Auch Tuttlingen trinkt aus dem Bodensee: Gemeinderäte besuchen Sipplinger Wasserwerk

Auch Tuttlingen trinkt aus dem Bodensee: Gemeinderäte besuchen Sipplinger Wasserwerk
Besuch in Deutschlands größtem Wasserwerk: Eine Delegation aus Gemeinderat und Verwaltung besuchte die Bodensee-Wasserversorgung. (Bild:
WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Wo kommt ein großer Teil des Tuttlinger Trinkwassers her? Dieser Frage ging eine Delegation des Tuttlinger Gemeinderats auf den Grund. In Sipplingen lernten sie die Förderanlage der Bodensee-Wasserversorgung (BWV) kennen – und erfuhren, wie die Wasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte gesichert werden soll.

Das Becken sieht aus wie ein gigantischer Whirlpool, für ein entspanntes Bad wäre es aber wohl eindeutig zu kühl. Dafür sprudeln pro Sekunden mehrere tausend Liter durch das 14 Meter breite und drei Meter tiefe Becken – Wasser, das von Sipplingen aus in große Teile Baden-Württembergs fließt und rund 4 Millionen Menschen versorgt.

Rund ein Drittel des Tuttlinger Trinkwassers kommt von der BWV, seit 1963 ist die Stadt Mitglied und bezieht bis zu 60 Liter Bodenseewasser pro Sekunde. Der Rest des Tuttlinger Wassers wird in der Quelle der SWT an Riedgraben gefördert. Und beim Besuch in Deutschlands größtem Wasserwerk erfuhren die Vertreter*innen des Gemeinderats und der Verwaltung unter anderem, wie die Versorgung auch in Zeiten des Klimawandels gesichert werden soll.

Dazu investiert die BWV in den nächsten Jahren rund 2 Milliarden Euro, wie OB Michael Beck, der derzeit auch Verbandsvorsitzender der BWV ist, erklärte. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, absolut reines Wasser in jeden Haushalt zu bekommen“, so Beck, „die Leute müssen dies wieder mehr wertschätzen.“ Dies gelte besonders in Zeiten des Klimawandels und häufigerer Trockenperioden.

Zwei Projekte bereitet die BWV daher gerade vor: Beim Projekt „Zukunftsquelle“ wird zunächst eine zweite Förderanlage am Bodensee gebaut. Danach werden die bestehenden Anlagen aus den 1950er-Jahren generalsaniert. Parallel dazu wird das Leitungsnetz im Rahmen des Projekts „Lebensadern“ leistungsfähiger gemacht. Damit reagiert die BWV auch auf die steigende Nachfrage.

Denn der Aufwärtstrend der letzten Jahrzehnte setzt sich weiter fort: Aus 13 Gründungsmitglieder im Jahr 1954 sind mittlerweile 183 geworden, das Leitungsnetz wuchs von 260 auf 1700 Kilometer, und die Förderung von 2160 Litern pro Sekunde auf 7750 Liter. Weitere Städte und Gemeinden, so berichteten die BWV-Geschäftsführer Christoph Jeromin und Michael Stäbler, hätten Interesse. Mittlerweile aber seien die Kapazitäten erschöpft.

Beim Rundgang durch die Anlagen wurde den Tuttlinger Gemeinderäten auch deutlich, wie viel Aufwand nötig ist, um das ganze Versorgungssystem zu erhalten. „Dafür“, so OB Beck, „brauchen wir eine neue Sensibilität.“

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)