In den letzten Tagen gab es diverse Meldungen, wonach die Telekom ihr Festnetz umbaut. Betroffen sind rund 1,3 Millionen Festnetz-Anschlüsse, die auf eine neue Technik umgestellt werden sollen. Statt einer Leitung soll eine Box für Verbindungen sorgen.
Um nähere Einzelheiten zu erfahren, fragten wir bei Niels Hafenrichter (Medienabteilung der TELEKOM, Bonn) nach.
Herr Hafenrichter, welcher Personenkreis ist von der Umstellung der 1,3 Millionen reinen Festnetzanschlüsse betroffen? Sind es vorwiegend ältere Menschen/Kunden?
Ja, in der Regel ist die Kundengruppe mit Interesse an reinen Sprachanschlüssen älter.
Welche Möglichkeit haben Kunden, die weiterhin „nur“ telefonieren wollen, dies nach der Umstellung der Anschlüsse weiterhin zu tun?
Die einfachste Lösung ist aus meiner Sicht der Wechsel auf die Telefon-Box. Falls die Mobilfunkversorgung innerhalb der Wohnung nicht ausreichend ist, können auch Anschlüsse über das DSL-Netz oder FTTH im Glasfasernetz genutzt werden. Hierbei kommen dann Router zum Einsatz, in die die Festnetztelefone eingesteckt werden können.
Gibt es dafür technische Voraussetzungen und ggf. welche (Adapterbox, neue Endgeräte etc.)?
In der Regel können die bisherigen Festnetztelefone weitergenutzt werden. Eine Ausnahme könnten alte Wählscheibentelefone darstellen, die jedoch kaum noch verbreitet sind. Diese Telefone haben das sogenannte Impulswahl-Verfahren genutzt, das mit der Box nicht mehr kompatibel ist.
Wie funktioniert die Adapterbox?
Siehe oben. Sie ersetzt die alte Telefonleitung durch eine Mobilfunkverbindung im LTE-Netz (4G).
Können mehrere tragbare Telefone/Endgeräte damit betrieben werden, oder wird für jedes Endgerät eine Adapterbox/neues Endgerät benötigt?
Zusätzliche mobile Handteile sind in der Regel mit einer sogenannten DECT-Basis im Hauptgerät verbunden und dieses Hauptgerät ist bisher mit der Telefondose verbunden. Die neue Verbindung über die Telefon-Box ändert nichts – die mobilen Handteile können weiter genutzt werden.
Sind die monatlichen Kosten für den „Telefonanschluss“ nach der Umstellung identisch/gleichbleibend, teurer oder günstiger?
Das Preisniveau von neuem Tarif plus der Gerätemiete ist im Vergleich zu den bisher genutzten Tarifen in den allermeisten Fällen auf einem gleichen bzw. sehr ähnlichen Niveau. In den meisten Fällen ist das Angebot sogar geringfügig günstiger.
Gibt es Überlegungen, Telefonate über Internet (VoIP) in Zukunft ebenfalls zu verändern?
Nein – soweit ich weiß, ist das nicht der Fall.
Wie ordnen Sie die Berichterstattungen zu der geplanten Umstellung von dpa und VERIVOX ein?
Die Überschriften der daraus resultierenden Beiträge klingen teils dramatisch. Jedoch werden hier oft Äpfel mit Birnen verglichen und die Behauptung, die Telefon-Box würde für die Kundschaft zu höheren Kosten als bisher führen, ist schlichtweg falsch. Für den dpa-Bericht wurden von Verivox im Schwerpunkt reine Kostenvergleiche zu Mobilfunk-Verträgen herangezogen. Das greift leider zu kurz.
Der veröffentlichte Kostenvergleich von Verivox mag womöglich rechnerisch richtig sein – für die Zielgruppe wird jedoch die vorgeschlagene Umstellung auf Mobiltelefone nicht die passende Lösung sein. Beim Telekom-Angebot geht es ja darum, möglichst wenig Veränderung bei Kundinnen und Kunden zu haben, die Fans ihres Festnetztelefons sind. Statt in der Telefonbuchse an der Wand steckt das Festnetztelefon zukünftig in der Telefon-Box. Das war es schon.
Bei den Telekom-Anschlüssen bleiben die bisherigen Festnetznummern komplett erhalten. Bei Wettbewerberangeboten ist es meines Wissens so, dass sie zwar unter der Festnetznummer angerufen werden können, dass bei selbstgeführten Anrufen dann statt ihrer bisherigen Festnetznummer eine Mobilfunkrufnummer angezeigt wird. Der Umstieg auf einen Mobilfunkvertrag wäre ebenso mit einem Rufnummernwechsel und dem zugehörigen Aufwand für deren Bekanntmachung im Freundeskreis usw. verbunden.
Weitere Details zur Umstellung alter Telefonanschlüsse gibt es unter: telekom.com