Ukrainische Flüchtlinge ziehen ins Vita-Hotel

Ukrainische Flüchtlinge ziehen ins Vita-Hotel
Im Vita-Hotel in Aulendorf sollen ab September Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht. (Bild: Wochenblatt)

Durch den vermehrten Zuzug von ukrainischen Flüchtlingen wird nun auch in Aulendorf eine Unterbringung von geflüchteten Menschen notwendig. Dafür hat die Stadt das Vita-Hotel angemietet. Bei einer Informationsveranstaltung gab Bürgermeister Matthias Burth nun Details bekannt.

Nachdem die Flüchtlinge im Kreis zunächst durch das Landratsamt Ravensburg untergebracht wurden, werden diese nun nach und nach in die Städte und Gemeinden des Landkreises verlegt. Die Verteilung erfolgt nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“. Demnach muss Baden-Württemberg etwa 13 Prozent der nach Deutschland geflüchteten Ukrainer aufnehmen.

Entsprechend der Einwohnerzahl werden die Geflüchteten dann auf die einzelnen Landkreise und Gemeinden aufgeteilt. So liegt die Aufnahmequote für den Kreis Ravensburg bei 3,0 Prozent. Von diesen 3,0 Prozent muss die Stadt Aulendorf wiederum 3,5 Prozent an Flüchtlingen aufnehmen.

Bürgermeister Burth lieferte dazu auch konkrete Zahlen: Laut Jahresprognose müssen in Aulendorf entsprechen der Quote 348 Personen untergebracht werden. Zum 30.06.2023 befanden sich insgesamt 203 Geflüchtete in Aulendorf, davon sind 88 Personen Flüchtlinge aus anderen Ländern wie Syrien und 115 Personen Flüchtlinge aus der Ukraine. Um die Aufnahmequote zu erfüllen, müssen somit noch 145 Geflüchtete aufgenommen werden.

Auf der Informationsveranstaltung informierte die Stadt über die Unterbringung.
Auf der Informationsveranstaltung informierte die Stadt über die Unterbringung. (Bild: Wochenblatt)
Auf einer Folie wurden die konkreten Zahlen zur Aufnahme geflüchteter Personen gezeigt.
Auf einer Folie wurden die konkreten Zahlen zur Aufnahme geflüchteter Personen gezeigt. (Bild: Wochenblatt)

Vita-Hotel wird von der Stadt zur Unterbringung angemietet

Die Anmietung des Vita-Hotels war ein langer Prozess, betont Burth. Zuerst war eine Anmietung über den Landkreis geplant. Diese Pläne wurden nicht umgesetzt, sodass nun die Stadt Aulendorf das Hotel direkt anmietet.

Die Belegung des Hotels soll in zwei Chargen erfolgen. Am 01.09. und 15.09. werden insgesamt rund 80 bis 90 Personen im Vita-Hotel einziehen. So soll das Defizit bei der Aufnahmequote aufgeholt werden. Die Belegung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Mit dem Hotel-Eigentümer wurde vereinbart, dass im Hotel nur Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht werden.

Konkret werden im Hotel das Erdgeschoss und der erste Stock für zwei Jahre angemietet. Es besteht die Option auf ein weiteres Jahr Verlängerung.

Im Vita-Hotel werden Erdgeschoss und der erste Stock angemietet.
Im Vita-Hotel werden Erdgeschoss und der erste Stock angemietet. (Bild: Wochenblatt)

Im Erdgeschoss sind ein Begegnungsraum sowie ein Büro für die Sozialbetreuung vorgesehen. Für die Betreuung der Geflüchteten soll eine 50-Prozent-Stelle mit Caritas-Trägerschaft im Integrationsmanagement geschaffen werden. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass es in Aulendorf dank des Integrationsmanagements bisher kaum Zwischenfälle mit Geflüchteten gab.

Geflüchtete sollen sich selbst versorgen

Die untergebrachten Personen sollen sich im Vita-Hotel selbst versorgen. Eine Verpflegung ist nicht vorgesehen. Ein Großteil der Zimmer hat eine Küchenzeile und einen Kühlschrank, für Zimmer ohne Küchenzeile gibt es eine Gemeinschaftsküche. Im Keller werden außerdem Waschmaschine und Trockner untergebracht.

Utensilien für den täglichen Gebrauch, wie Töpfe, Geschirr oder Matratzen bringen die Geflüchteten bereits aus ihrer letzten Unterkunft mit.

Die geflüchteten Personen sollen sich selbst versorgen.
Für die geflüchteten Personen ist eine Selbstversorgung geplant. (Bild: Dan Dalton // iStock / Getty Images Plus)

Die Kosten für die Hotelmiete trägt die Stadt Aulendorf. Entsprechend dem Königsteiner Schlüssel wird dafür eine anteilige Soforthilfe als finanzielle Entschädigung vom Land gezahlt. Sämtliche anderen anfallenden Kosten, wie beispielsweise Nebenkosten und Hausmeisterkosten werden vom Jobcenter durch das Bürgergeld bezahlt, das den Geflüchteten zusteht. Sollten diese eine Erwerbstätigkeit eingehen, müssen sie diese Kosten selbst tragen.

Integrationsmaßnahmen sind wichtig

Neben der Sozialbetreuung vor Ort ist auch eine FSJ-Stelle als Unterstützung geplant. Ebenso soll eine Alltagshelferin, die die Sprache spricht, unterstützend eingesetzt werden.

Für die Flüchtlinge besteht die Pflicht, Integrationskurse zu besuchen. Cornelia Glaser, die Integrations- und Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Aulendorf, wies allerdings darauf hin, dass viele der Kurse, die die VHS Oberschwaben anbietet, bereits voll seien.

Betreuung von Kindern noch offen

Die Betreuung der Flüchtlingskinder ist nur zum Teil geklärt. Während Grundschulen und weiterführende Schulen noch Plätze freihätten, sähe die Situation in den Kindergärten anders aus. Hier gäbe es wenige bis keine Plätze. Burth zog daher die Möglichkeit eines niederschwellige Betreuungsangebots im Begegnungsraum des Hotels in Betracht.

Wie die Kinder der Flüchtlingsfamilien betreut werden, steht noch nicht fest.
Wie die Kinder der Flüchtlingsfamilien betreut werden, steht noch nicht fest. (Bild: romrodinka // iStock / Getty Images Plus)

Bürgermeister Burth ruft zu Engagement auf

Auf Nachfrage gab Burth bekannt, dass derzeit ist kein Sicherheitsdienst oder Ordnungsdienst vorgesehen sei, da hierfür keine Erforderlichkeit gesehen wird. Die Situation und Entwicklung vor Ort würde aber genau beobachtet.

Auch die Polizei in Altshausen und Weingarten sei über die Unterbringung informiert. Der Bürgermeister bat darum, eventuelle Ruhestörungen oder Ähnliches sofort zu melden, „um früh gegensteuern zu können.“

Außerdem rief er dazu auf, aktiv den Kontakt zu den Geflüchteten zu suchen. Einwohner, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, seien ebenfalls herzlich willkommen. Burth betont: „Wir freuen uns über jede Art von Unterstützung.“ Denn die Bereitschaft zur Unterstützung aus der Bevölkerung habe deutlich nachgelassen.

Freiwillige könnten beispielsweise Unterstützung bei Arztbesuchen oder Behördengängen leisten, bei der Kinderbetreuung helfen oder Fahrdienste anbieten. Sachspenden seien hingegen nicht nötig.

(Quelle: Informationsveranstaltung Stadt Aulendorf)