Welcher Fernsehzuschauer kennt es nicht: Ab Ostern beginnend häufen sich in den Vorabend- und Abendprogrammen die Wiederholungen. Angesichts der ständigen Diskussionen um die steigenden Rundfunkgebühren ist dies für viele Menschen schwer vermittelbar. Es scheint, dass nur noch in der Zeit von September bis April frisch produzierte, neue „Ware“ über die Sender in die Haushalte übermittelt werden. Ausnahmen sind die Sportberichterstattung und Nachrichten. Wir baten ARD und ZDF um ihre jeweilige Einschätzung. Für die ARD antwortete Dr. Lars Jacob (ARD-Programmdirektion, Presse und Information, München), für das ZDF Rainer Stumpf (HA Kommunikation-Unternehmenskommunikation, Mainz).
Befürchten Sie nicht, dass damit eine Abwanderung der Zuschauer zu den Mitbewerbern RTL und Co. erfolgt?
Jakob: Die ARD bietet über das gesamte Jahr hinweg ein vielfältiges und hochwertiges Programmangebot. Dennoch ist es uns nicht möglich, an allen 365 Tagen des Jahres ausschließlich Erstausstrahlungen zu zeigen. Gerade während der Sommermonate, wenn viele Menschen ihren Urlaub genießen oder vermehrt Aktivitäten im Freien nachgehen, zeigen wir – wie andere Anbieter auch – Wiederholungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass unser Angebot an Qualität oder Relevanz verliert. Im Gegenteil: Viele Zuschauende schätzen Wiederholungen. Sie ermöglichen es, beliebte Programme erneut zu erleben oder verpasste Filme und Serien zu sehen. Besonders aufwändige Eigenproduktionen und hochwertige Spielfilme werden bewusst mehrfach ausgestrahlt. So sorgen wir nicht nur für ein abwechslungsreiches Programm, sondern gehen auch verantwortungsvoll und nachhaltig mit den Beitragsmitteln um. Nach der Sommerpause dürfen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer auf ein umfangreiches Angebot an neuen und attraktiven Formaten im Ersten und in der ARD-Mediathek freuen.
Stumpf: Dass wir im Sommer, einer in der Regel weniger sehintensiven Zeit, auch Wiederholungen anbieten, ist sowohl aus Publikumssicht als auch aus wirtschaftlicher Sicht ein notwendiger Bestandteil der Angebotskonzeption eines großen Senders. Eine Erstsendung sieht im hochgradig fragmentierten Fernsehmarkt nur ein Bruchteil der Zuschauer. Das gilt selbst für Sendungen, die von sechs oder sieben Millionen Zuschauern gesehen werden. Selbst wenn nur die Hälfte der restlichen rund 70 Millionen möglichen Zuschauer sich für das Programm interessiert, besteht noch ein erhebliches Zuschauerpotential.
Wie begründen Sie die Erhöhung der Rundfunkbeiträge, wenn immer mehr „Konserven“ über immer längere Zeiträume (s.o.) ausgestrahlt werden?
Jakob: Mit der ARD-Mediathek bieten wir unseren Zuschauerinnen und Zuschauern eine Streamingplattform, in der sie zeitsouverän auf eine Vielzahl von Serien und Einzelstücken zugreifen können, die sich in Machart und Erzählweise an den veränderten Ansprüchen und Sehgewohnheiten des (jüngeren) Streamingpublikums orientieren. Die Produktion und Bereitstellung eines solchen Angebots im Netz muss finanziert werden – bei stagnierendem Rundfunkbeitrag, bei wachsendem Spardruck und steigenden Produktionskosten. Deshalb ist es unvermeidbar, an der ein oder anderen Stelle, wo es programmlich vertretbar scheint, auch zu sparen bzw. umzuschichten und ausgewählte qualitätvolle Produktionen besonders in der Sommerzeit mit einem geringeren Fernsehkonsum wieder ins Programm zu nehmen.
Stumpf: Wiederholungen sind auch eine Möglichkeit, das mit Rundfunkbeiträgen finanzierte Programm möglichst vielen Zuschauern zu präsentieren. Sie sind also im Sinne der Beitragszahler serviceorientiert und kostensparend.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass die saure Gurken Zeit im Fernsehen bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wieder eingedampft/begrenzt werden?
Jakob: Wir setzen auch in der Sommerzeit Akzente mit hochwertigen deutschen Erstausstrahlungen, so z.B. in unserer beim Publikum sehr beliebten Sommer-Kino-Reihe, aber auch auf anderen Programmplätzen: Am Freitag etwa zeigen wir ab dem 8. August um 20.15 Uhr spannende und unterhaltsame Fernsehfilme in Erstausstrahlung.
Stumpf: Trotz einzelner Wiederholungen bleibt das ZDF ein Sender mit hohem Anteil an Erstausstrahlungen: Im Jahr 2024 lag dieser in der Primetime (19 bis 23 Uhr) bei 83 Prozent.
Im Sport folgen darüber hinaus nach der UEFA-Frauen-EM nun „Die Finals 2025“ (Dresden), anschließend die Sail-GP vor Rügen, die Deutschland-Tour, City-Biathlon und die Leichtathletik-WM (Tokio). Neue Dokus gibt es von „WISO“, „frontal“, „Am Puls“ und den „Megacitys“. Sie sehen, das ZDF bietet seinem Publikum das ganze Jahr über eine Fülle an neuen Angeboten.
Sehen Sie den Ausbau der Mediatheken als einen möglichen Ausweg und was können Sie den älteren Fernsehteilnehmern und wenig technikaffinen Menschen alternativ anbieten?
Jakob: Unser lineares Programm bietet gerade auch für ältere Menschen ein umfassendes Angebot an Information, Fiktion, Unterhaltung und Sport. Wir kommen unserem Auftrag zur Grundversorgung in allen Bereichen vollumfänglich nach – selbst für Menschen, die ausschließlich unser lineares Angebot im Ersten nutzen.