Anschlussfinanzierung: Optionen & Tipps

Anschlussfinanzierung: Optionen & Tipps
Wer eine Immobilie mit einem Kredit kauft, sollte gut planen und sich frühzeitig absichern // Symbolbild. (Bild: Pixabay)

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Wenn die Zinsbindungsfrist eines bestehenden Immobiliendarlehens ausläuft, steht die Anschlussfinanzierung an, um die verbleibende Restschuld zu begleichen. Dieser Prozess bietet die Möglichkeit, von veränderten Marktbedingungen zu profitieren und die Finanzierungskosten zu optimieren – oder er bewirkt genau das Gegenteil.

Wer eine Immobilie mit einem Kredit kauft, sollte daher gut planen und sich frühzeitig absichern. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen, Optionen und strategischen Überlegungen, die für eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung entscheidend sind.

Die Grundlagen der Anschlussfinanzierung

Die Anschlussfinanzierung ist ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Immobilienfinanzierung. Sie kommt ins Spiel, wenn die ursprüngliche Zinsbindungsfrist eines Immobiliendarlehens endet, aber noch eine Restschuld besteht. Diese Phase erfordert eine neue Finanzierungsentscheidung, um die verbleibende Schuld weiter zu tilgen. Für diese Restschuld fällt dann in der Regel ein neuer Zins an.

Wichtige Begrifflichkeiten sind:

  • Zinsbindungsfrist: Die Zinsbindungsfrist ist die Dauer, für die der Zinssatz eines Darlehens festgelegt wird. Üblich sind Fristen von 5, 10, 15 oder mehr Jahren. Innerhalb dieser Zeit bleibt der Zins unverändert, was den Kreditnehmern eine große Planungssicherheit gibt. Danach kann die Bank den Zins für die Restschuld erhöhen.
  • Restschuld: Sind die monatlichen Raten zu gering gewesen, um das Darlehen innerhalb der Zinsbindung zurückzuzahlen, stellt die Restschuld den Betrag dar, der dann noch nicht abbezahlt wurde. Ihre Höhe hängt von der ursprünglichen Darlehenssumme, der Laufzeit, dem Tilgungssatz und den geleisteten Zahlungen ab.
  • Tilgungssatz: Der Tilgungssatz bestimmt, wie schnell die Schuld verringert wird. Er gibt also vor, wie viel Geld man monatlich für den Kredit bezahlen muss. Ein höherer Tilgungssatz führt zu einer schnelleren Rückzahlung des Darlehens. Ein niedriger Tilgungssatz führt dafür dazu, dass man monatlich nicht so stark finanziell belastet wird. Dann ist es aber eher wahrscheinlich, dass man zum Ende der Zinsbindung eine Restschuld behält und eine Anschlussfinanzierung benötigt.

Es gibt verschiedenste Gründe, aus denen Kreditnehmer es nicht schaffen, den geliehenen Betrag für eine Immobilienfinanzierung innerhalb der festgelegten Zinsbindung abzubezahlen. Dann muss eine Anschlussfinanzierung aufgenommen werden. Ist das der Fall, können zwei Szenarien eintreffen:

1. Der Leitzins ist nach der Zinsbindung höher als der Festzins bei Abschluss des Darlehens. Dadurch steigen die Kosten für die Immobilienfinanzierung, da die Restschuld höher verzinst wird.

oder

2. Der Leitzins ist seit dem Abschluss des Darlehens gesunken. Die Restschuld wird nun mit einem niedrigeren Zins abbezahlt.


Die Notwendigkeit einer Anschlussfinanzierung muss also nicht immer etwas Negatives sein. Wer Glück hat, kann die Gelegenheit nutzen, um die Finanzierungskonditionen an die aktuelle Lebenssituation und Marktbedingungen anzupassen.

Genauso möglich ist es aber auch, dass eine Anschlussfinanzierung zu schlechten Konditionen eingegangen werden muss.

Deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu planen, um je nach Marktlage schnell zu den eigenen Gunsten reagieren zu können. Ein wertvolles Hilfsmittel dafür sind Online-Rechner für die Anschlussfinanzierung. Sie können die Anschlussfinanzierung berechnen, die zu dem Zeitpunkt der Eingabe anhand der eingegebenen Zahlen verfügbar sind, und die günstigsten Optionen anzeigen.

Optionen der Anschlussfinanzierung

Wenn es um die Anschlussfinanzierung geht, stehen Immobilienbesitzern mehrere Wege offen. Jede Option hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die je nach individueller Situation und Marktlage abgewogen werden müssen:

Prolongation: Verlängerung des bestehenden Kredits

Die Prolongation ist die einfachste Form der Anschlussfinanzierung. Hierbei wird der bestehende Kreditvertrag mit dem aktuellen Kreditgeber zu neuen Konditionen verlängert. Dies kann eine gute Wahl sein, wenn die aktuellen Kreditkonditionen attraktiv sind oder der Aufwand für einen Wechsel des Kreditgebers vermieden werden soll.

