Zahngesundheit Starke Kinderzähne: Vom Milchzahn bis ins Schulalter

Starke Kinderzähne: Vom Milchzahn bis ins Schulalter
Dr. Christiane Jaeger-Wamprecht hat zwei Ratgeber für gesunde Zähne und glückliche Kinder geschrieben. (Bild: Christiane Jaeger-Wamprecht)

Die Riedlinger Zahnärztin Dr. Christiane Jaeger-Wamprecht hat eine Buchreihe zur Zahngesundheit von Kindern veröffentlicht. Im Band eins geht sie dabei auf die Ernährung, Vorsorge und gesunde Entwicklung ein.

Im zweiten Band beschreibt die Autorin, wie mit Tipps, Routinen und Motivation eine Umsetzung im Alltag gelingt. Die Ratgeber sind verständlich erklärt, wissenschaftlich fundiert und beinhalten praktische Tipps für den Familienalltag. Beide Bücher sind bereits als E-Book erhältlich. Band eins kann unter der ISBN-3-912852-00-4 bestellt werden, für Band zwei lautet die ISBN 978-3-912852-02-8. Band zwei ist bereits als Taschenbuch erhältlich, Band eins erscheint zeitnah.

Wir konnten mit der Autorin, die als langjährige Praxisinhaberin Erfahrungen in der Betreuung von Kindern und Familien gesammelt hat, sprechen.

Frau Jaeger-Wamprecht, warum haben Sie die Buchreihe „Starke Kinderzähne“ geschrieben?

In meiner täglichen Arbeit als Zahnärztin stelle ich immer wieder fest, dass viele Eltern die gleichen Fragen haben. Oft fehlt es an verständlichen Informationen, obwohl sie das Beste für ihre Kinder tun möchten. Mit der Buchreihe „Starke Kinderzähne“ möchte ich Eltern einfach, verständlich und wissenschaftlich fundiert zeigen, wie sie die Zahngesundheit ihrer Kinder von Anfang an fördern können.

Immer häufiger hört man den Begriff MIH oder „Kreidezähne“. Was ist das eigentlich?

MIH steht für Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation und wird umgangssprachlich häufig als Kreidezähne bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes, die vor allem die ersten bleibenden Backenzähne und häufig auch die Schneidezähne betrifft. Die Zähne können weißliche, gelbliche oder bräunliche Flecken aufweisen, sind oft sehr empfindlich und brechen leichter ab.

Warum MIH entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Als mögliche Risikofaktoren werden unter anderem schwere Erkrankungen in den ersten Lebensjahren, hohes Fieber, Umweltfaktoren sowie auch die Einnahme bestimmter Antibiotika im frühen Kindesalter diskutiert. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis für eine einzelne Ursache liegt jedoch bisher nicht vor.

Umso wichtiger ist es, betroffene Kinder frühzeitig beim Zahnarzt vorzustellen. Durch regelmäßige Kontrollen, eine besonders sorgfältige Mundhygiene, geeignete Fluoridierungsmaßnahmen und – wenn nötig – schützende Versiegelungen oder Füllungen können die empfindlichen Zähne oft lange erhalten und Beschwerden deutlich reduziert werden. Je früher MIH erkannt wird, desto besser können die betroffenen Zähne geschützt werden.

Was sind die Untersuchungen FUZ1 bis FUZ6 und warum sind sie so wichtig?

Die Früherkennungsuntersuchungen FUZ1 bis FUZ6 sind spezielle zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder vom ersten Milchzahn bis zum sechsten Lebensjahr. Seit einigen Jahren sind diese Untersuchungen auch im Kinderuntersuchungsheft (Gelbes Heft) vermerkt und damit eng mit den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen verknüpft. Ziel ist es, Karies früh zu verhindern, Eltern individuell zu beraten und Kindern einen positiven Start beim Zahnarzt zu ermöglichen. Je früher die Vorsorge beginnt, desto besser lassen sich spätere Zahnprobleme vermeiden.

Wann erfolgen die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen (FUZ1–FUZ6)?

