Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Eine neue Analyse zeigt: Ohne Gegenmaßnahmen drohen in den kommenden Jahren deutliche Beitragserhöhungen für Versicherte und Arbeitgeber. Ein erster Bericht der FinanzKommission Gesundheit nennt nun konkrete Zahlen und Vorschläge.
Milliardenlücke ab 2027 erwartet
Laut Bericht entsteht bereits im Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von rund 15 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte diese auf etwa 40 Milliarden Euro anwachsen.
Die Folgen wären spürbar: Für Versicherte und Arbeitgeber könnten die Kosten deutlich steigen. Durchschnittlich wird mit einer Mehrbelastung von rund 260 Euro im Jahr 2027 gerechnet – bis zu etwa 680 Euro im Jahr 2030. Im Einzelfall könnten die zusätzlichen Kosten sogar deutlich höher ausfallen.
Gründe für steigende Kosten
Als Hauptursache nennt die Kommission vor allem steigende Ausgaben im Gesundheitswesen. Dazu zählen insbesondere höhere Preise und Vergütungen.
Auch politische Entscheidungen der vergangenen Jahre hätten dazu beigetragen, dass die Ausgaben stärker gestiegen sind als die Einnahmen. Gleichzeitig hängen die Einnahmen der Krankenkassen stark von der Entwicklung am Arbeitsmarkt ab.
66 Maßnahmen vorgeschlagen
Um gegenzusteuern, schlägt die Kommission insgesamt 66 Maßnahmen vor. Diese sollen ein Einspar- und Stabilisierungspotenzial von rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 und bis zu 64 Milliarden Euro im Jahr 2030 haben. Ein zentraler Ansatz ist, die Ausgaben künftig stärker an die Einnahmen zu koppeln. Ziel ist es, dass die Krankenkassen langfristig nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen.
Fokus auf Prävention und Effizienz
Weitere Vorschläge setzen auf eine effizientere Versorgung und mehr Prävention. Leistungen sollen stärker darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich einen nachweisbaren Nutzen für Patienten haben.
Auch eine stärkere Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sowie eine höhere steuerliche Beteiligung an bestimmten Leistungen werden empfohlen.
Auswirkungen auf die Versorgung
Die Empfehlungen wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt. Ein Großteil der Maßnahmen soll Einsparungen ermöglichen, ohne die Versorgung zu verschlechtern. Einige Vorschläge könnten laut Bericht sogar die Qualität verbessern – etwa durch den Abbau von Über- und Fehlversorgung.
Zweiter Bericht geplant
Die Kommission will ihre Arbeit fortsetzen. Bis Ende 2026 ist ein weiterer Bericht geplant, der sich mit langfristigen Strukturreformen im Gesundheitswesen beschäftigt.
(Quelle: FinanzKommission Gesundheit, Bundesgesundheitsministerium)