Der moderne Wohnungsbau liebt Licht. Wer eine Immobilie neueren Datums bezieht, kommt in den Genuss von lichtdurchfluteten Wohnräumen. Großzügige Dachlichter, bodentiefe Fenster und breite Glasfronten öffnen den Blick nach außen und lassen viel Tageslicht herein. Das ist Segen und Fluch zugleich, denn wo Licht ist, muss auch Schatten sein, sonst wird das einfallende Sonnenlicht schnell zum lästigen Hausgast.
Wir leben in der Generation Indoor. Bereits 2018 ermittelte eine Studie des britischen Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Velux-Gruppe, dass der Mensch im Durchschnitt 90 Prozent seines Tages in Innenräumen verbringt. Wer nicht gerade einem Beruf im Freien nachgeht und zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, pendelt zwischen Wohnstätte und Büro im Auto oder anderen geschlossenen Verkehrsmitteln.
Die Folgen für die körperliche Gesundheit und das psychische Wohlbefinden können gravierend sein. Der Mensch braucht Tageslicht. Die UV-Strahlen der Sonne nehmen großen Einfluss auf den Hormonhaushalt. Sie regen die Bildung von Vitamin D im Körper an, das für gesunde Knochen und Zähne und für ein starkes Immunsystem verantwortlich ist.
Die physischen Aspekte sind aber nicht alles. Durch eine ausreichende Portion Tageslicht wird die Produktion der Hormone Serotonin, Dopamin und Noradrenalin angekurbelt. Sie werden auch Endorphine oder Glückshormone genannt und sorgen dafür, dass wir uns entspannt und glücklich fühlen und unseren Alltag voller Energie meistern können.
Wer sich viel Bewegung im Tageslicht gönnt, kann damit seinen Serotoninspiegel auf einem stabilen Niveau halten. Als hormonelles Gegengewicht zum Stresshormon Cortisol trägt Serotonin dazu bei, leichter mit Stress umzugehen. Eine ausreichende Menge an UV-Strahlung ist aber nicht nur im Herbst und Winter schwer zu bekommen. Der stark von Tätigkeiten in Innenräumen geprägte Alltag der meisten Menschen schließt Tageslicht aus und kann schon bald gesundheitliche Folgen haben.
Da eine Verlagerung des Alltags in den Außenbereich nur bedingt möglich ist, sind moderne Wohnraumkonzepte so gestaltet, dass sie viel Tageslicht in Innenräume integrieren. Sie beinhalten intelligente Fensterlösungen, die es möglich machen, Wohn- und Geschäftsräume ganzheitlich mit Tageslicht zu durchdringen. Seit 2019 sind mit der DIN EN 17037 erstmals wesentliche Richtwerte zur Sicherstellung einer ausreichenden Tageslichtversorgung auch in der Bauordnung der Länder verankert.
Blenden, Hitzeentwicklung und Schlafstörungen: Zu viel Licht kann störend wirken
Lichtdurchflutete Räume haben viele Vorteile. Wer das Tageslicht optimal ausnutzen kann, muss weniger auf künstliche Lichtquellen zurückgreifen. Das spart nicht nur Energiekosten, sondern fördert auch das Wohlbefinden, da natürliches Licht gesünder für den Menschen ist.
Zu viel Sonnenlicht kann jedoch eine Beeinträchtigung der Wohnqualität mit sich bringen. Insbesondere in den sonnenreichen Monaten des Jahres kann ein zu starker Einfall von Sonnenlicht unangenehme Nebeneffekte haben. Innenräume, die ständig von direkter Sonneneinstrahlung getroffen werden, heizen sich auch bei guter Isolierung unangenehm auf. Außerdem kann insbesondere eine tief stehende Sonne unangenehme Blendeffekte haben und beispielsweise die Arbeit am Bildschirm oder den Blick auf den Fernseher erheblich erschweren.
Auch auf die Schlafqualität kann sich zu viel Tageslicht negativ auswirken. Wenn es im Sommer abends lange hell ist, kann der Melatoninspiegel ins Ungleichgewicht geraten. Melatonin ist das körpereigene Schlafhormon, das Müdigkeit auslöst und dafür sorgt, dass wir nachts gut zur Ruhe und in den Schlaf finden. Ein ausgeglichener Melatonin-Haushalt wirkt sich auf einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus aus und kann die Schlafqualität positiv beeinflussen. Viele Menschen tun sich im Sommer dagegen schwerer, zur gewohnten Zeit in den Schlaf zu finden. Ist noch zu viel Tageslicht vorhanden, bleibt der Körper im Wachmodus. Die Nachtruhe kann reduziert werden und sich langfristig negativ auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit auswirken.
Wohnkonzepte mit hohem Tageslichtanteil müssen deshalb durch ganzheitliche Beschattungssysteme ergänzt werden. Sie unterstützen eine flexible Regulierung des Lichteinfalls und machen es möglich und steigern den Wohnkomfort durch eine individuelle Gestaltung der Beleuchtung.
Natürliches und künstliches Licht kombinieren
Moderne Beleuchtungssysteme kombinieren natürliche und künstliche Lichtquellen möglichst intelligent miteinander. Das Ziel ist es, das gesundheitsfördernde Tageslicht aus natürlichen Lichtquellen bestmöglich auszuschöpfen und durch künstliches Licht zu ergänzen, wenn es erforderlich wird. Ein durchdachtes Beleuchtungssystem arbeitete energieeffizient und nimmt auch medizinische Erkenntnisse zum positiven Effekt von UV-Strahlen in den Blick.
Für ein stimmiges Lichtkonzept kommen häufig spezielle Sensoren zum Einsatz. Sie reagieren auf Licht. Intelligente Lichtsensoren messen die Intensität des einfallenden Tageslichtes und ergänzen die vorhandene Helligkeit durch künstliche Lichtquellen, sobald eine vordefinierte Mindestgrenze erreicht ist. Dies ermöglicht einen besonders energiesparenden Einsatz von künstlichem Licht und schafft eine behagliche Wohnatmosphäre.
In Räumen, die nur zeitweise genutzt werden und die keine intensive oder dauerhafte Beleuchtung benötigen, können zusätzlich Bewegungssensoren verwendet werden. Sie erkennen Bewegung und schalten das Licht nur ein, wenn sich Personen im Raum aufhalten. In Flurbereichen, in Keller- oder Abstellräumen oder im Treppenhaus sind Bewegungssensoren eine sinnvolle Ergänzung zum energieeffizienten Einsatz künstlicher Beleuchtung.
Tageslicht individuell anpassen: Rollos für den Innenraum
Wenn es darum geht, das Tageslicht in Innenräumen flexibel und individuell zu regulieren, sind Rollos aus modernen Wohnkonzepten nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich als Alternative zu Außenrollläden und Vorhängen etabliert, weil sie es durch ihr Konzept möglich machen, den Lichteinfall im Laufe des Tages immer wieder anzupassen.
Als flexibles Beschattungskonzept wird das Rollo auf der Innenseite des Fensters angebracht. Die unterschiedlichen Varianten des Rollos können an die räumlichen Gegebenheiten und an die individuelle Inneneinrichtung angepasst werden und machen sie damit flexibler als Rollläden, Vorhänge oder Gardinen. Das Rollo ist in unterschiedlichen Transparenzgraden verfügbar und kann je nach Lichtdurchlässigkeit als Sicht- oder Blendschutz eingesetzt werden oder in der vollkommen lichtundurchlässigen Textur zur Verdunkelung dienen.
Stark transparente Rollos schützen Innenräume vor unerwünschten Blicken von außen, lassen aber dennoch ein hohes Maß an Tageslicht herein. Da die direkte Sonneneinstrahlung vom Rollo abgefangen wird, kann ein hochwertiger Blendschutz erreicht werden, zum Beispiel für die Bildschirmarbeit.
Plissee-Rollos sind eine innovative Variante des klassischen Rollos. Sie sind als Faltstores konzipiert und können durch ihre Struktur flexibel über die ganze Fensterfläche ausgebreitet oder nach Bedarf zusammengeschoben werden. Dadurch entsteht eine besonders flexible Lichtregulierung für den Innenraum. Plissee-Rollos werden im oder auf dem Fensterrahmen angebracht und werden auf die Größe der Fensterscheibe zugeschnitten.
Zusatzfunktion für ein angenehmes Raumklima
Als Beschattungssystem für den Innenraum hat das Rollo nicht nur eine Funktion als Sicht- oder Blendschutz. Moderne Funktionsrollos in Doppelstruktur mit isolierender Schicht können dabei helfen, das Raumklima natürlich zu regulieren. Ihr Aufbau sorgt dafür, dass die Hitze durch einfallende Sonnenstrahlen in der Isolierschicht abgefangen wird und sich Innenräume nicht so stark aufheizen. Insbesondere in den heißen Sommermonaten kann dies einen Unterschied von mehreren Grad ausmachen.
Der isolierende Effekt kann darüber hinaus Winter dazu beitragen, dass weniger Heizwärme über die Fenster nach außen verloren geht. Die isolierende Doppelstruktur hält die warme Luft besser in Innenräumen und unterstützt so die Funktion einer modernen Isolierverglasung. So lassen sich Innenräume energie- und kosteneffizient heizen.
Künstliche Lichtquellen als Ergänzung
Wenn im Herbst und Winter die Tageslichtstunden knapper bemessen sind und schon in den Nachmittagsstunden das Licht eingeschaltet werden muss, gewinnt ein stimmiges Beleuchtungskonzept wieder an Bedeutung.
Experten empfehlen eine harmonische Mischung aus direkter und indirekter Beleuchtung. Empfohlene Richtwerte liegen bei
- 100 bis 150 Lumen pro m² für Schlaf- und Kinderzimmer
- 100 bis 150 Lumen pro m² für Flur und Treppenhaus
- 100 bis 150 Lumen pro m² für das Wohnzimmer
- 250 bis 300 Lumen pro m² für Arbeitszimmer
- 250 bis 300 Lumen pro m² für Badezimmer
- 250 bis 300 Lumen pro m² für die Küche
- 600 bis 800 Lumen pro m² für den Essbereich
Je nach individueller Raumnutzung und persönlichem Empfinden kann es erforderlich sein, die Lichtintensität abweichend von den Empfehlungen anzupassen.
Damit die Lichtintensität künstlicher Beleuchtung optimal an die aktuelle Raumnutzung angepasst werden kann, sind Dimmvorrichtungen eine praktische Ergänzung. Sie können in ihrer Lichtintensität stufenlos oder in mehreren Abstufungen reguliert werden. So lässt sich die Helligkeit im Raum an das individuelle Empfinden, das Restlicht von außen und die aktuelle Tätigkeit anpassen.
Intelligente Dimmer können per Hand oder Fernbedienung über den Lichtschalter oder über einen Einsatz für die Steckdose gesteuert werden. Bei ganzheitlichen Smart Home Lösungen kann die Dimmung zentral über ein Control Panel gesteuert und je nach Modell sogar in vorgefertigten Programmen eingespeichert und nach Bedarf abgerufen werden.