Seniorin bekommt Anruf: Fünfstelliger Betrugsschaden entstanden

Seniorin bekommt Anruf: Fünfstelliger Betrugsschaden entstanden
Seniorin am Telefon / Betrugsmasche / Symbolbild (Bild: www.polizei-beratung.de)
WOCHENBLATT
Redaktion

Lindau – Am Mittwoch, den 17.02.2021, bekam eine sehr betagte Seniorin zwischen 09:00 Uhr und 17:00 Uhr eine Vielzahl an betrügerischen Telefonanrufen. Schließlich entstand ihr bei einer Geldübergabe so ein Schaden in einer fünfstelligen Höhe.

Der Fall

Am Morgen meldete sich der vermeintliche Enkel der Rentnerin. Er schilderte ihr eindringlich, dass er einen Verkehrsunfall gehabt habe. Nun müsse er den Schaden an den Fahrzeugen regulieren und benötige daher unbedingt Geld. In weiteren Gesprächen rief das vermeintliche Autohaus an, bei dem die Fahrzeuge nun nach dem Unfall stehen würden und bestätigte den Sachverhalt des angeblichen Enkels. Auch die Hausbank der Frau rief an, ebenso wie die Polizei, die die Identität des Enkels überprüfen wollte.
Über Stunden bauten die Callcenterbetrüger so eine raffinierte Legende auf und veranlassten die Seniorin schließlich, eine mittlere fünfstellige Summe von der Bank zu holen und sie an eine unbekannte Abholerin zu übergeben, die angeblich vom Autohaus stammte.

Die Masche

Die Anrufer teilen dabei mit, soeben einen Anruf des vermeintlichen Enkels oder der Enkelin der Angerufenen bekommen zu haben.
Diese/r wäre in einen Verkehrsunfall (oder einen sonstigen Unglücksfall) verwickelt und bräuchte nun schnell Geld, um Rechtsanwaltskosten zu begleichen, einen Krankenhausaufenthalt des vermeintlichen Opfers zu bezahlen und sich so vor dem Verlust des Führerscheins (oder sonstigen Folgen, beispielsweise einer gerichtlichen Strafe) zu retten.

Der Hintergrund

Die äußerst professionellen und sehr sprachgewandten Anrufer stellen sich als Familienangehörige, oft Enkel, oder aber deren Freunde vor. Durch geschickte Manipulation und wiederholte, teils über Tage dauernde Kontaktaufnahme gelingt es ihnen, ein starkes Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern aufzubauen. Um sich zu legitimieren, wird das Opfer teils aufgefordert, bei der örtlichen Polizeidienststelle zurückzurufen. Die im Telefondisplay der Angerufenen angezeigte Rufnummer kann von den Tätern über eine Software manipuliert werden. Die Anzeige einer bekannten Rufnummer ist also kein Grund für falsches Vertrauen.

Die Zahlen

Im Jahr 2020 ergaunerten Anrufbetrüger mit der Masche Enkeltrick im Bereich des PP Schwaben Süd/West 106.000 Euro. Insgesamt wurden der Polizei im PP Schwaben Süd/West 110 Fälle gemeldet, in vier davon waren die Täter erfolgreich. Im Landkreis Lindau wurde im letzten Jahr eine einstellige Zahl an Anrufen bekannt, wobei es bei allen beim Versuch blieb.

Alleine dieses Jahr registrierte die Polizei im gesamten Zuständigkeitsbereich bereits wieder 40 Anrufe, zwei (inklusive dem aktuellen Fall) waren erfolgreich. Dabei entstand schon jetzt ein Schaden, der mit dem des Vorjahres vergleichbar ist. Der aktuelle Fall ist bislang der einzige, den die Polizei im Landkreis Lindau bearbeitete.

Die Empfehlungen

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahe stehende Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110
  • Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen.
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an ihren Telefonanbieter.
  • Lassen Sie über Ihren Telefonanbieter einen Telefonbucheintrag im Internet sperren.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z.B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände nicht zuhause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.
  • Bitte sprechen Sie auch mit Verwandten, Bekannten und Ihren Nachbarn über das Phänomen!

(Quelle: KPS Lindau)