Prof. Dr. Thomas Seufferlein wird für ein Projekt zur Darmkrebsprävention ausgezeichnet. Im Fokus stehen die frühzeitige Erkennung des Lynch-Syndroms und eine bessere Versorgung Betroffener.
Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm (UKU), ist mit dem Felix Burda Award im Bereich Medizin und Wissenschaft ausgezeichnet worden. Die Ehrung erhielt er gemeinsam mit Ärzten des Universitätsklinikums Bonn, des Universitätsklinikums Leipzig und der Deutschen Krebsgesellschaft. Ausgezeichnet wurde das Projekt „Vom Risiko zur Pflicht: Genetische und tumorbasierte Identifikation als neue Säule der Darmkrebsprävention“. Der Preis wurde am 21. Juni 2026 bei einer Veranstaltung in Berlin verliehen.
Darmkrebs zählt in Deutschland bei Frauen und Männern zu den häufigsten Krebserkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurde die Krankheit im Jahr 2023 bei mehr als 55.000 Patienten diagnostiziert. Etwa jeder 20. Fall geht auf das sogenannte Lynch-Syndrom zurück.
Früherkennung soll Versorgung verbessern
Das Lynch-Syndrom ist eine erbliche Veranlagung, die mit einem deutlich erhöhten Risiko für Darmkrebs sowie Magen-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs verbunden ist. Da die genetische Veränderung autosomal-dominant vererbt wird, liegt das Risiko für Kinder von Betroffenen bei 50 Prozent. Menschen mit Lynch-Syndrom müssen deshalb deutlich früher mit Vorsorgeuntersuchungen wie einer Vorsorgekoloskopie beginnen als die Allgemeinbevölkerung.
Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland rund 300.000 Menschen Träger des Lynch-Syndroms. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch höher liegen, da die Erkrankung häufig unerkannt bleibt.
Mit dem ausgezeichneten Projekt soll diese Versorgungslücke geschlossen werden. Geplant ist eine flächendeckende Tumordiagnostik in zertifizierten Darmkrebszentren, um Betroffene frühzeitig zu identifizieren und ihr individuelles Krebsrisiko zu bestimmen. Dadurch soll nicht nur die Versorgung der Erkrankten verbessert werden, sondern auch die ihrer Angehörigen, die möglicherweise ebenfalls Träger des Lynch-Syndroms sind.
„Wenn wir frühzeitig wissen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs besteht, können wir mit einer engmaschigen Vorsorge Tumorentstehung verhindern – zumindest im Darm“, erklärt Prof. Dr. Seufferlein. „Unser erstes Ziel ist erreicht – eine flächendeckende Identifikation von Betroffenen mit Lynch-Syndrom. Unser nächstes Ziel ist es, dass die Vorsorgekoloskopie für Merkmalsträgerinnen eines Lynch-Syndroms in die Krebs-Früherkennungsrichtline aufgenommen wird, so dass alle Merkmalsträgerinnen einen Anspruch auf frühe (d.h. oft schon ab dem 20-25. Lebensjahr einsetzende) Krebsvorsorge erhalten.“
Vorteile auch für Familien
Eine frühe Diagnose kann auch Angehörigen helfen. Im Rahmen einer sogenannten Kaskadendiagnostik können Eltern, Geschwister und Kinder gezielt untersucht werden. So lässt sich feststellen, ob die genetische Veranlagung vererbt wurde und ob frühzeitig Vorsorgemaßnahmen eingeleitet werden sollten.
Modellanalysen zeigen, dass durch konsequente Prävention, genetische Testungen und Beratungen das Darmkrebsrisiko bei Angehörigen um mehr als 60 Prozent gesenkt werden kann. Die Mortalitätsrate lässt sich demnach um nahezu 80 Prozent reduzieren.
Über Prof. Dr. Thomas Seufferlein
Das Universitätsklinikum Ulm ist eines von 314 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Darmkrebszentren in Deutschland. Prof. Dr. Thomas Seufferlein leitet seit 2012 als Ärztlicher Direktor die Klinik für Innere Medizin I des UKU. Er ist auf Krebserkrankungen des gesamten Magen-Darm-Trakts spezialisiert und zudem Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft.
(Quelle: Universitätsklinikum Ulm)