Waldseer Gymnasium: Das beste draus machen

Waldseer Gymnasium: Das beste draus machen
Mark Overhage ist Schulleiter des Gymnasiums in Bad Waldsee. Die Testsets für die Schüler sind in den Kartons verpackt und zugeordnet. (Bild: David Pichler)

Bad Waldsee (dpi) – Seit dem 3. Mai sind die Schulen im Kreis Ravensburg wieder dicht. Aber bereits vor der erneuten Schließung hatte das Gymnasium Bad Waldsee von Schulleiter Mark Overhage ein eigentlich bewährtes System entwickelt, um ein sicheres Lernen gewährleisten zu können.

Bei einem Inzidenzwert von unter 165 dürfen Schulen Ihren Bildungsauftrag in Präsenz der Schüler sowie Lehrer durchführen. Doch trotz einleuchtender Abstands, Hygiene und Lüftungsregelungen wäre ohne räumliche Veränderung kaum ein sicherer Betrieb möglich, deshalb ging das Waldseer Gymnasium einen anderen Weg.

Die Schule hatte die Klassen 7 bis 11 in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt. Bei der Präsenz orientierte man sich wochenweise an den zwei Fremdsprachen. Woche A zum Beispiel gehört dem Französischkurs, Woche B der anderen Gruppe die Latein lernt. So soll ein Aufeinandertreffen der Schüler verhindert werden.

Die Präsenzpflicht hat das Land während der Coronapandemie ausgesetzt, Eltern sowie volljährige Schüler können selber entscheiden, ob deren Kinder oder sie selbst vor Ort oder doch lieber von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Doch nach wie vor gilt bei Klassenarbeiten die Anwesenheitspflicht. Auch das stellte das Waldseer Gymnasium wieder vor eine Herausforderung. Kurzerhand wichen sie in die Sporthalle der Schule aus.

„Wir sind räumlich derzeit voll ausgelastet und haben deshalb eine Lösung finden müssen“ erzählt der 48-jährige Schulleiter Mark Overhage. Für Klassenarbeiten hatte das Gymnasium mehrere Tische in den Hallen sowie Umkleiden der Sporthalle bereitgestellt.

Isolation nicht-getesteter Schüler bei Klassenarbeiten

Trotz der Testpflicht an den Schulen hatten sich vereinzelt Eltern gegen die Testpflicht gewehrt. „Das ist aber die Ausnahme, wir haben kaum Probleme mit Test- oder Maskenverweigerern und Impfgegnern“ so Overhage.

Für Schüler die sich nicht testen lassen wollten galt aber trotzdem die Präsenzpflicht bei den Klassenarbeiten. Abseits des Klassenverbunds mussten diese in den Umkleiden an einem Einzeltisch ihre Klassenarbeit schreiben.

Die nicht-getesteten Schüler müssen abseits der Klasse in einem Umkleideraum Ihre Klassenarbeit schreiben. (Bild: David Pichler)

Infektionsschutzgesetz: „Damit kann ich leben“

Während den letzten Monaten hatten sich vermehrt Schulleiter und Pädagogen zu Wort gemeldet, endlich eine Linie zu finden. Immer wieder hatte das Land Regelungen angepasst und verändert. Nicht zuletzt geriet auch die bisher amtierende Kultusminsterin Susanne Eisenmann in die Kritik.

Mit dem Infektionsschutzgesetz des Bundes ist Schulleiter Mark Overhage einigermaßen zufrieden: „Damit kann ich leben. Es gibt nun immerhin endlich klare Zahlen“ sagt er. Im weiteren Verlauf des Interviews lobt Overhage auch sein Team, das aus mehreren Lehrerinnen und Lehrern besteht.

Corona stellt Schulen vor Herausforderungen

Um das digitale Angebot für Schüler die aus dem Homeoffice lernen gewährleisten zu können, hatte die Schule das Internet aufgebessert. „Unser Onlineunterricht funktioniert recht gut“ ist Overhage überzeugt. Während seit dem 3. Mai aufgrund der Schulschließungen wieder ausschließlich nur Onlineunterricht durchgeführt wird, ist beim coronabedingten „Normalbetrieb“ zusätzlich zum Präsenzunterricht auch ein Streamingangebot für die Schüler vorhanden.

Die Sporthalle wurde kurzerhand zu einem Klassenraum umfunktioniert. (Bild: David Pichler)

Testen was das Zeug hält: Logistischer Aufwand

Bereits seit mehreren Wochen gilt in den Schulen eine Testpflicht. Zwei Mal in der Woche müssen die Schüler die in Präsenz mitarbeiten unter Anleitung geschulter Lehrkräfte einen Selbsttest durchführen. Die Tests lagern jedoch nicht in einer Halle des Landes, sondern stehen im Sekretariat der Schule zur Verfügung und werden dort regelmäßig von der Sekretärin und dem Schulleiter Mark Overhage bereitgestellt. Bereits über 1000 Schüler und Lehrkräfte wurden getestet und davon sogar alle negativ.

In fertigen Sets werden die Selbsttests, die nur zirka 2 cm in die Nase müssen, angeliefert. Die Logistik für die Lagerung der hunderten Tests hatte sich als zusätzliche Belastung für den Betrieb herausgestellt, doch mit „Persönlichem Engagement“, wie es Overhage beschreibt, habe sich die Lage immer wieder gut regeln lassen.