Gedenkwochenende auf „russischen Friedhof“: Innehalten für Kriegsopfer aus Osteuropa

Gedenkwochenende auf „russischen Friedhof“: Innehalten für Kriegsopfer aus Osteuropa
Berthold Seeger (r.), Mitinitiator des Projekts „Gebt den Namenlosen ihre Namen wieder“ vor über 30 Jahren im Gespräch mit Dr. Richard Bösch, Geschäftsführer von pax christi Rottenburg-Stuttgart. (Bild: pax christi)
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Am Samstag, 21. Oktober, und Sonntag, 22. Oktober, richtet die internationale katholische Friedensbewegung pax christi in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und das Biberacher Friedensbündnis in Kooperation mit der Stadt Biberach im Rahmen der Heimattage gemeinsam ein Gedenkwochenende für die Verstorbenen auf dem Friedhof in der Memminger Straße in Biberach aus.

Der sogenannte „Russische Friedhof“ wurde 1949 von der damaligen französischen Besatzungsmacht angelegt. 614 Frauen, Männer und Kinder, als Zwangsarbeitende aus den Staaten der ehemaligen UdSSR (zum Beispiel aus Polen, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Ukraine und Russland) nach Oberschwaben verschleppt, durch Krankheiten, Unterernährung und Unfälle gestorben oder von Wachen ermordet, lagen hier zunächst über Jahrzehnte anonym bestattet. Darunter waren auch mindestens 146 sowjetische Kriegsgefangene, die im Lager Lindele zumeist an Unterernährung starben und später umgebettet wurden.

Nach aufwändigen Recherchen durch die Biberacher Gruppe der katholischen Friedensbewegung pax christi unter dem Motto „Gebt den Namenlosen ihre Namen wieder“ in den 80er-Jahren konnte der Friedhof als Mahnmal zur Versöhnung mit den Ländern Osteuropas neugestaltet und 1991 feierlich eingeweiht werden, der Künstler Otl Aicher gestaltete die Namenstafeln.

Mit dem Gedenkwochenende wird ein Beitrag zur Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte geleistet. Das Programm möchte dabei zeigen, dass Versöhnung über den Gräbern umgewandelt werden kann in Versöhnung unter Lebenden. Es beginnt am Samstagabend um 18.30 Uhr mit einer Zusammenkunft im Foyer des Biberacher Museums.

Acht Schüler der 11. Klasse des Bischof-Sproll-Bildungszentrums (BSBZ) präsentieren ihr multimediales Projekt, in dem sie die Biographien der auf dem Friedhof Bestatteten eindrucksvoll aufgearbeitet haben, um ihre Lebensgeschichte heute wieder erlebbar zu machen. Anschließend hält der Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, Jens Nagel, einen Vortrag. Der Abend endet mit einem thematischen Austausch im Plenum.

Am Sonntagmorgen findet um 9.30 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst, unter anderem mit Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm und Domkapitular Thomas Weißhaar aus Rottenburg, in der Stadtpfarrkirche St. Martin statt.

Dieser wurde von den beteiligten Organisationen mit Unterstützung der Schüler vom BSBZ sowie der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde vorbereitet. Danach wird um 11 Uhr auf dem Friedhof in der Memminger Straße 4 ein feierlicher Gedenkakt abgehalten.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

(Pressemitteilung: Stadt Biberach)