Stacheltiere brauchen Unterstützung Igel sucht freundlichen Tierfreund mit Naturgarten

Igel sucht freundlichen Tierfreund mit Naturgarten
Wer tagaktive Igel entdeckt, die abgemagert und krank wirken, sollte sie rasch bergen. (Bild: Pixabay)

Der Igel ist zum Tier des Jahres 2024 gewählt worden. Trotz aller Ehre werden die nachtaktiven Einzelgänger auch bei uns immer rarer. Sie brauchen dringend unsere Unterstützung. Der Igelhilfeverein e.V. informiert über die Problematik der stacheligen Freunde.

Igel lebten früher friedlich in den Gärten und viele kannten sie als liebenswerte, stachelige Gartenbewohner, die nachts durch das Gebüsch raschelten und laut schmatzten, wenn sie Käfer erbeuteten. „Die Bestände sind in den letzten Jahren allerdings massiv eingebrochen“, so Igelspezialistin Dr. Bettina Fieber.

Mähroboter, Rasentrimmer und Schneckenkorn

Die Gärten sind heutzutage häufig steril und dienen als verlängerte Wohnzimmer und Zäune sind oft unüberwindbare Hindernisse für die Stacheltiere. „Gifte wie Schneckenkorn vergiften nicht nur Schnecken, sondern indirekt auch Igel und Unkrautvernichter können zu Verätzungen der Haut führen“. Dann wären da noch die emsigen Rasenroboter. Sie halten nicht nur den Rasen kurz, sondern töten auch die Nahrungstiere von Igeln und anderen Kleintieren.

Die Deutsche Wildtierstiftung bezeichnet Mähroboter als artgefährdend, weil sie den sich bei Gefahr einrollenden Igeln schwere Verletzungen zufügen. Eine Studie hat erwiesen, dass fast die Hälfte der Igel, die unfreiwillig Kontakt mit den elektrischen Gartengeräten hatten, diesen nicht überleben. Diese Igel sind in Igelstationen medizinisch behandelt worden. Die Dunkelziffer der getöteten Igel dürfte also weit höher liegen!

„Wenn Gärtner die zu mähenden Bereiche absuchen würden, besonders unter Hecken und Sträuchern, ließen sich viele Tiere retten“, weiß die Igelspezialistin. Ein Mähroboter sollte nur tagsüber und unter Aufsicht laufen. Abends und nachts erwischen sie die nachtaktiven Tiere wie Igel, Reptilien, Amphibien und nachtaktive Insekten und töten sie meist. „Die meisten Igel sterben jedoch qualvoll im Gebüsch, weil sie niemand bemerkt“.

Was machen Igelpfleger?

Igelpfleger sind ehrenamtliche Igelschützer, die verletzte und kranke Igel aufnehmen, um sie gesund zu pflegen. Sie nehmen auch verwaiste Igelbabys auf. Die Igel werden nach Möglichkeit am ursprünglichen Fundort wieder ausgewildert. Oft muss aber ein neuer Auswilderungsplatz gesucht werden. Dies gestaltet sich oft schwierig, weil viele Menschen keine Wildtiere in ihren Gärten haben wollen.

In die Igelstationen werden unterernährte Igel gebracht. Viele sind bei Ankunft nur Haut und Knochen. Selbst Jungtiere sind bereits unterernährt, weil ihre ausgemergelten Mütter weniger Milch geben konnten. Die Unterernährung ist eine wesentliche Ursache dafür, dass Parasiten ein leichtes Spiel haben.

Unermüdlich im Einsatz

Im Sommer müssen Igelbabys, deren Mütter verunglückt sind, per Hand aufgezogen werden. Sie erhalten, auch nachts alle zwei Stunden ihre Nahrung und werden anschließend durch Toiletting – einer Massage am Unterbauch- zur Ausscheidung gebracht. In dieser Zeit dreht sich alles nur noch um die Igelpfleglinge und als Igelpfleger braucht man eine sehr gute körperliche und psychische Robustheit sowie familiäre Unterstützung.

Die Hauptfortpflanzungszeit der Igel liegt zwischen Juni und August. Nach etwa 35 Tagen Tragzeit kommen vier bis fünf Jungigel mit etwas rund 100 weißen Stacheln zur Welt – Erwachsene Igel haben hingegen 6000 bis 8000 Stacheln. Die Igeljungen werden normalerweise rund 42 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie selbständig und bei der Futtersuche auf sich selbst angewiesen.

