Kliniknotstand Unterfinanzierung, Personalmangel und Bürokratie bedrohen Gesundheitseinrichtungen

Unterfinanzierung, Personalmangel und Bürokratie bedrohen Gesundheitseinrichtungen
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Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), schlägt mit Blick auf die Ergebnisse des aktuellen BWKG-Indikators Alarm: „Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind unterfinanziert. Es fehlt an Personal und die Bürokratiebelastung ist unerträglich. Zusammen ergibt sich daraus eine zunehmend toxische Mischung für unsere Mitglieder.“ Der Indikator wird nach der Einschätzung der BWKG-Mitglieder zur aktuellen Lage ihrer Einrichtungen erstellt.

Scheffold verweist auch auf die wichtiger werdende Krisenvorsorge der Einrichtungen. Nach seinen Worten müssen Gesundheitseinrichtungen gut vorbereitet sein, um bei Pandemien oder militärischen Konflikten schnell reagieren zu können. „Wir hören viel davon, konkrete, mit Finanzmitteln unterlegte Planungen oder Handlungsanweisungen fehlen jedoch bislang“, beklagt Scheffold. Eine weitere Herausforderung stelle der Klimawandel für die Gesundheitseinrichtungen, deren Mitarbeiter und Patienten dar. Scheffold fordert gezielte Investitionen, um den Auswirkungen extremer Wetterereignisse und Hitzewellen entgegenzuwirken.

Bei einer Bevölkerungsumfrage des Bundesumweltamts hatten 81 Prozent der Befragten angegeben, dass ihnen der Zustand des Gesundheitswesens „sehr wichtig“ ist. Das war der höchste Wert in der Befragung. Die Ergebnisse des aktuellen Indikators zeigen deutlich, dass dies im politischen Handeln offensichtlich noch nicht angekommen ist.

Tiefrote Zahlen

„Die Bilanzen der Krankenhäuser im Land sind nach wie vor tiefrot“, so der BWKG-Vorstandsvorsitzende, der auch Landrat des Alb-Donau-Kreises ist. 64,6 Prozent der Krankenhäuser erwarten für das Jahr 2025 rote Zahlen. Die Sonderprogramme des Landes mit jeweils 150 Millionen Euro für die Jahre 2024 und 2025 führten zu leichten finanziellen Verbesserungen. Die angekündigten temporären Verbesserungen der Betriebskostenfinanzierung durch die neue Bundesregierung haben zusätzlich eine leichte Verbesserung der Prognosen für 2025 zur Folge.

„Viele Krankenhausträger im Land sind den schweren Weg zu umfassenden Strukturanpassungen gegangen, was zu einer bundesweit vorbildlichen Krankenhausstruktur geführt hat. Eine bessere Finanzlage hat das aber nicht zur Folge. Der Gesetzgeber muss dringend handeln! Die politisch gewollten Strukturanpassungen müssen auch finanziell honoriert werden, sonst wird die Strukturreform ins Leere laufen. Denn dann wird der Geldmangel die Strukturen und medizinischen Angebote bestimmen“, betont Scheffold.

Probleme bei Mitarbeitergewinnung

77 Prozent der Krankenhäuser haben mittlerweile Probleme, Pflegefachkräfte zu finden. Ähnlich sieht es bei freien Stellen im Funktionsdienst aus. Selbst im ärztlichen Dienst haben 53,6 Prozent der Krankenhäuser Probleme, freie Stellen neu zu besetzen.

„Eine stabile und ausreichende Finanzierung ist auch eine zentrale Voraussetzung dafür, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Arbeitsbedingungen bieten zu können“, so der Vorstandsvorsitzende. Für die Zukunft sieht Scheffold gute Arbeitsbedingungen als zentrale Anforderung. Gründe dafür erkennt er beim zunehmenden Konkurrenzkampf um gute Mitarbeiter, zudem werde die Suche nach Auszubildenden immer schwieriger.

Auch Reha-Kliniken in Not

„Die Reha-Kliniken brauchen einen gesetzlichen Anspruch auf eine leistungsgerechte Vergütung, der gegenüber den Kostenträgern auch tatsächlich durchsetzbar ist“, so Scheffold. Knapp 50 Prozent der Reha-Kliniken gehen davon aus, dass sie im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben werden.

„Die positiven Effekte einer guten Reha sind hinlänglich bekannt und auch, dass sich Reha in der Gesamtbetrachtung rechnet“, macht der BWKG-Vorstandsvorsitzende deutlich. Der Personalmangel bei den Reha-Kliniken ist, laut Scheffold, ebenso besorgniserregend wie bei den Kliniken. 73,7 Prozent der Reha-Klinikgeschäftsführungen haben Probleme, Stellen im ärztlichen Dienst neu zu besetzen. 65,3 Prozent der Reha-Einrichtungen haben Schwierigkeiten, Pflegefachkräfte zu finden; mit 68,4 Prozent bei Stellen im medizinisch-technischen Dienst und in Therapieberufen sieht es nicht viel besser aus.

Große Herausforderungen für Pflegeeinrichtungen

„Den Pflegeeinrichtungen fehlt es sowohl an Personal als auch an Geld“, resümiert Scheffold. Er fordert eine grundlegende Pflegereform mit besserer Finanzausstattung. Nach den Zahlen der BWKG notieren knapp ein Drittel der Pflegeeinrichtungen rote Zahlen.

„Die BWKG fordert schon lange eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung in Deutschland“, macht der BWKG-Vorstandsvorsitzende deutlich. Der Eigenanteil müsse, so Scheffold, stabil und planbar werden. Mehrkosten müssten solidarisch finanziert werden. Die Mitarbeitergewinnung gestaltet sich in den Pflegeeinrichtungen ebenfalls schwierig. 86,3 Prozent der Einrichtungen melden, dass es schwierig ist, offene Stellen für Pflegefachkräfte zu besetzen. Bei Pflegehilfskräften sind es 44,9 Prozent, im Ausbildungsbereich liegt die Quote bei 59,8 Prozent.

Endlich Bürokratieabbau

„Ein weiteres Muss ist, dass beim Bürokratieabbau endlich ernst gemacht wird“, so Scheffold abschließend. Pflegekräfte und Ärzte verbringen rund ein Drittel ihrer Arbeit mit Bürokratie – Zeit, die bei der Versorgung der Patienten oder Bewohner fehlt.

Hier geht es zur Bevölkerungsumfrage Umweltbewusstsein: Umweltbewusstsein in Deutschland 2024 – Kurzbericht zur Bevölkerungsumfrage