Pilotprojekt ist in der Testphase Moderne Technik hilft Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

Moderne Technik hilft Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf
Rebecca Pischel vom Fachzentrum Hegenberg der Stiftung Liebenau an der enna-Docking-Station. (Bild: Stiftung Liebenau)

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Die digitale Teilhabe für Menschen mit Einschränkungen steht im Zentrum einer Zusammenarbeit der Stiftung Liebenau mit dem Münchner Startup enna. Enna hat sich auf eine Technik spezialisiert, von der besonders schwer beeinträchtigte Menschen profitieren können. Bereits seit einem halben Jahr läuft die Testphase, nun gibt es erste Zwischenergebnisse. Das Projekt wird von Aktion Mensch gefördert.

Teilhabe ohne Digitalkompetenz

24 Geräte wurden von enna dem Wohn- und Werkstattbereich der Stiftung Liebenau kostenlos zur Verfügung gestellt. Das ursprünglich für Seniorinnen und Senioren konzeptionierte Gerät, für die das Bedienen digitaler Geräte und Anwendungen zu kompliziert ist, da oftmals die digitale Grundkompetenz für das Bedienen von Smartphones und Tablets fehlt, wird nun in dem Pilotprojekt von Menschen mit Behinderungen getestet.

Einfache Bedienung eröffnet digitale Welt

Durch das Auflegen von bedruckten haptischen Karten auf eine Docking-Station können die Nutzerinnen und Nutzer das Tablet weitgehend selbstständig bedienen. Bei den enna-Cards handelt es sich um NFC-Karten (NFC= Near Field Communication, eine Technik der elektromagnetischen Induktion), die mit eindeutigen Befehlen versehen sind wie „Paul anrufen“, „Fotos von Julia“ oder „Tagesschau“. Werden diese Karten auf das enna-Dock aufgelegt, wird der Befehl auf dem Tablet sofort ausgeführt. Dank dieses niederschwelligen Bedienkonzepts ermöglicht enna den Zugang zu digitalen Inhalten wie Kommunikation, Unterhaltung oder Unterstützung (Videotelefonie, digitale Fotoalben, YouTube-Videos, Podcasts etc.) ohne komplizierte Menüstrukturen.

Zwischenbilanz

Rebecca Pischel, die die Tagesstruktur im Fachzentrum in Hegenberg leitet, ist begeistert von dem Konzept, da auch Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf sofort Ursache und Wirkung erkennen. „Mit enna können die Menschen selbstständig ihre Freizeit gestalten. Es hilft gegen Langweile, aber auch zur Entspannung gibt es spezielle Karten, da die Karten individuell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen sind“, so Pischel. Für Beschäftigte der Liebenauer Arbeitswelten, die in der Regel Smartphones und Tablets bedienen können, sind die Vorteile nach Einschätzung von Gruppenleiter Harald Hummler weniger groß.

Digitale Teilhabe ist ein Muss für Inklusion

Alle Projektbeteiligten sind sich aber einig: Digitale Teilhabe für Menschen mit Behinderungen ist wichtig, um ihre Selbstständigkeit, soziale Teilhabe und Chancengleichheit in der digitalen Welt zu fördern. „Wir sind überzeugt, dass dieses Pilotprojekt mit enna einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Inklusion und zur Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen leisten wird“, so Kim Raab, Projektverantwortliche Digitale Innovation der Stiftung Liebenau. Die Testphase läuft noch bis September 2024. Wie es danach weiter geht, ist noch nicht geklärt. Fest steht aber, dass einige Angehörige inzwischen nicht mehr auf die enna-Cards verzichten wollen.

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)