Die Prolongation bietet eine unkomplizierte Abwicklung und oft geringere Nebenkosten, da keine neuen Sicherheiten bestellt oder Bewertungen durchgeführt werden müssen.

Es ist allerdings möglich, dass die Bank darauf setzt, dass der Kreditnehmer aus Bequemlichkeit bei ihnen bleibt, und dadurch nicht die besten Konditionen anbietet.

Umschuldung: Wechsel zu einem anderen Kreditgeber

Bei der Umschuldung wird die Restschuld zu einem anderen Kreditgeber übertragen. Die Umschuldung erfordert mehr Aufwand, da neue Kreditverträge abgeschlossen und Sicherheiten übertragen werden müssen.

Trotzdem kann die Umschuldung langfristig zu erheblichen Zinsersparnissen führen. Die Umschuldung kann sinnvoll sein, wenn ein anderer Kreditgeber deutlich bessere Konditionen bietet.

Es können dabei allerdings Gebühren anfallen, wie etwa Vorfälligkeitsentschädigungen beim alten Kreditgeber oder Bearbeitungsgebühren beim neuen Kreditgeber.

Forward-Darlehen: Zinssicherung für die Zukunft

Ein Forward-Darlehen ist eine besondere Form der Anschlussfinanzierung, bei der der Kreditvertrag bereits einige Jahre vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung abgeschlossen wird. Dies ermöglicht es, sich aktuell günstige Zinsen für die Zukunft zu sichern. Allerdings wird für die vorzeitige Zinssicherung in der Regel ein Zinsaufschlag berechnet.

Forward-Darlehen sind besonders in Niedrigzinsphasen attraktiv. Dann stellt man sicher, dass man in Zukunft diesen niedrigen Zins nutzen kann.

Die Forward-Periode, also der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Beginn der Zinsbindung, kann bis zu fünf Jahre betragen. Es ist allerdings auch möglich, dass der Zins in dieser Zeit fällt, statt zu steigen. Je nach Forward-Darlehen gibt es hier die Option, die Anschlussfinanzierung noch vor ihrem Beginn wieder zu kündigen. Das ist aber nicht bei jedem Kreditgeber möglich.

Vor- und Nachteile abwägen

Bei der Entscheidung für eine Anschlussfinanzierungsoption sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

  • Aktuelle und erwartete Zinsentwicklung: Dies beeinflusst die Entscheidung zwischen Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen. Ist der Zins niedrig, soll dann aber steigen, ist ein Forward-Darlehen attraktiv. Andersherum ist eine Prolongation oder Umschuldung die bessere Wahl.
  • Finanzielle Flexibilität und Sicherheit: Manche Optionen bieten mehr Flexibilität oder eine höhere Planungssicherheit. Bei einem Forward-Darlehen ohne Kündigungsrecht erhält man einen festen Zins, den man in der Zukunft zahlen wird, und kann damit rechnen. Dafür fehlt die Flexibilität, sich dann akut an das beste Angebot anzupassen.
  • Kosten: Neben den Zinsen sollten auch andere Kosten wie Gebühren oder Vorfälligkeitsentschädigungen in Betracht gezogen werden.
  • Persönliche Lebenssituation: Zukünftige Veränderungen in der Lebenssituation können die Wahl der Anschlussfinanzierung beeinflussen. Stehen in Zukunft einige potenzielle Änderungen an, ist eine Anschlussfinanzierung mit hoher Planungssicherheit die bessere Wahl.

Die Wahl der richtigen Anschlussfinanzierung hängt von individuellen Bedürfnissen, der aktuellen Marktlage und persönlichen Präferenzen ab. Eine sorgfältige Abwägung aller Optionen und eine umfassende Beratung sind entscheidend, um die optimale Entscheidung für die eigene finanzielle Zukunft zu treffen.

Fazit

Die Anschlussfinanzierung ist ein kritischer Aspekt der Immobilienfinanzierung, der sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Sie tritt in Kraft, wenn die erste Zinsbindungsfrist endet und eine Restschuld verbleibt. Dieser Moment kann eine Gelegenheit sein, von günstigeren Marktbedingungen zu profitieren, birgt jedoch auch das Risiko steigender Kosten bei ungünstiger Zinsentwicklung.

Die Entscheidung zwischen Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen erfordert eine sorgfältige Abwägung der aktuellen und erwarteten Zinsentwicklung, der eigenen finanziellen Flexibilität und Sicherheit sowie der persönlichen Lebenssituation. Eine frühzeitige und gut informierte Planung ist entscheidend, um die bestmöglichen Konditionen zu sichern und die finanzielle Stabilität langfristig zu gewährleisten.

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