Zwischen Hängepartie und Einigung Mediale Schlachten um das AMD

Mediale Schlachten um das AMD
Beim Spatenstich zum AMD waren die derzeitigen Auseinandersetzungen noch nicht zu ahnen. (Foto: Maximilian Kohler)

Seit zwei Tagen tobt in den sozialen Medien ein Krieg um die Meinungshoheit über die Gewinnung von weiteren Ärzten für das AMD (Ambulant Medizinische Dienstleistungszentrum). In einem regelrechten Pingpong-Spiel gibt es immer neue Mitteilungen von Seiten der Investoren und der Stadt. Mittlerweile hat sich auch die Tagespresse auf Bitten der Stadt eingeschaltet. Diese Berichterstattung wiederum gibt aus Sicht der Investoren nicht vollumfänglich die Wahrheit wieder. Pikant, zum Pressegespräch war nur die Tagespresse geladen, Wochenblatt-Media blieb außen vor.

Der Reihe nach

Offensichtlich wurde den Investoren ein Brief der Verwaltung zugestellt, wonach die Stadt und die Fraktionssprechermehrheit es ablehnt, Teileigentum im AMD für die Gewinnung einer Kinderärztin zu erwerben. Diese stand schon in den Startlöchern, dies wurde bereits bei der Besichtigung „Auf eine Brezel“ beim AMD im Dezember deutlich formuliert. Als Lösung wurde damals der Weg über die Hospitalstiftung vorgeschlagen. Hintergrund dieses Vorschlages ist die Marktsituation. Konkurrierende Städte wie Bad Saulgau haben nicht nur Eigentum (Krankenhaus) erworben, sondern bieten zusätzlich zur Gewinnung neuer/zusätzlicher Ärzte/Fachärzte deutlich abgesenkte Mieten an. Mieten, die beim Neubau des AMD so nicht darstellbar sind.

Das Schreiben sorgte bei den Investoren für Frust, denn die schon in trockenen Tüchern geglaubte Niederlassung der Kinderärztin hat sich somit wohl zerschlagen.

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Dies rief die Ärzte in Ertingen auf den Plan, die auch auf eine deutliche Verbesserung der ärztlichen Versorgung in der Raumschaft Riedlingen gehofft hatten. Sie posteten Ihre deutliche Meinung ebenfalls öffentlich.

Diese Posts riefen den stellvertretenden Bürgermeister Joachim Reis auf den Plan, der uns eine Nachricht schickte. Das Schreiben finden Sie in vollem Umfang als Link unter dem Bericht.

Gestern Abend wurde nun eine neu Eskalationsstufe gezündet. Im Internet wurde in einem Bericht der Tagespresse auf die Erwiderung der Stadt eingegangen. Dazu war die Berichterstatterin, dem Artikel zufolge, am Dienstag mit Reis im Gespräch.

Der Inhalt des Berichtes stieß bei den Investoren auf wenig Beifall. Umgehend erfolgte ein Schreiben an die Tagespresse das wir unsererseits nicht bewerten wollen. Dabei wird die Tageszeitung zu einer Richtigstellung, oder der Veröffentlichung der Pressemitteilung der S1 GmbH aufgefordert.

Stellt sich nur die Frage, ob und wie Bürgermeister, Gemeinderat und Investoren die Kuh vom Eis holen wollen und zeitnah eine tragfähige, zukunftsgerichtete und breit aufgestellte Gesundheitsversorgung für Riedlingen auf die Beine stellen wollen.

Kommentar: Zeit die Hängepartie zu beenden und zu einer Einigung zu finden

Jetzt rächen sich Versäumnisse der Vergangenheit. Zu viel Zeit wurde mit Glaubenskriegen und Streitereien um die besseren Argumente verplempert, statt zu handeln. Derweil steht die Gesundheitsversorgung von Riedlinge vor dem Kollaps. Bei den Gynäklogen ist mittelfristig eine Diaspora zu erwarten, Hausärzte haben bereits jetzt einen Aufnahmestopp, bei den Zahnärzten ist dies auch der Fall. Bei den beiden Berufsgruppen stehen einige Ärzte kurz vor der Rente, was dann? Die Fachärzteversorgung ist nur in homöopathischen Dosen vorhanden.

Wann begreifen Verwaltung und Räte, dass Sie Verantwortung für die Bürger haben. Davon ist leider viel zu wenig spürbar. Da werden lieber Grabenkämpfe mit den Investoren gefochten, als sich der Problemlösung zu widmen. Alles das auch noch nichtöffentlich! Statt die Bevölkerung mitzunehmen, wird quasi im Hinterzimmer eine, die Öffentlichkeit interessierende Angelegenheit diskutiert und verhandelt. Ein echter Wille zu einer schnellen Lösung, so wie es die Saulgauer Kollegen zeigten, ist weder erkenn- noch absehbar.

Dabei wäre doch die Hospitalstiftung die Lösung. Hier liegen 2 Millionen auf der hohen Kante. Es würde dem Stiftungszweck entsprechen, wenn hier Mittel eingesetzt würden. Bei einer Inflationsrate von drei Prozent verbrennt derzeit die Stiftung 60.000 Euro jährlich, Geld, das besser in eine gute Gesundheitsversorgung investiert werden sollte.

Was die Ärztegewinnung anbetrifft, bleibt festzustellen, dass weder die Verwaltung (Bürgermeister und Wirtschaftsförderin), noch die Ratsmehrheit ihren Ämtern gerecht werden. Es scheint, als ob sie genüsslich zuschauen, wie sich Dr. Jung die Hacken abrennt, um weitere Ärzte und Fachärzte  für eine bessere Gesundheitsversorgung für die Bewohner im Raum Riedlingen zu ermöglichen.

Besser wäre es gewesen, wenn von vorherein die Hospitalstiftung das AMD gebaut hätte. Ob dann der Bürgermeister, seine Wirtschaftsförderin und der Gemeinderat mehr „Gas“ für die Entwicklung gegeben hätten, wir wissen es nicht. So wie es jetzt ist, ist es aber ein echtes Trauerspiel.

Verlierer sind die Patienten der Region, die vergeblich auf eine bessere medizinische Versorgung hoffen. Deshalb der Appell an Verwaltung, Gemeinderat und Investoren: Vergesst die Scharmützel der Vergangenheit, einigt Euch und liefert endlich Ergebnisse!