Laien können keine Igel aufziehen

Die Igelfamilie bleibt die ersten Wochen im schützenden Nest und so ist es wichtig, im Garten nicht zu viel aufzuräumen, denn oft wird dabei das Nest zerstört. Wenn Igelbabys aus dem Nest kriechen, ist die Mutter schon eine Zeitlang nicht zurückgekehrt. Sie müssen umgehend gesichert werden, die Umgebung sorgfältig nach Geschwistern abgesucht und eine Igelhilfenotfallnummer angerufen werden. Laien können keine Igel aufziehen oder pflegen. Man benötigt eine jahrelange Erfahrung. Wenn die Mutter mit den Kindern im Garten spazieren geht, kann man sich über den Zuwachs freuen.

Was tun, wenn ich einen Igel finde

Igelschützer wünschen sich von der Bevölkerung mehr Rücksicht und Umsicht. Gartenarbeiten sollten erst ab Mitte oder Ende April durchgeführt werden, um den Winterschlaf der Igel nicht zu stören. Denn erst ab Mitte Mai finden Igel ihre Nahrungstiere. Sie wünschen sich, dass es wieder mehr wilde Gärten gibt, in denen sich Insekten, Vögel, Fledermäuse, Gartenschläfer und Igel wieder wohl fühlen.

Wer tagaktive Igel entdeckt, die abgemagert und krank wirken, sollte sie rasch bergen. Ein kniehoher Karton reicht und die Notrufnummer eines Igelhilfevereins, Igelpflegers oder einer Wildtierhilfe anrufen. Igelpfleger arbeiten immer mit einem igelkundigen Tierarzt zusammen. Viele Tierärzte sind jedoch auf Haus- oder Nutztiere spezialisiert und so ist es besser, gleich die Igelhilfe einzuschalten, ohne selbst am Igel zu experimentieren. Das Tierschutzgesetz schreibt eine Sachkunde für das Tier vor, die den meisten Findern fehlt.

„Das Wildtier Igel wird nur überleben, wenn alle gemeinsam seinen Lebensraum verbessern. Politik, Stadtverwaltungen und Kommunen müssen Verantwortung übernehmen, denn Igelschützer alleine kommen an ihre Grenzen“, so Dr. Bettina Fieber.

Kann ich als Gartenbesitzer Igeln eine neue Heimat geben?

Ja, geeignete Auswilderungsplätze werden immer gesucht. Wenn ein Gartenbesitzer einen Garten mit vielen Sträuchern und unordentlichen Ecken hat, in einer verkehrsarmen Gegend lebt, die Nachbarn auf Tellersensen und nächtlichem Mähroboterbetrieb verzichten, Teiche eine Ausstiegshilfe haben, Nachbarn igelfreundlich und tierlieb sind und man Lust hat, ganzjährig zuzufüttern, kann er sich gerne bei Dr. Bettina Fieber melden.

Nach einer Gartenbesichtigung besorgt der Gartenbesitzer ein Igelfutterhaus und Katzennass- oder Trockenfutter mit 60 Prozent Fleischanteil, ohne Getreide oder Sauce und Wasser. Gut genährte Igel sind seltener krank und können sich besser reproduzieren, sie fressen nicht aus Not Schnecken, in denen für sie gefährliche Parasiten enthalten sind. Igel werden sich immer eher für Insektennahrung entscheiden, dann erst für Katzenfutter.

Die Igel-Population sollte sich wieder stabilisieren

Dr. Bettina Fieber stellt Gartenbesitzern das Gehege für die erste Zeit und die nötigen Utensilien zur Verfügung. „Der schönste Moment ist der, wenn sich nach zwei Wochen die Türen öffnen und der Igel wieder die Freiheit erobert. Wenn er dann einen Partner findet und Igelkinder durch den Garten flitzen, ist die Chance gegeben, dass sich an diesem Ort die Igel-Population stabilisiert“.

Bei Notfällen von kranken und verletzten Igeln: Notfallnummer des Igelhilfevereins, Rufnummer 01590 67 200 03 – mit Hinweisen. Kontakt: Dr. Bettina Fieber, Email: [email protected].

(Quelle: Igelhilfeverein e.V.)