FUZ1 (6.–9. Lebensmonat)
Die erste zahnärztliche Untersuchung findet statt, sobald die ersten Milchzähne durchbrechen. Dabei erhalten Eltern wichtige Informationen zur Zahnpflege, zur Ernährung, zum Fluorid und zur Kariesvorbeugung. Ziel ist es, die Zahngesundheit von Anfang an optimal zu fördern.

FUZ2 (10.–20. Lebensmonat)
Der Zahnarzt kontrolliert die Entwicklung der Milchzähne und zeigt den Eltern die richtige Putztechnik. Außerdem werden Gewohnheiten wie Nuckelflasche, Schnuller oder Daumenlutschen besprochen, da sie die Zahn- und Kieferentwicklung beeinflussen können.

FUZ3 (21.–33. Lebensmonat)
Alle Milchzähne sind meist vorhanden. Jetzt wird überprüft, ob sich bereits erste Anzeichen von Karies zeigen. Die Eltern erhalten weitere Tipps zur zahngesunden Ernährung und zur täglichen Mundhygiene. Bei Bedarf kann eine Fluoridlackbehandlung zum Schutz der Zähne durchgeführt werden.

FUZ4 (34.–42. Lebensmonat)
Die Zahnentwicklung und die Mundgesundheit werden erneut kontrolliert. Der Zahnarzt achtet auf mögliche Fehlstellungen, beginnende Karies oder andere Auffälligkeiten und motiviert das Kind spielerisch zu einer guten Zahnpflege.

FUZ5 (43.–54. Lebensmonat)
Kurz vor dem Schuleintritt wird überprüft, ob die Milchzähne gesund sind und genügend Platz für die späteren bleibenden Zähne vorhanden ist. Gleichzeitig wird das Kind an regelmäßige Zahnarztbesuche gewöhnt und erhält altersgerechte Tipps zum Zähneputzen.

FUZ6 (55.–72. Lebensmonat)
Die letzte Früherkennungsuntersuchung vor dem Zahnwechsel dient dazu, die Mundgesundheit nochmals umfassend zu beurteilen. Der Zahnarzt informiert über den bevorstehenden Zahnwechsel, die Pflege der bleibenden Zähne sowie über Maßnahmen wie die Fissurenversiegelung der ersten bleibenden Backenzähne, wenn diese durchbrechen.

Warum sind die FU-Untersuchungen so wichtig?

Die sechs Früherkennungsuntersuchungen helfen dabei, Karies und andere Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen oder sogar ganz zu vermeiden. Sie begleiten Kinder vom ersten Milchzahn bis zum Schulbeginn und geben Eltern wertvolle Unterstützung für eine gesunde Zahnentwicklung. Die Termine sind außerdem im Gelben Kinderuntersuchungsheftvermerkt und ergänzen die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen.

Fachlicher Hinweis: Die FU-Untersuchungen sind Bestandteil der gesetzlichen Früherkennung und werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie ergänzen die kinderärztlichen U-Untersuchungen und sind ein wichtiger Baustein der Prävention.

(Anmerkung: bis letztes Jahr war es FU1-6, jetzt ist es bei der Abrechnung FUZ1-6 und im U Heft steht Z1-6)

Welche Fehler beobachten Sie bei der Zahnpflege von Kindern besonders häufig?

Viele Eltern unterschätzen, wie wichtig das Nachputzen ist. Kinder können ihre Zähne erst im Grundschulalter ausreichend gründlich selbst putzen. Außerdem wird häufig zu viel Zucker in Getränken oder Zwischenmahlzeiten unterschätzt. Ebenso wichtig ist die richtige fluoridhaltige Zahnpasta in der altersgerechten Dosierung. Schon kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen großen Unterschied für die Zahngesundheit machen.

Was möchten Sie Eltern mit Ihren Büchern besonders mit auf den Weg geben?

Gesunde Kinderzähne entstehen nicht durch Perfektion, sondern durch gute Gewohnheiten. Wer früh mit der richtigen Zahnpflege beginnt, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt und auf eine zahngesunde Ernährung achtet, legt den Grundstein für ein gesundes Gebiss bis ins Erwachsenenalter. Meine Bücher sollen Eltern Sicherheit geben und zeigen, dass Zahngesundheit im Familienalltag einfach und mit Freude umgesetzt werden kann.