Protest gegen Kürzungen Weniger Geld für Therapien: Kritik an neuen Honorarkürzungen wächst

Weniger Geld für Therapien: Kritik an neuen Honorarkürzungen wächst
Patient:innen und Therapeut:innen kritisieren neue Sparmaßnahme der Krankenkassen (Foto: Alicia Uhlisch)
Sabrina Herr
Sabrina Herr

RAVENSBURG – Eine geplante Kürzung der psychotherapeutischen Honorare sorgt bundesweit für Kritik. Auch in Ravensburg regt sich Widerstand: Therapeutinnen, Patienten und Unterstützer wollen auf die Folgen aufmerksam machen und gehen auf die Straße.

Die Entscheidung wurde am 11. März vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen getroffen. Demnach soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent sinken.

Sorge um Versorgung wächst

Fachleute befürchten, dass sich die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen könnte. Schon jetzt müssen Patientinnen und Patienten oft mehrere Monate auf einen Therapieplatz warten.

„Unsere Berufsgruppe hat wenig Erfahrung mit Protest und das merkt man“, sagt Initiatorin Christina Vögel. Die Kürzung habe jedoch viele dazu bewegt, aktiv zu werden. Gemeinsam mit Mitstreiterinnen organisiert sie eine Kundgebung in Ravensburg.

Schwierige Bedingungen im Beruf

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die aktuelle Kürzung, sondern auch gegen die grundsätzlichen Rahmenbedingungen des Berufs.

So sei vielen nicht bewusst, wie aufwendig die Ausbildung ist: Auf ein mehrjähriges Studium folgt eine weitere, kostenintensive Ausbildung, die häufig privat finanziert werden muss. Gleichzeitig ist die Bezahlung in dieser Phase vergleichsweise gering.

Auch das Einkommen in der späteren Praxis liege laut Kritikern deutlich unter dem vieler Fachärzte.

Reform wirft neue Fragen auf

Mit der Ausbildungsreform von 2020 sollte die Situation verbessert werden. Allerdings ist bislang unklar, wie die zusätzlichen Kosten für die Weiterbildung finanziert werden sollen.

Viele angehende Therapeutinnen und Therapeuten befürchten daher, künftig weniger Ausbildungsplätze vorzufinden – mit möglichen Folgen für den Nachwuchs in der Versorgung.

Einsparung mit großer Wirkung

Ursprünglich war sogar eine Kürzung um zehn Prozent im Gespräch. Nach Verhandlungen wurde diese reduziert. Gleichzeitig wurden Zuschläge für Praxisstrukturen angepasst, die jedoch nicht alle Praxen gleichermaßen erreichen.

Kritiker sehen in der Maßnahme ein falsches Signal. Sie weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben – mit spürbaren Auswirkungen auf Krankmeldungen und Frühverrentungen.

Protest in Ravensburg geplant

Vor diesem Hintergrund organisieren Psychotherapeutinnen in Ausbildung gemeinsam mit einer Psychologiestudentin eine Protestaktion in Ravensburg.

Bereits Ende März informierten sie mit einem Infostand auf dem Marienplatz über die geplanten Änderungen. Eine Kundgebung ist für den 1. April um 17 Uhr ebenfalls auf dem Marienplatz angekündigt.

Neben Redebeiträgen sind auch künstlerische Beiträge und Erfahrungsberichte geplant. Ziel ist es, auf die Bedeutung psychotherapeutischer Versorgung aufmerksam zu machen und ein Umdenken in der Gesundheitspolitik anzustoßen.

Unter folgendem Link gibt eine Petition zur Thematik: https://www.change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gekürzt