Abguss des „Denkmal der grauen Busse“ in Hadamar

Mitte Oktober wurde ein Abguss des Weissenauer „Denkmal der grauen Busse“ feierlich im hessischen Hadamar eingeweiht.
Mitte Oktober wurde ein Abguss des Weissenauer „Denkmal der grauen Busse“ feierlich im hessischen Hadamar eingeweiht. (Bild: ZfP Südwürttemberg)

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Ein Abguss des „Denkmal der grauen Busse“ des ZfP Südwürttemberg wurde in Hadamar feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Das Denkmal, das an die Opfer der NS-„Euthanasie“ erinnert, gehört nun bleibend zur Erinnerungskultur Hessens.

Bereits von Mai 2018 bis Januar 2019 war der mobile Teil des Weissenauer Denkmals – damals das Original – an dem historischen Ort in Hessen aufgebaut. Seitdem ist einiges passiert.

Vier Jahre intensiver Arbeit liegen hinter dem Rathaus der hessischen Stadt Hadamar nahe Limburgs, hinter der Stadtverordnetenversammlung, den engagierten Angehörigen von „Euthanasie“-Opfern, dem Förderverein der Gedenkstätte und vielen Unterstützenden.

Während der Veranstaltung Mitte Oktober an der intensiv befahrenen „Neuen Chaussee“ der Stadt, spürte man die Erleichterung aller Beteiligten, die sich für die dauerhafte Etablierung dieses Denkmals zur Erinnerung an die Opfer der „Euthanasie“ in den Jahren des Nationalsozialismus in ihrer Stadt eingesetzt hatten.

In einem umfassenden Akt und umrahmt von passender musikalischer Begleitung wurde der in Bad Kissingen hergestellte Abguss, eine Kopie des Weissenauer Denkmals, der Öffentlichkeit Hadamars übergeben. Beeindruckend war die deutlich sichtbare politische Begleitung durch Angela Dorn, hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, sowie Dr. Roman Poseck, hessischer Minister der Justiz, die die Bedeutung der Erinnerungskultur für Land und Regierung hervorhoben.

Deutlicher Zuspruch erfolgte auch durch die Vertreter des Landeswohlfahrtsverbands Hessen, der T4-Gedenkstätte Hadamar, des genannten Fördervereins, durch die Künstler Dr. Horst Hoheisel und Andreas Knitz, sowie die Eigner des Denkmals der grauen Busse, dem ZfP Südwürttemberg und der Stadt Ravensburg, vertreten durch Prof. Dr. Thomas Müller.

Einer der beeindruckendsten Momente des Akts der Denkmal-Übergabe in Hessen war, als Schüler der berufsbildenden Friedrich-Dessauer-Schule Limburg unter Begleitung ihres Direktors Stefan Laux zwei Biografien von „Euthanasie“-Opfern vorstellten. Denn die Gruppe hatte – als Experten des Straßenbaus – den neu geplanten Standplatz für das Denkmal der grauen Busse in Form eines kleinen Parks in den letzten Monaten selbst gestaltet.

Der Standort an der Kreuzung der Straßen „Neue Chaussee“ und „Am Bahnhof“ führt direkt zum Standort des heutigen Vitos-Klinikums Hadamar mit integrierter Gedenkstätte der „T4-Tötungseinrichtung“ Hadamar. In dieser Einrichtung wurden mehr als 15.000 Menschen mit Gas ermordet.

Hier wurden auch die Patienten des letzten Transports mit Weissenauer Patienten von „medizinischem“ Personal vor Ort getötet, nachdem die Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb ihre Funktion bereits eingestellt hatte.

Diese historische Verbindung zwischen Ravensburg-Weissenau und Hadamar wiegt schwer und könnte enger kaum sein. Das Engagement der Stadt Hadamar mündet in den nächsten Jahren in einer umfassenden Renovierung und Neugestaltung der „Gedenkstätte Hadamar“.

(Pressemitteilung: ZfP Südwürttemberg)