Endlich wird miteinander statt übereinander geredet – Ein Kommentar

Der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne) hat einen mutigen Schritt zur Beteiligung von betroffenen Berufsgruppen der Politik gewagt.
Der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne) hat einen mutigen Schritt zur Beteiligung von betroffenen Berufsgruppen der Politik gewagt. (Bild: Lena Lux)

Die letzten Monate waren durch viele Streiks und Proteste geprägt. Herausragend waren die Proteste und Demonstrationen der Landwirte. Dies nicht ohne Grund, denn die Bauern fühlen sich schon lange gegängelt, missverstanden und fürchten um ihre berufliche Zukunft.

Über die Jahre mussten sich die Landwirte viel an Vorschriften und Beschränkungen gefallen lassen. Die politischen Entscheidungen zum Agrardiesel und der Wegfall der Kfz-Steuerbefreiung, brachten das berühmte Fass zum Überlaufen. Erst die bundesweiten Proteste sorgten dafür, dass Politiker den Fokus auf die Existenznöte der Bauern legten. Manche Politiker, wie Robert Habeck (Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz) zeigten deutlich, dass bei den Antworten auf die Proteste diplomatische Fähigkeiten fern sind. Ebenfalls das Gespür dafür, dass es nicht in Ordnung war, dass jeder, dem es beliebte, seit Jahren unwidersprochen auf den Bauern herumtrampeln durfte. Der Berufsstand wurde viel zu oft und pauschal als Tierquäler, Brunnenvergifter und Umweltsauen abqualifiziert. Nicht genug damit, die Bauernkinder waren in der Schule wegen ihrer Herkunft ebenfalls viel zu oft dem Mobbing ausgesetzt. Die Politik hatte dazu meist keine öffentlichkeitswirksame Antwort, es wurde als gegeben hingenommen.

Nun haben sich die Bauern auf die Hinterfüße gestellt und massiv protestiert. Nicht ohne Grund, denn die Ungleichbehandlung gegenüber ihren Kollegen in der EU, wie beispielsweise beim Agrardiesel, ist erschreckend und führt zu gewaltigen Wettbewerbsnachteilen. So entstand schleichend der Eindruck, die Politik wolle die Landwirtschaft in Deutschland Stück für Stück abschaffen.

Bemerkenswert und beispielgebend war nun eine Anhörung, die auf Einladung der Grünen im Stuttgarter Landtag vor einer knappen Woche auf Einladung der Grünen im Stuttgarter Landtag stattfand. 20 Landwirte konnten sich dabei zu Themen, wie Marktzugang u. Außenhandel, Direktvermarktung, Steuer/Abgaben/Bürokratie, Soziale Standards, Öffentlichkeit u. Soziales, Milchvieh, Schweinehaltung u. Ackerbau, Ackerbau, Biogas, Genehmigungspraxis u. Flächennutzung äußern. Wie der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne), der Initiator der Veranstaltung mitteilte, sollen die angesprochenen Probleme schnellstmöglich von der Politik und den zuständigen Ministerien, Ämtern und Behörden angegangen und bearbeitet werden.

Das ist ein Hoffnungszeichen, dass die Politiker endlich verstanden haben, dass es besser ist mit Menschen, statt über die Menschen zu reden. Dies weckt den Wunsch, dass auch auf anderen Politikfeldern solche Gesprächsformate zu einem besseren Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen führen. Den Politikern kann man nur Mut zusprechen, dass sie ihre politischen Blasen in den Landtagen und im Bundestag verlassen und mit einem offenen Austausch wieder zu ihren Wählern finden. Ein beispielgebender Anfang ist jedenfalls gemacht.    

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