Letzte Woche war in verschiedenen Medien zu lesen, dass bäuerliche Betriebe in ihrer Existenz bedroht seien. Nach diesen Berichten sprach der Verband der Milchviehhalter (BDM) von einer drohenden Krise am Milchmarkt.
Mit scharfen Worten macht der Vorstand des BDM die Politik dafür verantwortlich. Nach den Worten von Karsten Hansen (BDM-Vorsitzender) befürchten die deutschen Milchbauern einen starken Preisverfall und somit Milliardenverluste für die betroffenen Betriebe. Hansen wird in den Berichten wörtlich zitiert: „Aus Molkereikreisen ist zu hören, dass möglicherweise Milchpreissenkungen von bis zu 15 Cent pro Kilogramm Milch drohen. Sollte das tatsächlich Realität werden, sprechen wir von einem Verlust von rund fünf Milliarden Euro für die deutschen Milchviehbetriebe.“
Wochenblatt-Media wollte wissen, ob die getätigten Aussagen von Tatsachen gestützt sind, oder auf Vermutungen beruhen. Wir fragten deshalb bei Ann-Kathrin Brodbeck (Landesbauernverband Baden-Württemberg, Stuttgart) nach.
Frau Brodbeck, ist dem Landesbauernverband eine solche Entwicklung auf dem Milchmarkt bekannt und was bedeutet dies ggf. für die Milchviehhalter?
„Eine solche, prognostizierte massive und katastrophale Milchpreissenkung beruht auf Befürchtungen, die irgendwann einmal eintreten könnten. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulationen. Seriös kann ein solcher Preisverfall aus den derzeit geltenden Marktdaten nicht abgeleitet werden. Die bisherigen Milchpreise des Jahres 2025, liegen über den durchschnittlichen Milchpreisen der Jahre 2023 und 2024.“
Lt. Brodbeck sind Prognosen über einen längeren Zeitraum aufgrund der bestehenden Unsicherheiten gerade auch auf den Milchmärkten (Entwicklung Import-Export, kriegerischer Auseinandersetzungen, Inflation, Wechselkursrisiken, Entwicklung der Energiekosten bei Öl, Gas und Strom, den tatsächlichen Produktionskostenentwicklungen insgesamt, des Wetters einschließlich möglicher Naturkatastrophen etc.) ohnehin mit hohen Unsicherheiten behaftet.
Ist der derzeitige Milchpreis auskömmlich und können die Milchviehhalter damit Gewinne erzielen?
„Ob ein Preis letztendlich für einen Betrieb auskömmlich ist oder nicht, hängt stark von den Betriebs-strukturen und der jeweiligen betriebsindividuellen Kostenstruktur ab. Eine pauschale Antwort kann es hier nicht geben. Fakt ist, dass der derzeitige Milchpreise über dem langjährigen Durchschnitt liegt, aber ebenso ist es Tatsache, dass die Produktionskosten stark gestiegen sind. Traurige Wahrheit ist aber auch, dass sich die Zahl der Milchviehbetriebe in Baden-Württemberg in den letzten 10 Jahren um mehr als 40 Prozent verringert hat!“