AMD: Das Riedlinger „Jahrhundert-Projekt“ – Ein Kommentar

AMD: Das Riedlinger „Jahrhundert-Projekt“ – Ein Kommentar
Ob das Ambulant-Medizinische-Dienstleistungszentrum (AMD) in Riedlingen jemals gebaut wird, steht in den Sternen. Die Verwaltung sagt nichts, der Gemeinderat und die Bürger wissen nichts // Symbolbild. (Bild: sudok1/ iStock / Getty Images Plus)

Im Jahre 2012 hat der Biberacher Kreistag die Mehrheitsbeteiligung an den Kreiskliniken an den Gesundheitskonzern Sana-Kliniken AG verkauft. Schon von Beginn an war klar, dass dies das Aus für die kleinen Häuser in Laupheim und Riedlingen bedeuten würde.

Die schon im April 2012 gegründete Bürger-Initiative zum Erhalt des Riedlinger Krankenhauses, kämpft seither darum, für die Bevölkerung der Stadt und des flächenmäßig riesigen Einzugsgebietes eine adäquate medizinische Versorgung zu ermöglichen. Ging es anfangs noch um den Bestand des Krankenhauses, geriet nach Übernahme der Kreis-Kliniken durch die Sana AG eine teilstationäre Versorgung in den Fokus.

Dazu wurde nach langen Jahren und zähflüssigen Verhandlungen von den beteiligten Akteuren ein Ambulant-Medizinisches-Dienstleistungszentrum (AMD) geplant. Die Stadt wollte zunächst den Bau selbst stemmen, doch eine Gemeinderatsmehrheit kassierte Mitte des Jahres 2022 diese Idee. Eine Ausschreibung für Investoren folgte. Fristablauf für ein Angebot, war der 22. Dezember 2022, also vor knapp 10 Monaten.

Das große Schweigen

Wer gedacht hatte, dass damit endlich Bewegung in die Angelegenheit kommen würde, muss sich verwundert die Augen reiben. Weder Gemeinderatsmitglieder noch die Presseorgane wissen, was hinter verschlossenen Türen passiert. „Es ist ein schwebendes Verfahren“, äußerte sich Bürgermeister Marcus Schafft auf Nachfrage. Der Schwebezustand dauert nun bald 10 Monate und hinterlässt Fragen: Hat die Verwaltung überhaupt Interesse, dass die Bürger der Stadt und Raumschaft eine passable Gesundheitsversorgung erhalten? Warum dauert dieser Prozess so lange?

Dass Verwaltungen keine Rennpferde sind, ist bekannt. In Riedlingen scheint aber ein ganz langsamer „Ackergaul“ vor den Wagen gespannt zu sein. Es ist schlicht unerträglich, dass die Stadt nicht in die Gänge kommt. Statt rumzueiern, wäre es vom Bürgermeister ehrlicher, klipp und klar zu sagen, ob das AMD überhaupt noch gewollt ist. Von der Langsamkeit der Verwaltung wird sogar der Gemeinderat beschädigt, der genau so viel weiß, wie die Öffentlichkeit, nämlich nichts!

Dass 11 Jahre nach dem Verkauf der Kreiskliniken noch immer keine Klarheit herrscht, ist ein Armutszeugnis und beschreibt nachdrücklich, wie wenig lösungswillig diese Verwaltung ist. Sollte ein, oder mehrere Investoren das AMD immer noch bauen wollen, ist dies mittlerweile ein teures Vergnügen geworden. Seit dem Beschluss, das AMD nicht unter städtischer Regie umzusetzen, haben sich die Zinsen mehrfach (neun Schritte) erhöht. Die Verwaltung scheint dies aber nicht zu stören. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gesundheitsversorgung für die Raumschaft mittlerweile die Anmutung ein „Jahrhundert-Projekts“ hat.      

Der Landrat muss eingreifen

Es wäre höchste Zeit, dass Landrat Mario Glaser der Riedlinger Verwaltung (nicht nur) in dieser Sache mal ordentlich Dampf macht. Es kann und darf nicht sein, dass die Bürger der Raumschaft Riedlingen weiterhin und dauerhaft von einer adäquaten Gesundheitsversorgung vor Ort ausgeschlossen bleiben.

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