Am 21. August veröffentlichten wir einen Bericht zum schleppenden Glasfaserausbau in Baden-Württemberg. Mit Konrad Matheis (Chief Operating Officer, COO, Fiber Europe Management GmbH) meldete sich nun ein Kenner dieses Wirtschaftsbereichs bei uns. Er sieht die Situation im „Ländle“ gleich kritisch, wie im Bericht dargestellt, hat aber eine Lösung für einen beschleunigten Ausbau parat.
Matheis kommentierte zunächst die Ausführungen von MdL Thomas Dörflinger: „Der Abgeordnete spricht in seiner Stellungnahme nicht von Glasfaser, sondern von Gigabit-Verfügbarkeit. Das ist aber nicht dasselbe, ein Vergleich ist deshalb nicht zulässig. Die Gigabit-Verfügbarkeit beinhaltet u.a. auch alte Koax-Kupferstrukturen (Kabel), was keinem Glasfaser-Anschluss entspricht.“
Seine Analyse des derzeitigen Ausbaus ist eindeutig: „Der eigenwirtschaftliche Ausbau trägt in Deutschland einen sehr großen Teil im Glasfaserbereich (siehe Breko-Marktanalyse). Doch dieser ist gegenüber den anderen Bundesländern in Baden-Württemberg und Bayern fast zum Erliegen gekommen. Viele TKU (Telekommunikations-Unternehmen) wie Deutsche Glasfaser, Deutsche Giganetz [KM1] und andere ziehen sich zurück. Warum? Nun, in Baden-Württemberg und Bayern werden die Gehwege oft asphaltiert und nicht wie in anderen Bundesländern gepflastert. Damit steigen die Ausbaukosten und -aufwendungen wegen der Entsorgung, neuem Asphalt etc. stark an. Mit dem Ergebnis, dass diese Länder Schlusslichter sind.“
Der Experte räumt zwar ein, dass Baden-Württemberg Milliarden investiert, aber das sei, so Matheis, nur die halbe Wahrheit und nur ein kleiner Teil der Flecken-Förderung. „Die meisten TKU bauen nur noch in den Bereichen mit Förderung, um nicht unwirtschaftlich zu werden. Deshalb steigt die Ausbau-Quote in Baden-Württemberg in den letzten Jahren nicht oder immer weniger,“ so Mattheis.
Schnellerer Ausbau wäre möglich
Matheis ist der Ansicht, dass es Ausbauverfahren braucht, die den eigenwirtschaftlichen Ausbau in den südlichsten Bundesländern wieder wirtschaftlich machen. Er verweist dabei auf das Ausbauziel[KM2] : Es stehen noch ca. 60 Prozent Ausbau an und diese werden nicht einfacher als die ersten 40 Prozent.“ Er schlägt deshalb vor, den Glasfaser-Ausbau nach DIN18220 und deren Methoden zur Dynamisierung des Glasfaserausbaus zu forcieren!
Schneller und effizienter Ausbau
Auf der Homepage der von Matheis vertretenen Firma Fiber Europe (https://fiber-europe.com) wird das Stufenschleif-Verfahren nach DIN beschrieben: Bei der Herstellung des Stufenschlitzgrabens wird mittels Schleifverfahren ein T-förmiger Stufenschlitz ausschließlich in der befestigten Oberfläche (Asphalt) geführt. Die Asphaltdecke der Straße wird beim Einschleifen des Stufenschlitzgrabens nicht durchtrennt und somit der Straßenaufbau/-unterbau nicht berührt. Im T-förmigen Stufenschlitzgraben Verlege- und Verfüllraum sind die Glasfaserrohre im Verlegeraum in stressfreier Lage. Die Form ist so konzipiert, dass der Bereich der Rohrlagerung von äußerer Kräfteeinwirkung geschützt ist. Nach der Verlegung der Glasfaserrohre wird der Stufenschlitzgraben mit bitumenfreiem Asphalt verfüllt. Die verschiedenen Dimensionen des Stufenschlitzgrabens, welche nach Kundenwunsch variiert werden können, bieten die Möglichkeit des Verlegens verschiedener Kombinationen von Glasfaserrohren und -verbünden in der befestigten Oberfläche (Asphalt).
Dieses genormte Verfahren, ein genehmigungsfähiger Regelausbau nach TKG-(Telekommunikations-Gesetz), industrialisiert den Glasfaserausbau und spart dabei ca. 20-60 Prozent der Ausbaukosten (je nach Planung und Rohr-Konzept), sowie ca. 90 Prozent der CO2-Emissionen (gegenüber herkömmlichen Tiefbauverfahren).
Der Zeitvorteil ist, darauf verweist Matheis besonders, enorm. Mit diesem Verfahren sei ein ca. 10-20mal schnellerer Ausbau möglich. Statt 50 Meter am Tag und je Team können täglich bis zu 1.000 Meter je Team gebaut werden. Damit seien statt z.B. 5 bis 10 Hausanschlüsse zwischen 60 bis 90 Hausanschlüsse an einem Tag möglich.
Laufende Projekte als Referenz
Matheis präzisiert das Ausbauverfahren: „Wir schleifen unsere Stufenschlitze, d.h. wir graben, baggern oder fräsen bei diesem Verfahren nicht! Natürlich lassen sich nicht alle Straßen und Wege mit diesem Verfahren bearbeiten aber in der Regel jedoch mindestens 90-95 Prozent.“ Fiber-Europe ist derzeit wohl die einzige Firma in Deutschland, die dieses Verfahren aktuell beherrscht und einsetzt. Die Nachfrage steigt. So laufen derzeit u.a. Gespräche mit Landkreisen, Zweckverbände und Kommunen in Baden-Württemberg. Auch in Bayern oder Rheinland-Pfalz sind Verantwortliche auf diese schnelle Ausbaumethode aufmerksam geworden.“
Baustellen befinden sich aktuell u.a. im Landkreis Waldshut-Tiengen (Laufenburg) und im Neckar-Odenwald-Kreis. Über diese Form des Ausbaus informierte die Tagespresse:
Hochrhein-Zeitung, 11.09.2025: Glasfaserausbau in Stadenhausen beginnt mit „Anschliff“
Südkurier, 14.09.2025: Laufenburg: Stiegeler testet neue Technik für das Verlegen von Glasfaser in Stadenhausen
Hier gibt es umfangreiche Infos zum neuen Ausbauverfahren: