Seit vielen Jahren kämpfen einige Städte gegen die Probleme, die von Saatkrähen verursacht werden. Doch Saatkrähen sind nicht das einzige Problem, auch andere Rabenarten wie Kolkraben, Rabenkrähen, oder auch Wolf und Biber (sind) beschäftigen nicht nur die betroffenen Kommunen, sondern auch die Land- und Forstwirte. Mittlerweile ist auch der SWR auf das Problem aufmerksam geworden und hat darüber im Fernsehen berichtet.
In den letzten Jahren fanden in Oberschwaben sieben „Krähengipfel“ statt, an dem Vertreter aus Riedlingen, Bad Saulgau, Laupheim, Neu-Ulm, Bad Waldsee, der Landratsämter Biberach und Ravensburg, Vertreter der Landwirtschaft und der Jagd sowie die Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger, Raimund Haser und Klaus Burger (alle CDU) teilnahmen. Jetzt scheint durch die unermüdlichen Bemühungen des Landtagsabgeordneten Burger Bewegung in die Sache zu kommen.
In der ARD wurde kürzlich mit dem Bericht „Gefährliche Raben – schützen oder schießen“ auf das Problem aufmerksam gemacht. Julian Prahl nahm sich im Auftrag des SWR des Problems an, recherchierte, kontaktierte u.a. Burger, der sich unermüdlich des Themas angenommen hatte. Im Filmbericht kommt der Abgeordnete auch zu Wort.
Beitrag in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/film/gefaehrliche-raben-schuetzen-oder-abschiessen/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODUx
Wir sprachen mit Burger, um uns seinen Blick auf die Problemtiere schildern zu lassen. „Die Sendezeit des Berichtes war natürlich sehr spät. Doch dass es ein Abgeordneter aus Sigmaringen in die ARD-Sendung schafft, kommt auch nicht jeden Tag vor,“ so der Abgeordnete, der zunächst die aktuelle Situation einordnete. Demnach geht es hauptsächlich um den Kolkraben und die Rabenkrähe. Beide setzten den Lämmern nach der Geburt zu. Ebenfalls würden sie Enten, Hühnern und Ferkel im Freiland attackieren. Burger dazu: „Die schrecklichen Bilder, die es davon gibt, möchte niemand ernsthaft sehen. Es wird ein großes Tierleid verursacht. Das Team um Herrn Julian Prahl hat recherchiert und gibt an, dass rund 3000 bis 5000 verendete Tiere (Schafe, Enten, Schweine Hühner) zu beklagen sind.“
Unterschiede: Rabe ist nicht Rabe
Im Ländle gibt es etwa 600 Kolkraben-Brutpaare, die Angriffe auf neugeborene Lämmer starten und teilweise zu toten Tieren führen. Der Kolkrabe ist geschützt und hat keine Jagdzeit! Saatkrähen sind in viel größerer Zahl vertreten. Geschätzt werden rund 9.000 Brutpaare, die in Kolonien brüten. Sie verursachen große Schäden an Bio-Saaten, Gemüse, Obst. Doch auch sie stehen unter Schutz, es gibt keine Jagdzeit. Das Ausmaß der verursachten Schäden ist enorm. 2025 gab es deswegen 1.000 Einzelanträge zu Einzelentnahme.
Zudem gibt es mindestens 80.000 Brutpaare der Rabenkrähe. Diese sind aber nicht geschützt, es hier gibt eine Jagdzeit.
Unterschiedliche Zuständigkeiten
Burger fordert, diese Problemtiere in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz JWMG (Jagd- und Wildtiermanagementgesetz) zu übernehmen und gleichzeitig an die EU einen günstigen Erhaltungszustand der einzelnen Populationen zu melden. Bisher ist das Umweltministerium zuständig. Das JWMG unterliegt aber dem Ministerium für den ländlichen Raum. Bis die Problemtiere in das JWMG aufgenommen sind und dort im Schutz-, Entwicklungs- und Jagdmanagement gemanagt werden können, gibt es jetzt eine Allgemeinverfügung welche letzte Woche im Umweltministerium als „Muster Allgemeinverfügung“ an die unteren Naturschutzbehörden verschickt wurde. Die Landratsämter können diese in Kraft setzten und so Abhilfe schaffen (Die Verfügung gibt es am Ende des Artikels).
Nun aber werden die „Problemtiere“ in das Landesjagdrecht aufgenommen. Damit liegt nun die alleinige Zuständigkeit beim MLR (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz).
Schäden durch Kolkraben und Rabenkrähen
Kolkraben und Rabenkrähen verursachen schwere Schäden am Tierbestand von Schafen, Enten und Schweinen. Sie fallen deren Nachzucht (Lämmer, Küken und Ferkel) an. Burger dazu: „Die betroffenen Landwirte sind frustriert, fühlen sich alleingelassen. Zum Beispiel gab ein Landwirt im Kreis Sigmaringen sogar wegen der erlittenen Schäden seinen Betrieb auf.“ Burger weist darauf hin, dass das Tierleid ein Ende finden muss. Die Frustration der Landwirte, so Burger, sei mittlerweile so hoch, dass sich kein Landwirt mehr vor die Kamera mehr stellen wolle, weil sie sich mit den Problemen, Belastungen und Kosten alleingelassen fühlen.
Folgen der Überpopulation bei Saatkrähen
Unbestritten ist, dass es eine Überpopulation der Saatkrähen gibt. Burger betont, dass es eine wichtige Aufgabe sei, deren Anzahl zu „managen“. Die von Saatkrähen verursachten Schäden sind enorm. „Ein Bio-Landwirt im Raum Laupheim hat dreimal ausgesät. Weil bei Bio die Saat nicht gebeizt werden darf, wurde alle drei Aussaaten komplett vernichtet. Der Landwirt erlitt einen Schaden von rund über20.000 Euro,“ so der Abgeordnete. Das Ziel, dass 30 Prozent der Landwirtschaft als Bio-Betriebe geführt werden sollten, sieht Burger damit gefährdet. Konventionelle Betriebe haben diese Probleme nicht in dem Maße, so Burger: „Die Tiere sind schlau. Behandeltes(gebeizte) Saatgut erkennen sie und lassen sie links liegen, weil sie ihnen beim Verzehr reizen oder gesundheitliche Schäden bereitet.“
Im zu hohen Schutz für diese Tiere sieht er einen Hauptgrund für deren Überpopulation. Burger verweist auch auf die Anpassungsfähigkeit der Tiere. „Werden (sie) sie nur vergrämt, ziehen sie nur wenige hundert Meter weiter. Auch bei Obst und Gemüse sorgen die Tiere für Ernteausfälle. Erdbeeren, Kürbissen und Sonderkulturen sind teilweise nicht mehr verkaufbar, den Verlust bezeichnet Burger auf 50 Prozent bis hin zum Totalausfall.
Hier geht es zur Allgemeinverfügung für jagdausübungsberechtigte Personen und Personen mit Jagderlaubnis zur Abwendung ernster landwirtschaftlicher Schäden durch Saatkrähen: