Kommentar AfD: Die Entzauberung einer Partei

AfD: Die Entzauberung einer Partei
Kein Bild vorhanden. (Bild: Wochenblatt)

Für die AfD könnte es im Moment nicht schlechter laufen. Noch vor dem Wahlkampfauftakt zum EU-Parlament, gibt es nahezu täglich neue Berichte über die AfD, die den Partei-Strategen kaum gefallen dürften.

Für negative Schlagzeilen sorgen ausgerechnet Maximilian Krah und Petr Bystron, die beiden Spitzenkandidaten der Partei. Zuerst geriet der AfD-Bundestagsabgeordnete Bystron in Erklärungsnot, weil er scheinbar Geldpakete aus Russland angenommen haben soll. Ihm werden zudem Kontakte zur prorussischen Internetplattform „Voice of Europe“ nachgesagt.

Mittlerweile ist auch Maximilian Krah, der Listenführer bei der Europawahl, unter erheblichen Druck geraten. Nicht nur, dass gegen einen Mitarbeiter von ihm wegen des Verdachts der Spionage für China ermittelt wird, auch Krah selbst gerät mittlerweile in den Fokus von Ermittlungen. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat offensichtlich zwei Vorermittlungsverfahren gegen Krah eingeleitet. Es geht um angebliche Zahlungen aus pro-russischen sowie chinesischen Quellen. Interessant ist, wie schmallippig die Partei-Spitze bisher auf die Vorwürfe reagiert.

Bisher erweckten AfD-Politiker immer den Eindruck, dass nur sie und ihre Partei das Land „lieben“. So wurde im Bundestag den Alt-Parteien schon mal unterstellt, dass sie ihr Vaterland „hassen“. Komisch, denn die AfD-Abgeordneten zeigten durch ihre Reden im Bundestag und bei ihren fleißigen Besuchen in Russland ein erstaunlich hohes Verständnis für Putin und seine Politik. Da bleiben Betrachter staunend zurück, noch mehr, wenn ihr Vorsitzender Tino Chrupalla es einerseits ablehnt, Putin als Kriegsverbrecher zu bezeichnen, dies aber im gleichen Atemzug dem früheren US-Präsidenten Barack Obama unterstellt.

Die aufsehenerregenden Ereignisse der letzten Tage stellen die „Vaterlandsliebe“ der AfD mehr als in Frage. Kann es sein, dass ihnen Geldzahlungen, aus welchen Quellen auch immer, wichtiger sind als die Treue und vielbeschworenen Liebe zum eigenen Vaterland? Nun steht auch noch der Verdacht im Raume, dass im Kreml ein Strategiepapier für die AfD entworfen wurde, um der Partei Mehrheiten bei Wahlen zu verschaffen. Mit Patriotismus haben diese Vorgänge allesamt nichts zu tun, im Gegenteil! Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, steht die AfD vor einem riesigen Glaubwürdigkeitsproblem. Die Partei darf froh sein, dass bei uns, im Gegensatz zu den Ländern, aus denen scheinbar Geld geflossen ist, die Vorwürfe rechtsstaatlich untersucht werden. Es braucht nicht viel Fantasie, dass die mit den Recherchen betrauten Journalisten noch mehr politischen Sprengstoff zu Tage fördern. Haben die sich mal an einem Thema festgebissen, ruhen sie bekannterweise nicht, bevor sie nicht die ganze Wahrheit ans Licht gefördert gebracht haben.

Und es geht weiter: In der AfD-Niedersachsen bahnt sich der nächste Finanzskandal an, hier gibt es staatsanwaltliche Ermittlungen gegen den Vorsitzenden Ansgar Schledde.

Die AfD wird weitere Skandale und Enthüllungen politisch mutmaßlich überleben, eines scheint jedoch gewiss, von den hohen Zustimmungswerten der letzten Monate darf sich die Partei schon mal verabschieden. Die Entzauberung der Partei ist in vollem Gange.

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