Die RVZ (Raiffeisen Viehzentrale GmbH) steht unter Manipulationsverdacht. Nach verschiedenen Berichten geht es um gefälschte Dokumente, fragwürdigen Haltungskennzeichnungen und falsch deklariertem Fleisch. Die RVZ hat nach eigenen Angaben reagiert, erneutes Fehlverhalten habe es nicht gegeben. Dennoch ist das Unternehmen von der QS-Qualität und Sicherheit GmbH aus deren System ausgeschlossen worden.
Karl Endriß, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Biberach Sigmaringen zeigt sich auf unsere Nachfrage verärgert: „Wieder einmal mehr wird auf dem Rücken der Landwirte Gewinnmaximierung betrieben. Die mutmaßlich falsche Einstufung von Tieren in eine höhere Haltungsstufe von Mitarbeiter der RVG Werne ist nicht zu entschuldigen. Einziger positiver Aspekt ist, dass die QS-Kontrollen die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt und die RVZ nun aus dem System ausgeschlossen hat. Der Schwarze Peter haben nun die Betriebe, die ihre Tiere über andere Kanäle vermarkten müssen.“
Wir wollten von der RVZ wissen, wie sich die Lage aus ihrer Sicht darstellt. Bemerkenswert offen antwortete Dr. Reinhard Funk (Aufsichtsratsvorsitzender der RVZ) auf die Fragen.
Herr Funk, wie konnte es geschehen, dass von der RVZ die Lieferpapiere manipuliert wurden?
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich Ihre Fragen nach meinem Kenntnisstand vom 16. April 2025 beantworte. Zur Frage selbst, dieser Sachverhalt, der bei unserem Kooperationspartner der RVG vor über einem Jahr geschehen ist, wird gerade intensiv aufgearbeitet. Dazu haben wir nach bekannt werden der Vorwürfe mit der KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein externes Unternehmen beauftragt, die Schwachstellen zu identifizieren. Hier liegt noch kein Abschlussbericht vor.
Führen diese Vorkommnisse zu einer Veränderung/Verbesserung der Qualitäts-/Produktsicherung bei RVZ?
Ja, wir haben zusammen mit der KPMG bereits Veränderungen umgesetzt. Dies führt unter deren Beratung zu Verbesserungen der Produkt-/Qualitätssicherung bei der RVZ. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass dies auch immer mit mehr Bürokratie und mehr Kontrollen einhergeht.
Welche Auswirkungen hat der Ausschluss der RVZ aus dem QS-System für RVZ und die Lieferanten (Landwirte)?
Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet den QS-Ausschluss wieder aufzuheben, um die Auswirkungen auf das Unternehmen und die Lieferanten gering zu halten. Mit einem Großteil der Abnehmer und Landwirte arbeiten wir weiterhin partnerschaftlich zusammen. Unser Nutzviehgeschäft ist von dem Ausschluss nicht betroffen.
Als wirtschaftlich gut aufgestelltes Unternehmen sind wir weiterhin ein verlässlicher und solventer Partner für unsere Landwirte und Abnehmer.
Haben Sie Hoffnung, dass die RVZ bisherige Großabnehmer/Handels-Partner, wie etwa EDEKA, zurückgewinnen kann?
Ja, diese Hoffnung habe ich und ist in großen Teilen auch schon wieder Realität, da wir mit einem Großteil unserer Handelspartner und Landwirten weiterhin zusammenarbeiten.
Zum einen liegt es daran, dass wir hier im Süden keine Vorfälle hatten und zum anderen, dass die bei unserem Kooperationspartner festgestellten Mängel schon über ein Jahr zurückliegen und der Anteil der beanstandeten Lieferungen unter 1 Prozent unserer Vermarktungsmenge liegt.
Wie kann die RVZ das Vertrauen der Landwirte und Verbraucher wieder herstellen?
Dieser Prozess ist eine große Herausforderung für uns. Sowohl bei Landwirten als auch bei Abnehmern steht bei einer guten Geschäftsbeziehung das Vertrauen mit an oberster Stelle. Um dieses Vertrauen gegenüber Landwirten, Abnehmern und Verbrauchern wieder herzustellen, wollen wir mit Hilfe der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Sachverhalt umfassend aufklären, die QS-Zertifizierung wieder erhalten und wenn erforderlich Konsequenzen ziehen.
Als Aufsichtsrats-Vorsitzender kann ich nur mein Bedauern über die Vorfälle, die im Herbst 2023 bei unserem Fusionspartner im Norden/Westen passiert sind, ausdrücken. Unseren Mitgliedern und Kunden danke ich, dass Sie trotz Negativschlagzeilen zu unserem genossenschaftlichen Unternehmen stehen. Diesen Vorschuss an Vertrauen wollen wir durch eine vollständige Klärung des Sachverhalts Rechnung tragen.