die Schuldverschreibung stellt lediglich eine Forderung gegen den Herausgeber dar. In einer Krise hängt „IHR GOLD“ im System fest.
So heißt es im Prospekt im Punkt: Ausübung des verbrieften Auslieferungsanspruchs auf Gold
„Der Anleger kann jederzeit seinen verbrieften Auslieferungsanspruch auf Gold gegen die Emittentin geltend machen. Darf der Anleger aus rechtlichen Gründen keine Lieferung von Gold erhalten, kann er von der Emittentin anstelle der Lieferung von Gold die Rückzahlung von Xetra-Gold® in Form eines Barbetrags in Euro verlangen.“
Aber es kann noch schlimmer kommen. Auf Seite 13 des Wertpapierprospektes heißt es dazu:
„Eine Insolvenz der Emittentin kann sogar zum vollständigen Verlust des Kapitalbetrags führen, den Gläubiger beim Kauf der Schuldverschreibungen bezahlt haben“.
Bei allen systemischen Anlagen wird, das steht in den Prospekten genau beschrieben, das systemische Risiko auf den Anleger übertragen!
Solche Anlageformen eignen sich hervorragend zur Gewinnerzielung, sie sind in hohen Eskalationsphasen von Krisen nahezu untauglich für den Schutz und bieten kaum oder gar nicht die gewünschte Sicherheit und
Handlungsfähigkeit. Im Worst-Case können Sie alles verlieren!
Außersystemisches Gold ist alles Gold, welches Sie außerhalb von Banken, Versicherungen und Fonds als Eigentum in Form von Barren, Münzen oder Medaillen und Schmuck aufbewahren.
Kommen wir nun zur Unterscheidung zwischen „Standardgold“ und Gold in „Spezialformen“.
Standardgold sind Goldprodukte, die – wie der Name es schon sagt – standardisiert sind. Dazu zählen insbesondere Barrenprodukte wie Kleinbarren von 1 Gramm, 10 Gramm, 100 Gramm bis hin zu 12,5 Kilogramm. Ebenfalls zu dieser Produktgruppe zählen Münzen mit Währungsprägung oder Währungssymbolen. Das wird zum Beispiel beim Krugerrand regelmäßig selbst von Edelmetallhändlern falsch kolportiert. Der Krugerrand zeigt auf einer Seite der Münze den ehemaligen Präsidenten Paul Kruger. Der Rand ist in Südafrika seit 1961 gesetzliches Zahlungsmittel. Der Krugerrand ist eine Zusammensetzung aus Paul Kruger und dem Rand und demzufolge ebenfalls ein gesetzliches Zahlungsmittel.
Wie ich bereits erwähnte, ist Gold nicht gänzlich ohne Risiken. Diebstahl und Fälschungen hatte ich bereits genannt. Eine weitaus größere Gefahr sind allerdings drohende Goldverbote. Deshalb haben systemische Angebote (wie oben bei Xetra-Gold) immer im Prospekt vermerkt: „Darf der Anleger aus rechtlichen Gründen keine Lieferung von Gold erhalten…“.
Regierungen nutzten diese Maßnahme in der Vergangenheit bereits mehrfach, vor allem in Deutschland und den USA. In der Geschichte der Menschheit sind wir auf über 400 Gold- und Silberverbote gestoßen! Bis 1972 gab es weltweit noch in 120 Ländern Goldverbote! Physisches Gold musste immer abgegeben werden. Außerdem wurde der Handel mit Gold eingeschränkt. Dies betraf immer und überall Standardgold, da dieses einfach zu bewerten und zu entschädigen ist.
