Während Norddeutschland in den letzten Wochen und Monaten öfter von Tiefdruckgebieten und zeitweilig kühlerer und feuchter Nordseeluft gestreift wurde und der Sommer bundesweit gesehen deshalb „nur“ auf Platz 2, ganz knapp hinter dem bisherigen „Jahrhundertsommer 2003“ landet, war er hierzulande der mit Abstand heißeste seit Messbeginn. Baden-Württemberg lag – immer wieder mal angedockt an die spanisch-französische Hitzeblase – in der wärmsten Ecke der Republik.
Da sich vollständige Monate statistisch gesehen besser erfassen lassen, ging für die Meteorologen mit dem August bereits der Sommer zu Ende, drei Wochen vor dem kalendarischen Datum. Nimmt man beispielhaft die Werte der auf 572 Meter Höhe gelegenen Zentrale der Wetterwarte Süd in Bad Schussenried, an der seit 1968 das Wettergeschehen aufgezeichnet und analysiert wird, dann wird deutlich, dass er, was die Temperaturen anbelangt, nahezu sämtliche Spitzenwerte von 2003 nicht nur übertroffen, sondern geradezu pulverisiert hat. Mit einer Durchschnittstemperatur von 21,7 Grad Celsius überbot er den bisherigen Rekordhalter um ein Grad, klimatologisch gesehen „jede Menge Holz“. Übrigens erst der dritte Sommer, nach 2003 und 2022, in dieser langen Messreihe mit einem Mittelwert von über 20 Grad!
An 42 Tagen ging es über die 30-Grad-Marke (2003: 28 Hitzetage) und es wurden – schier unglaublich – vierzehn Wüstentage (2003: sieben) mit 35 Grad und mehr registriert. Während der Juni der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn war, wurden im Juli und August neue Monatsrekorde verbucht. Lediglich ein Wetterparameter von 2003 wurde nicht ganz geknackt. Da die Schafskälte in der ersten Junihälfte einige Zeit für gedämpfte Temperaturen sorgte, kletterte das Quecksilber dieses Jahr „lediglich“ an 70 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad, vier Tage weniger als damals. Dabei wurden so gut wie überall im Messnetz der WWS neue Allzeitrekorde erreicht. In Bad Schussenried waren es 38,7 °C am 27. Juni, dem Siebenschläfertag, womit der Uraltrekord vom 27. Juli 1983 noch um ein halbes Grad überboten wurde. Andernorts im Verbreitungsgebiet der Wetterwarte Süd ging es gar an die 40 Grad oder knapp darüber. Exorbitant heiß waren die zweite Junihälfte und die ersten beiden Augustwochen.
Dass es bei der vorwiegend von Hochdruckgebieten bestimmten Großwetterlage an Nass von oben mangelte, versteht sich von selbst. Doch zur vielerorts ausgeprägten Dürre haben neben der aus Afrika importierten Hitze auch die intensive Sonneneinstrahlung, der beinahe permanent wehende Wind, die geringe Luftfeuchte und die damit verbundene hohe Verdunstungsrate beigetragen. Es gab allerdings Regionen, die mehrmals kräftige Regengüsse und heftige Gewitter abbekommen haben, punktuell sogar zu viel des Guten in kurzer Zeit.
Tiefste Temperatur am 10./11. Juni: +7,8 °C (+7,3 °C)
Höchste Temperatur am 27. Juni: +38,7 °C (+35,8 °C)
| Temperatur | Niederschlag | Sonnenschein | |
|---|---|---|---|
| Juni: | 20,9 °C (20,3 °C) | 55,8 mm (81,9 mm) | 296,3 Std. (338,2 Std.) |
| Juli: | 22,0 °C (18,6 °C) | 44,4 mm (132,6 mm) | 366,1 Std. (232,2 Std.) |
| August: | 22,1 °C (18,9 °C) | 81,8 mm (102,8 mm) | 292,1 Std. (273,0 Std.) |
| Sommer: | 21,7 °C (19,3 °C) | 182,0 mm (317,3 mm) | 954,5 Std. (834,4 Std.) |
Tageskategorien:
Sommertage: 70 (52 Tage) Gewittertage: 16 (17 Tage)
Hitzetage: 42 (19 Tage) Tage mit Regen: 35 (47 Tage)
Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried, die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!
Die Schattenseiten dieses Jahrhundertsommers waren überall sicht- und greifbar und für viele Menschen, vor allem ältere und kranke Menschen, massiv belastend. Laut dem Robert Koch-Institut kamen in diesem Sommer hitzebedingt an die 16.000 Menschen ums Leben. Man stelle sich mal eine derartige Anzahl an Todesopfern im Straßenverkehr vor. Der Aufschrei wäre groß, während man diese klimabedingte Ursache schulterzuckend zur Kenntnis nimmt. Der Bodenseepegel lag und liegt immer noch unter den historischen Tagestiefstwerten. Sowohl die persönliche als auch die öffentliche Mobilität (Straßen- und Bahnverkehr) kam an ihre Grenzen, Veranstaltungen mussten abgesagt und Wasserentnahmeverbote aus Flüssen, Bächen und Seen verhängt werden. Dazu die enorme Hitzebelastung, hohe UV- und Ozonwerte, Waldbrände und manches mehr.
Neben den zahlreichen Menschenleben kostet dieser Hitzesommer uns alle, die Konsumenten und Steuerzahler, den Staat und die Firmen ordentlich Geld, in der Summe viele Milliarden. Und schlussendlich verliert Deutschland seine letzten Gletscher. Derzeit sind es noch vier, doch der höchstgelegene, der Schneeferner auf der Zugspitze, wird wohl demnächst für tot erklärt werden.
(WWS-roro)