Mit dem September begann für die Meteorologen offiziell der Herbst und damit ging ein ganz eigenartiger Sommer zu Ende.
Einerseits ausgesprochen heiße Witterungsabschnitte und Trockenheit, andererseits feucht-kühle, richtig nasse Zeiten. Kein Schaukelsommer, wie öfters mal, sondern ein Sommer der Gegensätze.
Im Vergleich zum deutlich vom Klimawandel geprägten Zeitraum 1991 bis 2020 war er mit einer Durchschnittstemperatur von 19,3 Grad Celsius mehr als ein Grad zu warm. Nimmt man die Standardreferenzperiode der Jahre 1961 bis 1990, den Bezugszeitraum zur Betrachtung langfristiger Klimaveränderungen, sind es sogar zweieinhalb Grad.
Sommer 2023 – Wetterdaten Bad Schussenried
| Monat/Periode | Temperatur | Niederschlag | Sonnenschein | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Juni | 20,3 °C (17,9 °C) | 81,9 mm (136,0 mm) | 338,2 Std. (206,3 Std.) | Tiefste Temperatur: 10. Juni, +7,3 °C (+6,7 °C) |
| Juli | 18,6 °C (20,2 °C) | 132,6 mm (103,5 mm) | 223,2 Std. (263,7 Std.) | Höchste Temperatur: 02. Juli, +35,8 °C (+34,2 °C) |
| August | 18,9 °C (20,4 °C) | 102,8 mm (100,7 mm) | 273,0 Std. (263,1 Std.) | |
| Sommer gesamt | 19,3 °C (19,5 °C) | 317,3 mm (340,2 mm) | 834,4 Std. (733,1 Std.) | Sommertage: 52 (55) Hitzetage: 19 (23) Gewittertage: 17 (15) Tage mit Regen: 47 (48) |
Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried; die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an.
Wer sich in diesem Sommer über mangelnde Wärme beklagt hat, jammerte also auf hohem Niveau. Das zeigt auch die Anzahl der Sommertage mit 25 Grad und mehr: 52 (30-jähriger Mittelwert: 40,8 Tage) und die der Hitzetage mit über 30 Grad: 19 (11,8 Tage). Die Gegensätze waren allerdings enorm. Bereits zwischen dem 12. und 14. Juni stellte sich eine erste Hitzewelle mit Spitzen um die 35 Grad ein. Und zwischen dem 21. Juni und dem 05. Juli kletterte das Quecksilber zwei Wochen lang mit kurzen Unterbrechungen über die 30-Grad-Marke, wobei am 02. Juli (Mittwoch) bei um die 37 Grad die höchsten Werte verzeichnet wurden.
Als die Kombination aus Hitze und Dürre richtig problematisch wurde, legte der Sommer den Schalter um und ging auf Tauchstation. Feucht-kühle Nordseeluft flutete das Land und brachte wiederholte und mitunter ergiebige Regenfälle. Die Natur hatte es nötig. Nach einer dreiwöchigen Sommerpause folgte die nächste Hitzewelle, bevor sich dann der Hochsommer Mitte August allmählich aus dem Lande schlich und angenehmer Spätsommerwärme Platz machte.
Vor allem der regenreiche Juli sorgte dafür, dass dieser Sommer nach der extremen Trockenheit im Juni mit außergewöhnlich niedrigen Wasserpegeln, hoher Waldbrandgefahr und knochentrockenen Böden sein Niederschlagssoll letztendlich noch erreicht hat. Bei dem beachtlichen Energiepotenzial hätte man eigentlich vermehrt und verbreiteter starke Gewitter erwarten/befürchten können.
Doch abgesehen von einzelnen unerfreulichen Wetterereignissen wie u.a. dem Hagelunwetter in Sipplingen, dem Tornado in Donaustetten und besonders dem durch Starkregen ausgelösten Hangrutsch, der zu dem verheerenden Zugunglück mit drei Todesopfern bei Zell-Bechingen nahe Riedlingen führte, blieb es in diesem Sommer weitgehend ruhig. Während der heißen Phasen war die Luft dafür zu trocken und in den feucht-kühlen Perioden recht stabil geschichtet.
Trotz zeitweiliger Wettertristesse, für die Sonnenanbeter und Solaranlagenbetreiber war der vergangene Sommer in der Summe ein Genuss. Mit einer Gesamtsonnenscheindauer von 834,4 Stunden (Mittelwert der Jahre 1991-2020: 736,8 Stunden) liegt er weit oben in der Rangliste der Aufzeichnungen der Wetterwarte Süd seit 1968.
Was uns dieser September bringen wird, steht in den Sternen, jedoch gewiss noch den einen oder anderen warmen Spätsommertag, zumindest mal, wenn es nach der Statistik geht.
WWS-roro