Anders verhält es sich bei Spezialformen von Gold. Oft werden sie international als Non-Bullion-Rare-Coins bezeichnet. Es gibt historische Rare-Coins (die Eule von Athen, Jacobslöser usw.) und neu produzierte Rare-Coins. Beide sind, wie das Wort schon sagt, „rare“, also schwer erhältlich, selten und begrenzt.Fälschlicherweise werden sie in Deutschland oft als Numismatik, neue Numismatik oder Sammlermünzen bezeichnet. Und es ist tatsächlich schwer, einen passenden Begriff zu finden. Fiskaljuristisch korrekt ist eine Münze, die keinen Nennwert hat und kein Zahlungsmittel darstellt, eine Medaille. Dadurch wird sie zu einem nicht fungiblen Gegenstand! In der internationalen Fachsprache auch als „non-fungible item“ (NFI) bezeichnet. Sie werden aufwendig produziert,haben einen Reinheitsgrad von 999,9 und gleichzeitig einen hohen immateriellen Anteil. Diese Punkte machen sie für den Staat schon vorab uninteressant. Staaten, die Goldverbote verhängt haben, befanden sich immer in einer extremen Notlage. Sie brauchten sofort neue Zahlungsfähigkeit und diese in enormer Höhe. Heute reden wir da über hunderte von Milliarden. Außerdem zählen sie, da sie keinen Nennwert haben, nicht als Zahlungsmittel, sind von einem Künstler bearbeitet worden oder sogar ein eigenes Kunstwerk.Diese harten Fakten machen sie für ein Goldverbot quasi untauglich, da der Staat keine einheitliche Bewertungs- und Entschädigungsgrundlage hat. Daher müsste er jede NFI-Medaille durch einen Gutachter bewerten lassen. Das ist zu aufwendig, zu langwierig und bei den kleinen Mengen, die am Weltmarkt vorhanden sind, für den Staat völlig irrelevant.
Auch Goldschmuck ist durch seine Herstellung, Aufbereitung und Anfertigung eine Spezialform von Gold.
Goldschmuck, seltene NFI-Münzen & Medaillen und Kunst waren von den Goldverboten der Vergangenheit nicht betroffen und werden es in Zukunft aus besagten Gründen auch nicht sein, weshalb sie als Alternative zu klassischen Goldbarren und Nennwertmünzen eine große Bedeutung haben. Wenn man einen sicheren Schutzschirm für seine Vermögenswerte aufbauen möchte, kommt man an Spezialformen von Gold nicht vorbei.
Aufgrund der aufgezeigten Sicherheitslücken klassischer Goldbarren und Nennwertmünzen betone ich immer wieder, dass Standardgold zur Absicherung in Krisenzeiten nicht ausreicht, es im Worst-Case sogar völlig falsch investiert ist. Um das Vermögen auch in Krisenzeiten zu sichern, sind individuelle Strategien nötig.
Was empfehlen Sie Anlegern in Bezug auf Gold?
Jens Steinhagen: Gold war, ist und bleibt grundsätzlich, egal in welcher Form, ein strategischer Vermögenswert. Es dient selbst Zentralbanken als Sicherheitsanker und Bilanzpuffer. Aktuell ist es für Staaten und vermögende Privatpersonen noch bedeutsamer geworden.
Ich empfehle immer als Erstes, eine Entscheidung zu treffen, welche Funktion das Gold erfüllen soll. Daraus ergibt sich dann meist die benötigte Form. Systemisches Gold eignet sich eher für die Gewinnerzielung und den Vermögensaufbau. Außersystemisches, physisches Gold dient besser dem Schutz der Vermögenswerte und dem Erhalt der Handlungsfähigkeit, selbst im Worst-Case, wenn nichts anderes mehr funktioniert.
Aber auch außersystemisches, physisches Gold wurde bereits, wie erwähnt, hundertfach enteignet und kann auch in Zukunft staatlichen Zugriffen unterliegen oder in Krisenzeiten schwer bis gar nicht handelbar sein. Ich empfehle eine möglichst breit gefächerte Edelmetallstrategie, um auf Rücklagen im Ernstfall jederzeit zugreifen zu können und liquide zu sein.
Wie sollte das Portfolio Ihrer Meinung nach am besten gestaltet werden?
Jens Steinhagen: Zunächst einmal muss gesagt werden, dass keine Geldanlage zu 100 Prozent sicher ist. Krisen gibt es immer und mit ihnen sind auch gewisse Risiken verbunden. Deshalb sollte das Portfolio stets strategisch aufgestellt werden. Mein Motto lautet: „Resilienz statt Rendite”, denn Sicherheit ist in Krisenzeiten wichtiger als Rendite. Jeder Anleger benötigt ein individuelles Konzept, das zu seiner Vermögensgröße und zur aktuellen Lebenssituation passt. Um das Portfolio beispielsweise vor Inflation, Enteignung oder Systemausfall zu schützen, muss es unbedingt gegen mögliche Risiken abgesichert werden.
Gold ist nach wie vor eine krisensichere Wertanlage, die seit Jahrhunderten wertstabil ist. Sie sollte jedoch nicht als alleinige Investition dienen.
Herr Steinhagen, welche Möglichkeiten haben Anleger, um das Vermögen vor möglichen Krisenszenarien zu schützen?
Jens Steinhagen: Heute ist es wichtiger denn je, das Vermögen vor den Folgen wirtschaftlicher und geopolitischer Krisen zu schützen. Sowohl die Vergangenheit als auch jüngste Ereignisse bestätigen, dass Wertanlagen in unsicheren Zeiten oft nicht ausreichend vor Inflation, möglichen Enteignungen, erlassenen Gesetzen, Goldverboten und anderen Finanzkrisen geschützt sind. Wer jedoch rechtzeitig vorsorgt und das Vermögen strategisch sichert, wird von möglichen Krisen nicht überrascht. Denn was heute wie eine sichere Geldanlage aussieht, kann morgen unter Druck geraten.
Daher gebe ich die Empfehlung, möglichst rechtzeitig zu handeln und mehr Stabilität in das Portfolio zu bringen. Das geht am besten mit dem RüVER®-Stresstest, den ich mitentwickelt habe. Die Idee kommt aus meinem ehemaligen Beruf als Kampfpilot in einem Überschalljet. Dort möchte man sehr gefährliche Situationen auch nicht unvorbereitet erleben. Deshalb gibt es Flugsimulatoren. Dort kann man Gefahrenlagen durchspielen, ohne tatsächlich in Gefahr zu geraten. Passiert es dann in der Praxis, ist man bestens vorbereitet.
So funktioniert auch der Stresstest. Er ist sozusagen der Simulator für gefährliche Finanzsituationen. Wir setzen die vorhandenen Vermögenswerte gezielt konkreten Gesetzeslagen und Krisenszenarien aus. So erkenne ich, welche Vermögenswerte schnell unter Druck geraten und welche nicht. Der Stresstest ist somit eine vielversprechende Möglichkeit, um mehr Stabilität und Sicherheit in das Portfolio zu bringen.
Für wen eignet sich der Stresstest, Herr Steinhagen?
Jens Steinhagen: Der RüVER®-Stresstest eignet sich grundsätzlich für Menschen, die ihr aufgebautes Vermögen vor möglichen Krisen schützen möchten. Aber auch für Menschen, die einfach nur etwas mehr Sicherheit in turbulenten Zeiten suchen, und für Menschen, die sicherstellen wollen, dass sie in allen Situationen, die eintreten können, in jedem Fall Optionen haben, die funktionieren.
Der RüVER®-Stresstest zeigt, inwiefern das Vermögen möglichen Krisen und Gesetzen standhält oder ob es schlimmstenfalls gefährdet ist. Der Stresstest ist eine persönliche, individuelle und vertrauliche Analyse des Vermögens, die sämtliche Rücklagen eingehend prüft. Anhand des Tests gebe ich Mandanten konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand, um das Vermögen resilienter und sicherer zu gestalten.
Danke für das Interview, Herr Steinhagen.
Jens Steinhagen: Ich danke Ihnen.