Ärztemangel spitzt sich zu: Über 1000 Arztsitze sind in Baden-Württemberg offen

Rund 1100 Arztsitze sind aktuell nicht besetzt, davon 927 in der hausärztlichen Versorgung // Symbolbild.
Rund 1100 Arztsitze sind aktuell nicht besetzt, davon 927 in der hausärztlichen Versorgung // Symbolbild. (Bild: Pixabay)

WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Die Situation in der ambulanten Versorgung ist angespannt: Immer mehr Arztsitze können nicht nachbesetzt werden, und das nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in den Städten. Rund 1100 Arztsitze sind aktuell nicht besetzt, davon 927 in der hausärztlichen Versorgung.

„Die Sicherstellung der ambulanten psychotherapeutischen und ärztlichen Versorgung ist gefährdet wie noch nie“, sagt Dr. Doris Reinhardt, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), anlässlich des heute veröffentlichten Versorgungsberichtes für das Jahr 2023. „Es wird immer schwieriger, junge Ärzte für die Niederlassung zu gewinnen, und die bestehenden Praxen kommen an ihr Limit.“

„Personelle Engpässe gibt es nicht nur bei den Ärzten, sondern zunehmend auch beim nichtärztlichen Praxispersonal. Das gefährdet den Praxisbetrieb und damit die Versorgung der Patienten“, ergänzt der Vorstandsvorsitzende der KVBW, Dr. Karsten Braun. Und weiter: „Der zunehmende Ärztemangel ist aber auch Ausdruck der immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen ärztlicher und psychotherapeutischer Berufsausübung in Deutschland. Die Politik wäre gut beraten, das umgehend zu ändern, sonst droht der Kollaps unserer Praxen und damit eine gravierende Einschränkung der Patientenversorgung.“

Die KVBW hat ein Bündel an Maßnahmen geschnürt, um die ambulante Versorgung zu stabilisieren: Mit dem Förderprogramm Ziel und Zukunft – kurz ZuZ – fördert die KVBW bereits seit 2015 Praxisneugründungen, Praxisübernahmen, Kooperationen und Anstellungen in besonders prekären Regionen. Rund 25 Millionen Euro sind bislang aus dem Strukturfonds an die neuen KV-Mitglieder geflossen.

Als zielführend hat sich auch die Förderung der Ärzte in Weiterbildung erwiesen: „Ambulante Weiterbildungsabschnitte sind ein wertvolles Mittel, um dem ärztlichen Nachwuchs die vertragsärztliche Tätigkeit vorzustellen und die Vorteile kennenzulernen“, erklärt Dr. Reinhardt. Insgesamt wurden 1.822 Ärztinnen und Ärzte mit rund 56 Millionen Euro im Rahmen ihrer ärztlichen Weiterbildung im Jahr 2022 unterstützt.

Auch die Kooperation mit den Kommunen hat die KVBW weiter ausgebaut. Beim „Kommunalservice“ entwickelt die KVBW gemeinsam mit den Kommunen tragfähige Konzepte für die ärztliche Versorgung in den Regionen. Im Jahr 2022 war das Beratungsteam der KVBW bei 310 Beratungen und Analysen aktiv.

Der heute veröffentlichte Bericht „Die ambulante medizinische Versorgung 2023“ informiert über aktuelle Themen und Trends, Förderprogramme und das Leistungsspektrum der KVBW-Mitglieder. Der Bericht liefert auch detaillierte Zahlen zur Entwicklung der Arztzahlen und der Altersstruktur in den einzelnen Stadt- und Landkreisen.

Als Anlage zum Versorgungsbericht ist heute auch der Qualitätsbericht 2022 erschienen. Er zeigt eindrucksvoll, wie umfassend die Qualitätssicherung in der ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung ist. Rund 80 Prozent aller Leistungen, die ein Patient oder eine Patientin in einer Arzt- oder Psychotherapiepraxis in Anspruch nimmt, sind qualitätsgesichert.

Die Publikation „Die ambulante medizinische Versorgung 2023“ mit der Anlage „Qualitätsbericht 2022“ steht auf der Website der KVBW zum Download zur Verfügung.

(Pressemitteilung: Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg)