Sie ist DAS Thema der Zukunft: Künstliche Intelligenz. Wie wird sie unser Leben und die Arbeitswelt verändern? Und welche Chancen und Risiken bringt sie mit sich? All das wurde bei den 44. Salemer Gesprächen diskutiert.
„Stell dir vor, es ist das Jahr 2030 und du kannst mit einer künstlichen Intelligenz sprechen, die sogar eine Art von Emotionen empfindet…“: So begann die Eröffnungsrede der Salemer Gespräche von Christina Wanke, Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren Bodensee-Oberschwaben. Die einen finden diese Vorstellung eher gruselig, die anderen können den digitalen Fortschritt kaum abwarten.

Daher trifft das diesjährige Thema der Salemer Gespräche absolut den Nerv der Zeit. Denn die Beziehung zwischen Mensch und Maschine und die immens große Verantwortung, die die Menschheit im Umgang mit der neuen Technologie trägt, ist entscheidend für unsere künftige Welt.
„Künstliche Intelligenz ist kein kurzzeitiger Trend, der wieder verschwindet, sondern wird unser aller Zukunft maßgeblich verändern“, ist sich Bilal Zafar sicher. Der junge Unternehmer ist ein renommierter Experte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und kennt die digitale Welt aus seiner täglichen Arbeit als Tech-CEO.

KI bietet schier unbegrenzte Möglichkeiten
Bilder von Menschen und Landschaften erschaffen, die absolut echt aussehen, Exceltabellen und PDF-Dateien auswerten, E-Mails, Bücher und Texte in jeder Sprache schreiben, Musik komponieren – alles in Sekundenschnelle. Das und vieles mehr kann KI bereits.
Autos steuern, Krebs erkennen und heilen und jede Aufgabe verstehen und ausführen, die ein Mensch ausführen kann – all das wird KI bald können. „Die Entwicklung der KI erfolgt nicht exponentiell, sondern senkrecht. Der Google-Chef bezeichnet die Entdeckung der KI sogar wichtiger als die Entdeckung von Feuer und Elektrizität.“, so Zafar. „KI ist die Jahrhundertchance für Unternehmen und für die Menschheit.“

„Angst ist kein guter Ratgeber.“
Zafar ist sich sicher: „Die neue Technik ist ein Wettbewerbsvorteil für uns, für Deutschland und für Europa. Wenn wir sie nicht nutzen, werden die Amerikaner und die Chinesen an uns vorbeiziehen und wir werden den Anschluss verpassen. Anstatt über Datenschutz und andere Nichtigkeiten zu debattieren, sollten wir die Chance ergreifen, damit wir ganz vorne mit dabeibleiben.“

Angst sei bei dieser Thematik nicht angebracht. „Wir müssen es in Deutschland schaffen, uns von Angst zu befreien“, appelliert der Experte an die Zuhörer. „Angst ist ein Überlebensmechanismus, den wir heute nicht mehr brauchen. Stattdessen sollten wir uns alle mehr trauen – neue Technologie ist etwas Gutes!“
Ist Wirtschaftswachstum durch KI wirklich gut?
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit verschiedenen Experten aus dem digitalen Bereich wurde das Thema der künstlichen Intelligenz aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Professor Dr. Wolfgang Ertel, Informatiker und Hochschullehrer, der an der Hochschule Ravensburg-Weingarten Leiter des Instituts für künstliche Intelligenz war, sieht KI ebenfalls auf dem Vormarsch, hat jedoch auch die damit einhergehenden Risiken fest im Blick.
So sieht er das angekündigte Wirtschaftswachstum durch die Verwendung von KI eher kritisch: „Wenn wir das Wirtschaftswachstum mit KI noch schneller antreiben, wird auch der Klimawandel und das Artensterben immer schneller voranschreiten.“
Auch in Bezug auf ehrliche handwerkliche Arbeit räumt er der KI in der nächsten Zeit keine großen Chancen ein: „In den nächsten zehn Jahren wird mir wahrscheinlich keine KI eine Wärmepumpe einbauen oder mein Fahrrad reparieren. Daher ist es immens wichtig, dass wir gerade in diesem Bereich auch genug Leute ausbilden und genug Arbeitskräfte haben.“

Wo Chancen sind, sind auch Risiken
Professor Ertel hat jedoch auch die Sicherheitsrisiken einer KI im Blick und warnt vor existenziellen Problemen: „Die KI wird demnächst alle Spezialaufgaben besser können. Dann könnte eine übergeordnete KI entstehen, die so intelligent ist, dass wir Menschen nichts mehr zu sagen haben. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten 20 Jahren so etwas wie eine Superintelligenz geben wird.“

Hierin sieht Ertel ein großes Risiko: „Das ist eine Gefahr, viel größer als Kernkraft und Atombomben. Wenn die KI klüger ist als wir, dann haben wir nichts mehr zu sagen. Wir werden nicht verstehen, was die KI macht, so wie in einem Science-Fiction-Film. Und sie wird uns nicht fragen, ob der Homo sapiens künftig überleben soll oder nicht.“
Daher appelliert er eindringlich an die anwesenden Gäste: „Wir müssen am Ball bleiben, wir müssen die KI verstehen und wir müssen die Experten darüber sein und bleiben.“

Video: Vortrag und Podiumsdiskussion zu künstlicher Intelligenz
Sie interessieren sich für das Thema ‚künstliche Intelligenz‘ und möchten sich den Vortrag von Bilal Zafar gerne ansehen? Oder Sie möchten die unterschiedlichen Blickwinkel und Meinungen der Experten in der Podiumsdiskussion anhören?
Den spannenden Impulsvortrag und die anschließende Diskussion der 44. Salemer Gespräche können Sie hier im Video in voller Länge anschauen.
Hintergrund: Die Salemer Gespräche
Die Salemer Gespräche haben eine lange Tradition in der Region Bodensee-Oberschwaben. Seit über 40 Jahren organisieren die Wirtschaftsjunioren Bodensee-Oberschwaben das hochkarätige Event, zu dem alle IHK-Mitglieder des Kreises und weitere Persönlichkeiten aus der Region persönlich eingeladen werden.

Die 44. Salemer Gespräche fanden auch in diesem Jahr wieder in der Schloss-Schule Salem statt. Weitere Infos gibt es hier: www.salemer-gespraeche.de.
