Glasfaser-Ausbau Verschläft Baden-Württemberg die digitale Zukunft?

Verschläft Baden-Württemberg die digitale Zukunft?
Beim Glasfaserausbau ist Baden-Württemberg im Ländervergleich am Tabellenende (Bild: Pixabay)

Neulich berichteten viele Nachrichtenkanäle über den Stand des Glasfaserausbaus in den Bundesländern. Ausgerechnet das Musterländle Baden-Württemberg rangiert im Tabellenkeller. Während Hamburg und Schleswig-Holstein mit über 90 Prozent an der Spitze sind, liegt Baden-Württemberg mit 33 Prozent auf dem vorletzten Platz, nur das Saarland schneidet mit 24 Prozent noch schlechter ab.

Sorgenkind Baden-Württemberg

Auf Tel-Tarif ist die Einschätzung von Jens Böcker (Beratungsfirma Böcker Ziemen) nachlesbar: „Wir haben eine unterschiedliche Landespolitik, was die Digitalisierung angeht. Die zukünftige Technologie Glasfaser ist in den nördlichen Bundesländern schneller angekommen“, erklärte Böcker bei der Präsentation der aktuellen Marktanalyse.“ Lt. Böcker ist Baden-Württemberg das große Sorgenkind des Südens. Hier legte die Quote der von 29 auf 32,8 Prozent zu. Die Glasfaseranschlussquote erhöhte sich sogar nur um 1,7 Prozentpunkte auf 14,8 Prozent. Im Nachbarland Bayern ist die Ausbausituation auch nicht rosig, aber immer noch deutlich besser als im Musterländle. Im Freistaat stieg die Ausbauquote im Jahresvergleich von 34,4 auf 42,8 Prozent. Die Beratungsfirma Böcker und Ziemen hatte im Auftrag der BREKO (Bundesverband Breitbandkommunikation) die Marktanalyse erstellt.

MdL Dörflinger: „Wir holen auf“

Wir wollten vom Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger (CDU) wissen, warum Baden-Württemberg im Ländervergleich am Ende der Vergleichstabelle landete. Der Abgeordnete dazu: „Die in den Medien verbreitete Darstellung greift zu kurz – der Glasfaser- und Gigabitausbau in Baden-Württemberg hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. So lag die Gigabit-Verfügbarkeit (alle Technologien, inkl. Glasfaser und modernisierte Kabelnetze) 2016 noch bei 1,4 Prozent der Haushalte, heute bei rund 76 Prozent. Beim „echten“ Glasfaseranschluss (FTTH/B) konnte die Verfügbarkeit von 10,9 Prozent Mitte 2022 auf 27,2 Prozent im Juli 2025 gesteigert werden – der schnellste Zuwachs aller Flächenländer in dieser Zeit. Damit liegen wir bei Gigabit über dem Bundesschnitt, bei Glasfaser holen wir schnell auf.“

Nach Dörflingers Worten wurde dieser Fortschritt durch massive Investitionen möglich: „Seit 2016 hat das Land 3,2 Mrd. € bereitgestellt, gemeinsam mit dem Bund rund 6,74 Mrd. €. Über 3.700 Projekte wurden gefördert, mit dem Glasfaserpakt Baden-Württemberg und Programmen wie „Gigabitkommune@BW“ treiben wir den Ausbau weiter voran.“

Wie der Abgeordnete mitteilte, sind die Bemühungen notwendig, da gerade im ländlichen Raum eine gute Versorgung mit schnellem Internet für viele Betriebe existenziell sein können. Er übt aber auch Kritik am schleppenden Ausbau: „Es gibt noch einiges zu tun und wir müssen auch beim Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur noch schneller vorankommen. Der politische Wille ist da, die Gelder sind im Haushalt eingestellt, die Umsetzung geschieht nach meiner Einschätzung noch zu schleppend.“