Die frühen Hitzewellen haben in diesem Jahr sowohl die Natur als auch die Menschen belastet. Bei Temperaturen um die 30 Grad und deutlich darüber war eine ausreichende Versorgung mit Getränken lebensnotwendig.
Wir fragten bei den regionalen Brauereien nach, wie sich die ungewöhnlich frühe und langanhaltende Sommerhitze auf den Absatz ihrer Produkte auswirkte. Zudem wollten wir wissen, ob die Fußballweltmeisterschaft einen messbaren Anstieg beim Verkauf von Bier, Radler, Erfrischungs- und Mischgetränken ausgelöst hat.
Farny meldet starke Nachfrage nach Weizenbier
Die Edelweissbrauerei Farny profitiert von den sommerlichen Temperaturen, sieht aber ebenfalls Grenzen, wenn die Hitze zu groß wird. „Grundsätzlich ist ein gutes, sommerliches Wetter immer gut für den Bierabsatz. Die Menschen kommen zusammen und genießen bei einem guten Bier das Leben. Dies hat allerdings Grenzen, wenn es zu heiß wird. Insbesondere bei Veranstaltungen war dies zu spüren“, erklärt die Brauerei.
Besonders stark entwickelt sich nach Unternehmensangaben das Weizenbier-Sortiment. „Für unsere Brauerei können wir festhalten, dass unser Farny Kristall-Weizen derzeit so stark nachgefragt wird wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die neue alkoholfreie Variante verkauft sich ebenfalls derart stark, dass wir die Nachfrage in den vergangenen Wochen nicht mehr komplett bedienen konnten. Bei allen Herausforderungen, die ein solch starkes Geschäft mit sich bringt, sind wir sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf in diesem Jahr und dankbar gegenüber unseren Kunden und Farny-Fans für ihre Treue.“
Meckatzer: Alkoholfreie Getränke legen deutlich zu
Auch die Meckatzer Löwenbräu blickt auf einen guten Juni zurück. Nach Angaben der Brauerei wurde der Absatz grundsätzlich vom sommerlichen Wetter begünstigt. Besonders Radler und alkoholfreie Biere seien stark nachgefragt worden, da bei großer Hitze eher leichtere Getränke bevorzugt würden. Dagegen sei der Absatz klassischer alkoholhaltiger Biere laut Rückmeldungen aus der Gastronomie durch die Hitzewellen insgesamt leicht gebremst worden.
Erfrischungs- und Mischgetränke konnten ebenfalls weiter zulegen. Dies wurde nach Angaben der Brauerei auch vom Lieferanten Allgäuer Alpenwasser bestätigt. Einen messbaren Schub durch die Fußball-Weltmeisterschaft habe es hingegen nicht gegeben. Ein leichtes Plus wäre nach Einschätzung der Brauerei möglich gewesen, wenn die deutsche Nationalmannschaft nicht so früh ausgeschieden wäre. Zudem sei gutes Wetter eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Menschen vermehrt zu Public-Viewing-Veranstaltungen treffen.
Schussenrieder Brauerei mit erfreulicher Entwicklung
Angela Wallner von der Schussenrieder Brauerei teilte uns dazu mit: „Die außergewöhnlich heißen Wochen mit Temperaturen deutlich über der 30-Grad-Marke haben der Schussenrieder Brauerei einen sehr erfolgreichen Sommer beschert. Die Nachfrage nach Bier, Radler und alkoholfreien Bieren ist in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Besonders das naturtrübe Schussenrieder Radler sowie der Schussenrieder Cola-Mix erfreuen sich bei den sommerlichen Temperaturen großer Beliebtheit.“
Die Hitze wirkt sich, so Wallner, spürbar auf die Wahl der Getränke aus. „Wenn es über einen längeren Zeitraum so heiß ist, greifen die Menschen vermehrt zu kühlen Getränken. Das merken wir sowohl in der Gastronomie als auch im Getränkefachhandel und bei den Festen, die wir beliefern“, erklärt die Schussenrieder Brauerei. Demnach haben Biergärten, Grillabende, Vereinsfeste und zahlreiche Veranstaltungen in der Region zusätzlich für eine hohe Nachfrage nach regionalen Getränken gesorgt.
Für die Brauerei brachte die WM dagegen keinen Schub: „Wie zu erwarten war, hatte die derzeit laufende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA dagegen nur einen geringen Einfluss auf den Getränkeabsatz. Aufgrund der Zeitverschiebung finden viele Spiele erst spät am Abend oder in der Nacht deutscher Zeit statt, sodass Public-Viewing-Veranstaltungen vielfach ausbleiben. Hinzu kommt das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft, wodurch das Interesse vieler Fußballfans spürbar nachgelassen hat. In diesem Jahr ist eindeutig das Wetter der wichtigste Absatzmotor und nicht die Fußball-Weltmeisterschaft. Die hochsommerlichen Temperaturen sorgen dafür, dass die Menschen mehr Zeit im Freien verbringen und sich gerne mit regionalen Bieren und Erfrischungsgetränken versorgen“, so die Schussenrieder Brauerei.
Wallner betont, dass die positive Entwicklung alle Vertriebskanäle betreffe. Sowohl die Gastronomie als auch der Getränkefachhandel profitierten von der anhaltend hohen Nachfrage. Für die familiengeführte Brauerei aus Bad Schussenried ist dies ein erfreuliches Signal und zugleich ein Zeichen dafür, dass regionale Qualität und kurze Wege bei den Verbrauchern weiterhin hoch im Kurs stehen.
Mit Blick auf die kommenden Sommerwochen zeigt sich die Schussenrieder Brauerei optimistisch. Sollte das warme Wetter anhalten, rechnet das Unternehmen auch weiterhin mit einer starken Nachfrage nach seinen Bierspezialitäten sowie den alkoholfreien Erfrischungsgetränken.
Berg Brauerei: Weizenbiere besonders gefragt
Auch bei der Berg Brauerei in Ehingen-Berg macht sich die anhaltende Sommerhitze deutlich bemerkbar. Vor allem an heißen Tagen und vor Wochenenden steigt nach Unternehmensangaben die Nachfrage, wenn sich viele Menschen zum Grillen, zu Gartenfesten oder anderen gemeinsamen Aktivitäten im Freien treffen.
Besonders gefragt seien derzeit alle Bierspezialitäten der Brauerei. Eine besonders starke Entwicklung verzeichnen die vier Weizenbierspezialitäten, die an warmen Tagen besonders häufig nachgefragt würden.
Die hohen Temperaturen wirken sich auch auf den Brauereibetrieb aus. Zwar steige der Kühlbedarf etwas an, dieser halte sich jedoch in Grenzen. Grund dafür seien die einzeln isolierten Reifetanks, die die erforderlichen Temperaturen zuverlässig halten. Zudem werden die Kühlanlagen zu einem großen Teil mit Strom aus den eigenen Photovoltaikanlagen betrieben. Gerade an sonnigen Tagen erzeugen diese besonders viel Energie, sodass sich der zusätzliche Kühlaufwand weitgehend ausgleichen lasse.
Zwiefalter Klosterbräu: Positive Entwicklung trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen
Geschäftsführer Peter Baader zieht zur Fußball-Weltmeisterschaft ein erwartbares Fazit: „Aufgrund des frühen Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft sowie der für viele Verbraucher wenig attraktiven Anstoßzeiten hat uns die WM nicht die erhofften zusätzlichen Absatzimpulse gebracht. Dennoch sind wir als Brauerei mit der aktuellen Geschäftsentwicklung sehr zufrieden.“
Wie Baader mitteilte, konnte die Zwiefalter Brauerei bei Bier, Radler und alkoholfreien Getränken leichte Zuwächse erzielen. „Diese Entwicklung ist insbesondere auf die anhaltend guten klimatischen Bedingungen und die damit verbundene hohe Nachfrage nach erfrischenden Getränken zurückzuführen. Besonders erfreulich entwickeln sich das 1521, das 1521 alkoholfrei, das Kristallweizen sowie die Schwäbischen Alb-Schorlen, die jeweils zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Damit bestätigen diese Produkte den anhaltenden Trend zu regionalen Bierspezialitäten und alkoholfreien Alternativen, die sich durch einen eigenständigen Charakter, eine klare Markenidentität sowie ein hohes Produkt- und Qualitätsversprechen auszeichnen“, so der Brauerei-Chef.
Die Hitze ist aber für die Brauerei nicht nur ein Segen, wie Baader mitteilte: „Herausfordernd bleibt der Fassbierbereich, da die zu hohen Temperaturen die Gastronomie und viele Tagesveranstaltungen vielerorts belasten. Dennoch entwickelt sich der Fassbierumsatz bei uns dank zahlreicher gut besuchter Feste, Veranstaltungen und regionaler Events insgesamt leicht positiv. Trotz der weiterhin angespannten weltwirtschaftlichen Lage und anhaltend hoher Energie- und RHB-Kosten (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) setzt die Brauerei auf Verlässlichkeit und Stabilität. Um Handel, Gastronomie und Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, werden die Abgabepreise derzeit nicht erhöht.“
Insgesamt blickt die Brauerei optimistisch auf die kommenden Monate und sieht sich mit ihrem breit aufgestellten Sortiment sowie der starken regionalen Verankerung gut für die Zukunft aufgestellt.
Im Brauhaus-Wirtshaus ab sofort längere Küchenzeiten
Auf die hohen Temperaturen und die damit verbundene Verlagerung vieler Aktivitäten in die Abendstunden hat das Brauhaus-Wirtshaus reagiert und das gastronomische Angebot erweitert. „Ab sofort bieten wir unsere durchgängige warme Küche von Montag bis Samstag bis 22 Uhr an“, teilt Baader dazu mit. Am Sonntag, dem umsatzstärksten Tag, wird die warme Küche um 20 Uhr beendet. Baader begründet: „Damit wollen wir auch künftig die gewohnt hohe Qualität unseres Angebots sicherstellen und unser Küchenteam nachhaltig entlasten. Dienstag haben wir Ruhetag.“
Wie der Brauerei-Chef betont, werden die Gäste aber auch nach Küchenschluss versorgt: „Kalte Speisen wie bunte Salatteller, Wurstsalate können auch nach Küchenschluss bestellt werden. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen allen Gästen eine genussvolle Sommerzeit in unserer Brauereigastronomie mit frischem Tankbier.“