Von der Idee zum Erfolg Wie Mariaberg e.V. mit VOLT digitale Bildung barrierefrei machte

Wie Mariaberg e.V. mit VOLT digitale Bildung barrierefrei machte
Die Projektgruppe von VOLT bei der hybriden Abschlusspräsentation in Brüssel. (Bild: Mariaberg e.V.)
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Der digitale Raum bietet großes Potenzial für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen – vorausgesetzt, er wird barrierefrei gestaltet und die digitalen Kompetenzen der Nutzer werden gezielt gefördert.

Der Mariaberg e.V. hat genau das im Rahmen des EU-Projekts VOLT (Video Online Learning and Training) umgesetzt. Anfang Februar wurden die Projektergebnisse bei einer Abschlusskonferenz vor der Europäischen Kommission in Brüssel präsentiert.

Barrierefreie Bildung durch Videos

Das VOLT-Projekt setzt sich für inklusive und barrierefreie digitale Lernangebote ein. Es wurden Schulungsressourcen für Fachkräfte und Lernende im Bereich der beruflichen Bildung für Menschen mit psychosozialen und kognitiven Einschränkungen entwickelt. Ziel war es, Fachkräfte der teilnehmenden Einrichtungen mit digitalen Kompetenzen auszustatten, um barrierefreie Online- und Blended-Learning-Angebote zu schaffen.

Um den Zugang zu erleichtern, setzte das Projekt vor allem auf Videos. Menschen mit geistigen Behinderungen zwischen 18 und 35 Jahren wurden gezielt gefördert, digitale Fähigkeiten zu erlernen und aktiv an der Erstellung von Lernvideos mitzuwirken. Diese Videos wurden in drei Kategorien unterteilt:

  • Lern-Videos: Praktische Anleitungen, z. B. zum Orangensaftpressen oder Billard-Aufbauen
  • Videos zur Bewusstseinsbildung: Sensibilisierung für die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen
  • Showcasing Videos: Präsentationen von Lern- und Arbeitserfolgen der Teilnehmenden

Ein VOLT-Guide mit 11 Schritten sowie ein 5-Schritte-Toolkit in leichter Sprache mit unterstützenden Symbolen halfen den über 60 Pionieren, mehr als 100 Videos zu produzieren.

Internationale Kooperation und Ursprungsidee

Das Projekt wurde von der Theotokos Foundation in Athen geleitet und gemeinsam mit der Europäischen Plattform für Rehabilitation (EPR) aus Brüssel, der spanischen INTRAS Foundation, der REHAB Group aus Irland sowie dem Mariaberg e.V. umgesetzt. Die Idee entstand während der Corona-Pandemie, wie Koordinatorin Vaia Arsenopoulou erklärte: „Während wir alle zuhause waren, hatten wir nichts, was wir unseren Schülern anbieten konnten. Es gab zwar viele Tutorial-Videos auf YouTube, aber oft wurde darin zu schnell gesprochen oder die Inhalte wurden zu kompliziert dargestellt. Man muss die Zielgruppe einbeziehen, um etwas Nutzbares mit ihnen zu entwickeln.“

Co-Design: Mehr als nur ein Konzept

Das Konzept des Co-Designs stand im Mittelpunkt des Projekts. Eimear O’Driscoll von der Rehab Group betonte: „Co-Design ist nicht nur ein Konzept. Es transformiert Inklusion und Lernen auf greifbare Art.“ Die Teilnehmenden konnten Themen für die Videos selbst auswählen und aktiv mitgestalten. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe stärkte nicht nur kreative Ausdrucksfähigkeit, sondern auch Problemlösungsfähigkeit, Teamarbeit und Selbstbewusstsein.

Die Videos, in denen die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten zeigen, dienen zudem als Portfolio für Bewerbungen. Ein Beispiel ist ein Koch-Tutorial von jemandem, der in der Küche arbeiten möchte und eine entsprechende Ausbildung absolviert.

Künstliche Intelligenz versus persönliche Entwicklung

Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wurde im Projekt diskutiert. Eimear O’Driscoll erklärte: „Ich denke, mithilfe von KI können viele bereichernde Dinge entstehen.“ Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass der persönliche Wachstumsprozess der Teilnehmenden durch das direkte Mitwirken entscheidend sei. „Der Einsatz von KI hätte davon etwas weggenommen.“ Michael Backhaus vom Mariaberg e.V. ergänzte: „Außerdem stand im Herzen des Projekts das Zusammenwirken von Menschen.“

Kulturelle Unterschiede als Bereicherung

Spannend waren auch die kulturellen Unterschiede zwischen den teilnehmenden Ländern. Während irische Klienten ab 18 Jahren selbst entscheiden konnten, ob sie am Projekt teilnehmen wollten, brauchte es in Deutschland die Zustimmung der gesetzlichen Betreuungspersonen. Diese Diskrepanz verdeutlichte, wie unterschiedlich Selbstbestimmung in Europa gelebt wird.

Ein Beispiel für die positive Entwicklung im Projekt ist Dana Kruse aus Mariaberg. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für das Filmen und Interviewen und hat bereits weitere Video-Ideen, die sie umsetzen möchte.

Nachhaltige Verfügbarkeit der Ergebnisse

Die Videos und Materialien des Projekts VOLT sind noch mindestens fünf Jahre lang auf der Plattform www.voltproject.eu verfügbar. Die Inhalte stehen in Englisch, Griechisch, Spanisch und Deutsch bereit und bieten somit einen nachhaltigen Mehrwert für alle Interessierten.

(Quelle: Mariaberg e.V.)